Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Verschollene Freibeuter: Das Geheimnis der toten Piraten

Von

Sie geistern durch Hollywood-Filme, Kinder- und Geschichtsbücher, doch für Forscher sind Piraten so gut wie unsichtbar. Archäologen finden weder Schatzkarten noch Handprothesen mit Enterhaken. Nur mit viel Geduld gelingt die Suche - dann aber gibt es einige Überraschungen.

Wie lehrte es Indiana Jones in "Der letzte Kreuzzug" seinen Studenten? "Archäologie ist die Suche nach Fakten. Nicht nach der Wahrheit." Wer an der Wahrheit interessiert sei, solle einen Philosophiekurs belegen, sagte er seinen Zuhörern. Sie sollten "diese Geschichten von verborgenen Städten" vergessen: "Wir folgen keinen alten Karten, entdecken keine vermissten Schätze - und noch nie hat ein X irgendwann irgendwo einen bedeutenden Punkt markiert."

Doch wenn kein X ihre Schätze markiert - wie erkennt dann ein Archäologe einen Piraten?

Am Holzbein? An der Augenklappe? Am Haufen leerer Rumflaschen?

Oder vielleicht am Skelett des Papageien in unmittelbarer Nähe seiner Schulter?

"Keiner dieser Hinweise wurde je bei einem Piraten gefunden", sagt Russell Skowronek von der kalifornischen Santa Clara University. Der Archäologe geht der Frage nach, warum vom ganzen Goldenen Zeitalter der Piraterie von 1650 bis 1725 so gut wie keine Artefakte erhalten sind.

Spätestens seit der Filmtrilogie "Fluch der Karibik" haben viele bei der Erwähnung des Wortes Pirat eine grell-elegante Erscheinung à la Johnny Depp als Jack Sparrow vor Augen. Doch weit gefehlt. In den tatsächlichen archäologischen Hinterlassenschaften kommen die Piraten nicht so auffällig daher. Keine schwarze Flagge weht an den Masten ihrer Schiffswracks.

Vollständig von Korallen umwachsen

"Archäologisch betrachtet sind Piraten unsichtbar", sagt Skowronek im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Weltweit fanden die Unterwasserarchäologen bislang nur vier Schiffe, die nachweislich von Piraten gesegelt wurden: die "Speaker" von John Bowen, Black Sam Bellamys "Whydah", William Billy One-Hand Condents "Fiery Dragon" und die "Queen Anne's Revenge" des berüchtigten Captain Blackbeard.

Von der "Speaker" ist nicht mehr viel übrig. Als das Team des französischen Historikers Patrick Lizé 1980 vor der Küste von Mauritius nach den Resten tauchte, fanden sie lediglich einige nautische Instrumente, Perlen, Goldbarren, Tonpfeifen, Kanonen und Munition - verstreut über 5000 Quadratmeter Korallenriff, viele der Artefakte vollständig von Korallen umwachsen.

Daran, dass es sich um die Überreste der 1702 gesunkenen "Speaker" handelte, bestand kein Zweifel. Denn es gab zeitgenössische Berichte über den ungefähren Ort ihres Verbleibs - und weit und breit kein anderes Schiffswrack aus jenen Jahren. Ein Glücksfall für die Archäologen, denn "nichts an der Fundstelle hätte uns sonst verraten, dass es sich um die Überreste eine Piratenschiffs handelte", sagt Lizé.

Noch eindeutiger präsentierte sich der Fall der "Whydah", die 1717 vor Cape Cod im US-Bundesstaat Massachusetts sank. Die Schatztaucher um Barry Clifford von der Bergungsfirma Maritime Explorations holten 1983 eine schwere Glocke an die Wasseroberfläche - und auf der prangte der Namenszug des Schiffes.

Hätte man jedoch nicht gewusst, dass die "Whydah" unter dem Kommando von Black Sam Bellamy stand, wäre niemand auf die Idee gekommen, in ihr ein Piratenschiff zu vermuten. Im Gegenteil. Hartnäckig hält sich das Gerücht, Piratenschiffe seien demokratisch organisierte Rechtszonen gewesen, in denen der Captain lediglich als "Erster unter Gleichen" seine Mannschaft solange anführte, bis diese beschloss, ihn wieder abzusetzen.

