Verhütung: Hormonfreie Pille für den Mann?

Von Iris Schaper

Britischen Wissenschaftlern ist es gelungen, durch Ausschalten eines Genes bei männlichen Mäusen die Zeugungsfähigkeit um 90 Prozent zu senken. Die Forschungsergebnisse könnten den Weg zu einer hormonfreien Pille für den Mann ebnen.

Verhütung: Schluckt bald der Mann die Pille?
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Verhütung: Schluckt bald der Mann die Pille?

Ansatzpunkt der Wissenschaftler der britischen Universität von Leicester, die ihre Studie in Fachzeitschrift "Nature" veröffentlichten, war ein Gen, das für den Rezeptor zuständig ist. Dieser Rezeptor ist für die Kontraktion des Samenleiters verantwortlich, die normalerweise dazu führt, dass reife Spermien in die Samenflüssigkeit gelangen. Genau hier setzten die Forscher an: Sie züchteten Mäuse, bei denen das Rezeptor-Gen P2X1 fehlte. Die Folge: Die Fruchtbarkeit der männlichen Mäuse sank um 90 Prozent.

Die Samenflüssigkeit der Versuchsmäuse enthielt beinahe keine Spermien mehr. Normalerweise führen bei Mäusen hundert Prozent der Paarungen auch zu einer Trächtigkeit beim Weibchen. Die Versuchsmäuse mit ihrem P2X1-Defekt jedoch konnten nur in 13,7 Prozent der Paarungsakte tatsächlich ein Weibchen erfolgreich begatten. Und selbst unter diesen Würfen war die Anzahl der Jungen um ein Drittel geringer als bei Durchschnittsmäusen.

Ansonsten erfreuten sich die Mäusemännchen bester Gesundheit - bis auf eine leichte Erhöhung des Blutdrucks konnten die Wissenschaftler keine Nebenwirkungen feststellen. Auch die Spermien sind genauso intakt wie zuvor. Da die Ausschaltung des Gens nur in den Transport der Spermien, nicht aber in deren Produktion eingreift, bietet sich nun eine einmalige Gelegenheit für die Forschung:

Man könnte ein Medikament entwickeln, das Männer unfruchtbar macht, ohne andere Männlichkeitsmerkmale zu beeinträchtigen. Schon jetzt gibt es Arzneimittel, die einen ähnlichen "Verschluss" des Samenleiters bewirken. Diese könnten, die Mitautorin der Studie, Catrin Pritchard, "sofort in klinische Tests gehen".

Natürlich gibt es zwischen Mäusen und Menschen große Unterschiede. Allerdings sei es "äußerst wahrscheinlich, dass der menschliche Samenleiter auf dieselbe Art funktioniert wie bei Mäusen", sagte Pritchard.

Umgekehrt wäre es vielleicht auch möglich, viele Fälle von Sterilität über ein gegenteilig wirkendes Medikament zu heilen. Eine Fehlfunktion bei der P2X1-Produktion könnte die Ursache für viele Fälle von Unfruchtbarkeit sein, glauben die Wissenschaftler. Zukünftige Forschung auf diesem Gebiet könnte deshalb auch "zu einer Behandlungsmethode für diese Patienten führen", hofft Pritchard.

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