Verhaltensforschung: Intelligente Menschen sind anfälliger für Drogenkonsum

Wer als Kind schlau ist, greift als Jugendlicher und Erwachsener eher zu illegalen Drogen, sagen britische Forscher. Das Elternhaus spielt dabei keine Rolle - Charaktereigenschaften und das Geschlecht jedoch schon.

Beliebte Droge Cannabis: Schlaue Kinder, konsumieren als Jugendliche häufiger. Zur Großansicht
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Beliebte Droge Cannabis: Schlaue Kinder, konsumieren als Jugendliche häufiger.

Wenig rauchen, viel körperliche Bewegung und gesunde Ernährung mit Obst und Gemüse im Erwachsenenalter: Intelligente Kinder verhalten sich zwei Studien aus den vergangenen Jahren zufolge vorbildlich. Britische Forscher haben nun jedoch in einer Langzeitstudie Hinweise darauf gefunden, dass höhere Intelligenz im Kindesalter eher mit Drogenkonsum in der Jugend und jungem Erwachsenenalter verknüpft sein könnte, berichtet das Fachmagazin "Journal of Epidemiology and Community Health".

Die Forscher von der Cardiff University und dem University College London werteten für ihre Untersuchung die Daten von einer landesweiten Studie aus. Die knapp 8000 Probanden nahmen im Alter von fünf und zehn Jahren an altersgerechten Intelligenztests teil. Die Kinder mussten dafür unter anderem Figuren zeichnen oder fehlende Teile in einem Bild benennen. Mit 16 und 30 Jahren sollten die Studienteilnehmer angeben, ob und welche Drogen sie aktuell oder in den vergangenen zwölf Monaten genommen haben.

Die Ergebnisse verblüffen: Kinder mit höheren Werten in den Intelligenztests konsumierten mit 16 und 30 Jahren eher Drogen als Kinder mit niedrigeren Werten. Die Drogenkonsumenten hatten vier bis acht Punkte mehr als ihre Altersgenossen, die keine illegalen Rauschmittel konsumierten, und im Durchschnitt bis zu 110 Punkte in dem IQ-Test. Menschen mit einem Intelligenzquotienten von 100 gelten als durchschnittlich intelligent, ab 115 gilt ein Mensch als überdurchschnittlich begabt. Allerdings lassen sich die Punktwerte aus Kinder-IQ-Tests nicht eins zu eins auf die Intelligenzwerte aus Erwachsenentests übertragen - die Kriterien für die Messungen sind teilweise zu unterschiedlich.

Schlaue Frauen gefährdeter als Männer

Im Detail zeigte die Studie: Bein Männern, die mit fünf Jahren einen höheren IQ hatten, war die Wahrscheinlichkeit, Ecstasy oder Amphetamine zu nehmen, 50 Prozent größer. Für ein besonders intelligentes Mädchen war es im Vergleich zu den männlichen Studienteilnehmern sogar doppelt so wahrscheinlich, dass es als Jugendliche oder Erwachsene Drogen wie Kokain oder Cannabis konsumierte.

Für beide Geschlechter gilt jedoch: Weder die Schicht der Eltern noch schwere psychische Belastungen oder das Einkommen als Erwachsene beeinflussten den Zusammenhang zwischen Intelligenz und Drogenkonsum, so das Ergebnis der Forscher. Allerdings machen sie keine Angaben, wie oft die Probanden Drogen konsumierten. Sie haben lediglich erfragt, ob ein Teilnehmer Rauschmittel genommen hat, nicht aber, ob das regelmäßig oder nur selten geschah - ein nicht unwichtiges Detail.

Interesse an Drogen - aus Langeweile oder Experimentierfreude

Warum Intelligenz möglicherweise ein Risikofaktor für Drogenkonsum sein könnte, darüber können die Wissenschaftler nur spekulieren. Die bisherige Forschung habe gezeigt, dass hochbegabte Kinder sich schnell langweilen. Andere Untersuchungen stellten fest, dass intelligentere Menschen eher nach Stimulation und Neuem suchen und daher womöglich Experimenten mit Drogen offener gegenüberstehen. Generell würden begabte Menschen mehr ausprobieren. Wie genau es zu den Erkenntnissen in ihrer eigenen Studie kommt, sollen den Briten zufolge weitere Untersuchungen klären.

jha

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insgesamt 106 Beiträge
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1. Zum Nutzen der Studie
herrbombadil 15.11.2011
Zitat von sysopWer als Kind schlau ist, greift als Jugendlicher und Erwachsener eher zu illegalen Drogen, sagen britische Forscher. Das Elternhaus spielt dabei keine Rolle -*Charaktereigenschaften und das Geschlecht jedoch schon. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,797764,00.html
Da ist er also, der Beweis! Intelligent zu sein heißt noch lange nicht klug zu sein
2. ...
deus-Lo-vult 15.11.2011
Die englische Langzeitstudie brachte als nur das Eine zum Vorschein: Den Konjunktiv.
3. "Hochbegabt"
karinreske 15.11.2011
Hoffentlich nehmen das nicht wieder einige als "Beweis" für ihre "überragende Intelligenz" wie das bei ADHS heute allgemein üblich ist.
4. Koinzidenz
Emil Peisker 15.11.2011
Zitat von sysopWer als Kind schlau ist, greift als Jugendlicher und Erwachsener eher zu illegalen Drogen, sagen britische Forscher. Das Elternhaus spielt dabei keine Rolle -*Charaktereigenschaften und das Geschlecht jedoch schon. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,797764,00.html
Ich glaube kein Wort. Aufklärung bringt bei intelligenten Kids mehr als bei weniger talentierten. Solche Studien sind Opfer einer Koinzidenz, deren Ursache die Forscher noch nicht mal im Ansatz erkennen. Dazu: Von einer Koinzidenz zweier oder mehrerer Ereignisse auf einen kausalen (ursächlichen) Zusammenhang zu schließen, stellt logisch betrachtet einen Fehlschluss dar
5. ...
John.Moredread 15.11.2011
Zitat von Emil PeiskerIch glaube kein Wort. Aufklärung bringt bei intelligenten Kids mehr als bei weniger talentierten. Solche Studien sind Opfer einer Koinzidenz, deren Ursache die Forscher noch nicht mal im Ansatz erkennen. Dazu: Von einer Koinzidenz zweier oder mehrerer Ereignisse auf einen kausalen (ursächlichen) Zusammenhang zu schließen, stellt logisch betrachtet einen Fehlschluss dar
Sie haben lediglich vergessen, zu erwähnen, warum es sich hier um eine Koinzidenz handelt, und nicht um einen ursächlichen Zusammenhang. Möglicherweise gefällt Ihnen das Forschungsergebnis aus ideologischer Sicht nicht?
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