Virenvariante Tödlicher Schnupfen

Seit 18 Monaten tritt in den USA sporadisch eine bisher unbekannte Variante eines Erkältungsvirus auf, das ungewöhnlich viele Opfer fordert - manche sterben binnen drei Tagen. Die Gesundheitsbehörde CDC alarmiert nun die Ärzte: Die Krankheit sei selten, aber unberechenbar.


Die amerikanische Gesundheitsbehörde CDC warnt Ärzte vor einer neuen Variante der Adenoviren, Subtyp 14. Seit Mai 2006 traten an vier Orten in den USA Infektionsfälle auf, die sich durch einen ungewöhnlich schweren Krankheitsverlauf auszeichneten. In einem Fall brauchten 22 von 30 Erkrankten stationäre medizinische Hilfe, 16 davon Intensivpflege und sieben starben - alle an schweren Lungenentzündungen.

Allerweltskrankheit mit Risiken: Ein Schnupfen gehört für die meisten Menschen zur kalten Jahreszeit. Bei heftigen Symptomen und rapider Verschlechterung sollte man ärztliche Hilfe suchen
DPA

Allerweltskrankheit mit Risiken: Ein Schnupfen gehört für die meisten Menschen zur kalten Jahreszeit. Bei heftigen Symptomen und rapider Verschlechterung sollte man ärztliche Hilfe suchen

Untypisch erschienen bei der Analyse der Daten auch der schnelle Krankheitsverlauf - einige der bisher zehn Toten starben binnen drei Tagen - sowie die Altersstruktur der Opfer: Darunter finden sich einige Kinder, ansonsten aber vornehmlich junge, gesunde Erwachsene.

Die Warnung der CDC richtet sich an die Ärzte, nicht an die generelle Öffentlichkeit. Von einer Epidemie könne keine Rede sein, beruhigt die Behörde, bisher seien die Fälle über einen großen Raum verteilt und mit größerem zeitlichen Abstand aufgetreten.

Aufgefallen war der neue Subtyp, nachdem zwischen Februar und Juni 27 Soldaten der Lackland Airforce Base mit Lungenentzündungen eingeliefert worden waren. Eine daraufhin eingeleitete Untersuchung offenbarte, dass es im Umland in diesem Zeitraum weitere 268 Adeno-Infektionen gegeben hatte, von denen 89 Prozent vom neuen Subtyp verursacht wurden.

Die CDC mahnt nun an, vermeintlich alltägliche Erkrankungen mit erhöhter Aufmerksamkeit zu beobachten. Der Öffentlichkeit rät die Gesundheitsbehörde in der gerade beginnenden Erkältungszeit auf hygienische Maßnahmen zu achten und darauf, das Immunsystem durch adäquate Ernährung zu stärken.

Ein Mittel gibt es nicht

Denn ein Gegenmittel gibt es nicht. Adenoviren gehören zu den so weit verbreiteten wie permanenten Quälgeistern des Menschen: Sie treten in zahlreichen Varianten auf und verursachen eine Vielzahl verschiedener Krankheitsbilder. Von ganz banalen Erkältungskrankheiten über Atemwegsinfekte bis hin zur Lungenentzündung, von Bindehautentzündungen bis zum Durchfall können sie im Spiel sein. Die meisten Menschen bemerken sie allerdings, wenn schlicht die Nase tropft.

Was harmloser klingt, als es ist: Weil den Viren eine empfindliche Außenhülle fehlt, gelten sie als extrem langlebig. Sie widerstehen Desinfektionsmitteln und Medikamenten, nur gegen zwei Varianten gibt es Impfungen, und wirklich vernichten lassen sie sich zuverlässig nur durch Erhitzung über 56 Grad. Das verbietet sich in der Therapie von selbst, folglich besteht die in der Regel aus einer Bekämpfung der Symptome. Was grundsätzlich kein großes Problem ist, denn Adenoviren sind in der Regel keine Killer.

Die Bekämpfung von in größerer Zahl auftretenden Adenoviren-Infektionen gilt als problematisch, weil die Viren sowohl durch Tröpfcheninfektion, als auch über Fäkalien und Wasser verbreitet werden können. Die Viren bleiben auch außerhalb von Wirten oft mehrere Wochen infektiös.

Die CDC-Warnung ist mit einem Maßnahmenkatalog verbunden, der eine weitere Ausbreitung des neuen Subtyps über Krankenhäuser verhindern soll. Dazu gehören Vorsichtsmaßnahmen bei der Beatmung von Patienten sowie verschärfte Hygienempfehlungen für medizinisches Gerät. Die bisher festgestellten Ausbrüche geschahen in vier verschiedenen Bundesstaaten zu unterschiedlichen Zeiten. Als Patient Nummer 1 wurde ein 12 Tage junges Kind identifiziert, das im Mai 2006 in einem Krankenhaus in New York starb.

pat

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