Versteinerte Spuren Älteste menschliche Fußabdrücke entdeckt

Vor über 325.000 Jahren kraxelten kleinwüchsige Zweibeiner den italienischen Vulkan Roccamonfina herunter. Ihre Fährten sind womöglich die ältesten je entdeckten menschlichen Fußspuren.


Fußabdruck am Vulkan Roccamonfina: Bekannt als "Teufelsspuren"
Paolo Mietto, Marco Avanzini

Fußabdruck am Vulkan Roccamonfina: Bekannt als "Teufelsspuren"

Nach einem vorgeschichtlichen Ausbruch des Roccamonfina nördlich von Neapel hinterließen drei Wanderer in der heißen Asche Spuren, die sich als die ältesten bekannten Fußabdrücke echter Menschen erweisen könnten. Die versteinerten Fährten seien zwischen 385.000 und 325.000 Jahre alt, berichten italienische Forscher in der aktuellen Ausgabe des britischen Fachmagazins "Nature".

Die Reihen aus insgesamt 56 Abdrücken, den Einheimischen schon länger als "Teufelsspuren" bekannt, laufen über einen Abhang an der Flanke des mittlerweile erloschenen Vulkans. Sie stammen von aufrecht gehenden Hominiden, die sich nur an besonders steilen Stellen abgestützt haben. Das zeigen vereinzelte Händeabdrücke, die das Team zwischen den Fußspuren entdeckt hat.

Verlauf einer Fährte: Nur an steilen Stellen abgestützt

Verlauf einer Fährte: Nur an steilen Stellen abgestützt

Die Fußabdrücke fallen mit einer Länge von rund 20 Zentimetern vergleichsweise kurz aus. Die Verursacher können, wie die Forscher um Paolo Mietto von der Universität Padua berechnet haben, nicht größer als 150 Zentimeter gewesen sein. Die Vulkanasche, in der die kleinwüchsigen Kraxler ihre Spuren hinterließen, entstammt einer geologisch bereits datierten Ausbruchsphase, so dass die Wissenschaftler das Alter der Fährten relativ einfach bestimmen konnten.

Wenn sich der Fund bestätige, so Jürgen Richter vom Institut für Ur- und Frühgeschichte an der Universität Köln, "wäre diese eine wichtige Entdeckung für die Erforschung der Menschheitsgeschichte." Zwar sind noch ältere Abdrücke von Zweibeinern bekannt: "Den aufrechten Gang gibt es seit etwa 3,8 Millionen Jahren", erklärt Richter. Doch die damals lebenden Australopithecinen seien keine Menschen im engeren Sinne gewesen, sondern Verwandte aus der Gruppe der Primaten.

Besonders berühmt sind die etwa 3,5 Millionen Jahre alten Fußabdrücke in der Olduvai-Schlucht im ostafrikanischen Tansania, welche die Anthropologin Mary Leakey und ihr Mann Louis 1978 entdeckt hatten. Aus diesen Spuren lernte damals die Fachwelt, dass die ersten menschenähnlichen Wesen schon Jahrtausende früher als gedacht den aufrechten Gang erlernt hatten.



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