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Verseuchte Häuser: Strahlenschutzbehörde warnt vor Krebsgefahr durch Radon

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Lungenkrebsrisiko Radon: Das radioaktive Edelgas lauert in Häusern und tötet jedes Jahr fast 2000 Menschen. Bei der Vorstellung seines Jahresberichts nannte das Bundesamt für Strahlenschutz Schutzmaßnahmen gegen den unsichtbaren Killer.

Der Angreifer ist unsichtbar, er riecht nicht und hat keinen Geschmack. Das radioaktive Edelgas Radon kriecht aus Boden und Gestein unterhalb von Häusern durch das Mauerwerk und sammelt sich im Innenraum. Dort kann es schweren Schaden anrichten: Gebunden an Staub und Aerosole gelangen die Zerfallsprodukte von Radon in die menschlichen Bronchien und können dort Krebs auslösen: Jedes Jahr sterben mindestens 1900 Menschen in Deutschland an einem Lungentumor, der auf Radon zurückzuführen ist.

Auf die Gefahren durch den radioaktiven Stoff machten am heutigen Mittwoch erneut das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) und das Bundesumweltministerium aufmerksam. Bei der Vorstellung des BfS-Jahresberichtes in Berlin sagte Behördenpräsident Wolfram König: "Es ist sinnvoll, die Radonkonzentration gerade in höher belasteten Häusern zu reduzieren."

Spätestens seit einer europäischen Meta-Studie aus dem Jahr 2005 wissen Experten, dass Radon in Wohnräumen gefährlich werden kann. Die Auswertung von 13 internationalen Untersuchungen hatte ergeben, dass die Beziehung von Exposition und Wirkung nahezu linear verläuft: Je höher die Radonkonzentration in der Raumluft, desto größer das Risiko für Lungenkrebs. In Zahlen ausgedrückt: Steigt die Radonmenge um 100 Becquerel pro Kubikmeter Luft, dann nimmt die Gefahr für die Entstehung eines Lungentumors um zehn Prozent zu.

In deutschen Haushalten liegen die durchschnittlichen Messwerte bei 49 Becquerel pro Kubikmeter Luft. Die Bundesregierung hat vor einigen Jahren den Grenzwert von 100 Becquerel pro Kubikmeter Luft festgelegt, der nicht überschritten werden sollte. Diese Zahl ergibt sich nach Angaben des BfS aus der Tatsache, dass Radon auch aus Baumaterialien und durch den Austausch mit der Außenluft in die Räume eines Hauses gelangen kann, und es "nicht generell praktikabel" sei, niedrigere Konzentrationen zu erreichen.

In jedem dritten Haus wird der angegebene Richtwert jedoch überschritten. In etwa jedem zehnten Gebäude lagen die Konzentrationen zwischen 200 und 400, in jedem zwanzigsten Haus sogar bei bis zu 1000 Becquerel pro Kubikmeter Luft. In diesen Fällen sollten die Werte nach Meinung von Wolfram König gesenkt werden. Dafür reichten mitunter einfache Handgriffe, die das BfS auf seiner Internet-Seite nennt:

  • häufiges, intensives Lüften
  • Rohre, Wandrisse oder Fugen abdichten, durch die Radon eintreten kann
  • Abdichtung von Kellertüren

Werde ein Haus neu gebaut, hindern nach Angaben von König Beton-Plattenfundamente und Abdichtungen gegen Bodenfeuchte das Edelgas am Eindringen. Besonders wichtig sei auch, das Mauerwerk in den Bereichen abzudichten, in denen das Gebäude Kontakt mit den umgebenden Erdschichten habe.

Neben dem Radonproblem liegt ein besonderer Fokus des BfS-Berichts auf der UV-Strahlung durch Sonnenlicht, die insbesondere Kinder stark schädigen kann. "80 Prozent der UV-Lebensdosis erhält man im Alter bis zu 18 Jahren", sagte Wolfram König bei der Präsentation in Berlin. "Der Körper reagiert erst nach vielen, vielen Jahren. Die Haut vergisst nichts."

Jedes Jahr erkranken in Deutschland schätzungsweise rund 140.000 Menschen neu an weißem (120.000 Fälle) oder schwarzem Hautkrebs (ca. 15.000 Fälle). Seit dem 1. Juli 2008 hat jeder über 35-Jährige alle zwei Jahre Anspruch auf eine Früherkennungsuntersuchung von Hautkrebs. Die Krankenkassen zahlen dieses Screening, da sich ein früh erkannter Tumor oft besser behandeln lässt und die Heilungschancen steigen.

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Radioaktives Radon: Gefahr in Boden, Luft und Räumen


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