Die Verteilung der Funde von der "Whydah" aber erzählt eine andere Geschichte. Alle Manschetten- oder Mantelknöpfe sowie Gürtelschnallen aus wertvollem Silber lagen dort, wo sich einst das Heck befand - also die Quartiere des Captains und seiner Offiziere. In der Region der Schiffsmitte dagegen, wo die Mannschaft hauste, waren alle Accessoires an der Kleidung aus billigem Blech oder Zinn.

Diesen Artikel...
Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 12 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. "Ein leicht erkennbarer Pirat wäre ein toter Pirat gewesen"
jean-luc2305 25.06.2009
Mal wieder das entscheidende und nachvollziehbarste Argument im letzten Satz. Wer glaubt schon, dass Piraten auch nur im Ansatz so waren, wie wir sie uns in unseren Filmen vorstellen?
2. ...
John.Moredread 25.06.2009
Vermutlich die selben Leute, die glauben, das Ritter sich damals ritterlich verhalten hätten :)
3. Da fehlt aber auch einiges...
Onkel Uwe, 25.06.2009
Mal ne Frage: Woran wollten sie Piraten erkennen? Totenkopfflagge? Bunte Klamotte? Bei den Funden sind wie beschrieben schon Holzstücke verfault, Stoffe ja wohl noch eher. Gefundenes waren Metallteile, die mal an der Kleidung waren. Also kein Hinweis, wie ein Pirat ausstaffiert war oder obs ne Totenkopfflagge vielleicht gegeben hat. Und der Hinweis im letzten Satz: Natürlich haben sie die Piratenflagge erst im Angriff aufgezogen, wenn sie eine hatten und sind nicht permanent damit rumgefahren. Ihre Kleidung wird schon die von normalen anderen Seeleuten gewesen sein, eben weil es praktische Gründe dafür gab und ausserdem die Klamotten nunmal so existierten. Werden wohl nicht viele Seeleute (Piraten oder nicht) beim Designer Eigenkreationen bestellt haben ;)
4. Tja...
Hador, 25.06.2009
Faszinierender Artikel, man stellt eine These auf 'Alle Welt glaubt Piraten seien genau so gewesen wie im Hollywood Film' (ob die jetzt stimmt oder nicht ist ja völlig egal) labert dann etwas rum und kommt letztendlich zu dem wenig überraschenden Ergebnis, dass das reale Leben mit Hollywood nicht viel zu tun hat. Um das zu erkennen braucht man aber kein Journalist zu sein....
5. Uninteressanter Artikel
simonlange 25.06.2009
Zitat von sysopSie geistern durch Hollywoodfilme, Kinder- und Geschichtsbücher, doch für Forscher sind Piraten so gut wie unsichtbar. Archäologen finden weder Schatzkarten noch Handprothesen mit Enterhaken. Nur mit viel Geduld gelingt die Suche - dann aber gibt es einige Überraschungen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,627463,00.html
"Nur mit viel Geduld gelingt die Suche - dann aber gibt es einige Überraschungen." Aha, nach Studium des Artikels muss ich aber fragen: Wo ist denn nun die angepriesene "Ueberraschung"?! Der Artikel enthielt nichts das auch nur ansatzweise neu waere. Ueberhaupt ist der gesamte Artikel kuenstlich in die Laenge gezogen und haette problemlos in 10 Zeilen untergebracht werden koennen. Aber vielleicht wurde der Author nicht pauschal sondern pro Wort entlohnt.... Simon
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Fotostrecke
Kaum zu fassen: Piraten
Fotostrecke
Störtebeker: Das Rätsel um den Freibeuter-Schädel

Fotostrecke
Unter Wasser: Captian Kidds Schiff und die Forscher
Fotostrecke
Kaum zu fassen: Piraten


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: