Versorgungskrise Wassermangel bedroht Städte Afrikas

In Afrika verschärft sich der Trinkwassermangel: 55 Millionen Menschen haben in den Metropolen keinen Zugang zu trinkbarem Wasser. Vor allem der Klimawandel beschert dem Kontinent eine trockene Zukunft. Aber auch in Deutschland ist die Wasserinfrastruktur sanierungsbedürftig.

Beim Wassertrinken: Millionen Afrikaner haben keinen Zugang zu sanitären Anlagen
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Beim Wassertrinken: Millionen Afrikaner haben keinen Zugang zu sanitären Anlagen


Kapstadt/Berlin - Die Verknappung von Süßwasserreserven gilt als eines der bedeutendsten Problemen des 21. Jahrhunderts. Vor allem Afrika bekommt immer größere Schwierigkeiten mit dem wertvollen Nass: Der Mangel an Trinkwasser und sanitären Anlagen in den Metropolen Afrikas wird nach Angaben der Vereinten Nationen noch weiter zunehmen. Die Zahl der Menschen, die keinen Zugang zu Trinkwasser haben, sei in den Städten des Kontinents von 30 Millionen im Jahr 1990 auf heute 55 Millionen gestiegen, heißt es in einem am Montag auf der Uno-Wasserkonferenz in Kapstadt (Südafrika) veröffentlichten Papier. Etwa 175 Millionen Afrikaner haben demnach auch keinen Zugang zu angemessenen sanitären Anlagen. 1990 lag diese Zahl nur halb so hoch. Diese Fakten präsentieren das Uno-Umweltprogramm Unep sowie das Programm für menschliche Siedlungen der Vereinten Nationen in ihrem Bericht.

Afrikas Städte haben den Angaben nach weltweit das höchste Wachstum. 400 Millionen der eine Milliarde Menschen Afrikas lebten heute in Städten. Von ihnen müssten 60 Prozent - also 240 Millionen - in Slums ohne ausreichende Wasserversorgung und Infrastruktur auskommen. Unep-Direktor Achim Steiner sprach von "ernüchternden Fakten", die auf dem Uno-Kongress für nachhaltige Entwicklung 2012 ein zentrales Thema sein müssten.

"Wir müssen Planung und Management in den Städten dringend verbessern", sagte Habitat-Direktor Joan Cloas. "Auch um sicherzustellen, dass die Städte besser auf die wachsenden Auswirkungen des Klimawandels vorbereitet sind."

Als ein Beispiel für die rapide Verstädterung und die damit verbundenen Probleme vor allem in der Wasserversorgung nennt das Papier Nairobi. Seit 1984 sei die Bevölkerung in der Hauptstadt Kenias von 119.000 auf 3,1 Millionen angewachsen. Es gebe nun etwa 200 Slums, in denen oft 40 Prozent des gelieferten Wassers aufgrund undichter Röhren und Hähne vergeudet würden.

Auch Deutschland steht laut Bundesforschungsministerium vor großen Herausforderungen im urbanen Wassermanagement. "Durch den Klimawandel werden Hochwasser und Trockenperioden häufiger, die Winter niederschlagsreicher und die Sommer trockener. Die deutsche Bevölkerung wird sich bis 2050 voraussichtlich um etwa zehn Millionen Menschen verringern, aber verstärkt in Metropolregionen konzentrieren", erläuterte das Ministerium. Darüber hinaus sei die Wasserinfrastruktur in vielen Städten und Gemeinden sanierungsbedürftig.

Weltweit hätten etwa eine Milliarde Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und etwa 2,5 Milliarden Menschen "keine Toiletten, die den Namen verdienen".

"Wasser und Sanitärversorgung sind essentiell für ein Leben in Würde", erklärte die Direktorin des Deutschen Instituts für Menschenrechte, Beate Rudolf. Ein Mangel in diesem Bereich habe gravierende Folgen für Gesundheit, Bildung und Erwerbstätigkeit.

cib/dpa

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