Berlin - Nach Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg wurden heute die ersten zwei Vogelgrippe-Fälle in Brandenburg gemeldet. Ob der Höckerschwan und die Ente allerdings mit der besonders gefährlichen Asia-Variante des Erregers H5N1 infiziert sind, steht noch nicht fest. Die Wildvögel wurden in der Nähe der Stadt Schwedt im Landkreis Uckermark an der polnischen Grenze gefunden.
Platzeck erklärte, angesichts der seit Wochen und Monaten zu beobachtenden Entwicklung sei das Auftreten der Seuche in Brandenburg nur eine Frage der Zeit gewesen. Die Ministerien und die örtlichen Behörden hätten die Zeit gut genutzt. "Die Tierseuche trifft uns nicht unvorbereitet", erklärte Platzeck.
In Mecklenburg-Vorpommern wurde bei drei weiteren Vögeln die Seuche nachgewiesen. Auf Rügen, in Schleswig-Holstein und am Bodensee ging die Suche nach verendeten Vögeln weiter. Hubschrauber, Wasserschutzpolizei und Feuerwehrleute an Land sind im Einsatz.

Die Grünen-Politikerin Bärbel Höhn warf den deutschen Behörden eine Mitschuld bei der schnellen Ausbreitung der Vogelgrippe vor. Weil tagelang auf Testergebnisse gewartet worden sei, seien die notwendigen Vorkehrungen unterblieben, sagte sie der "Welt am Sonntag".
Unterdessen wurde der Vogelgrippe-Erreger erstmals auf einer Geflügelfarm in der Europäischen Union nachgewiesen. Auf der betroffenen Putenfarm im Osten Frankreichs waren 400 Tiere an der Vogelgrippe verendet. Der Rest der 11.000 Tiere sei getötet worden, teilten die Behörden mit.
Die Puten sind vermutlich über Stroh mit dem H5N1-Virus infiziert worden, das mit Kot von kranken Enten verdreckt war. Das Stroh des Putenzüchters in Versailleux im Departement Ain werde im Freien aufbewahrt und nur durch ein Dach vor Regen geschützt, sagte ein Sprecher der Gendarmerie. So sei es möglich, dass an Vogelgrippe erkrankte Enten in das Stroh gelangt sein könnten, fügte der Sprecher unter Verweis auf die Ermittlungen der Veterinäre hinzu.
in Baden-Württemberg, wo gestern der H5N1-Erreger in einer toten Tafelente festgestellt wurde, erklärte Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU), dass vor allem das Überspringen des Erregers vom Wild- auf das Hausgeflügel verhindert werden müsse. Die 19 Geflügelhalterbetriebe im Sperrbezirk dürfen drei Wochen lang kein Geflügel, Fleisch und Eier sowie Vögel anderer Arten herausbringen oder erhalten. Die Trinkwasser-Versorgung der 2,5 Millionen Menschen, die ihr Wasser vom Grund des Bodensees erhalten, ist laut Hauk nicht gefährdet. Das Wasser werde wie üblich mit Chlor und Ozon gereinigt, Krankheitserreger blieben im Sandfilter hängen.
Hauk rechnet nach eigenem Bekunden damit, dass in den kommenden Wochen vermehrt tote Wasservögel gefunden werden, wenn die Zugvögel an den Bodensee zurückkehren. "Es besteht ein gewisses Risiko, dass Zugvögel auf ihrer Route aus Afrika das Virus zu uns bringen könnten", sagte er.
Die EU-Kommission kündigte für betroffene Landwirte finanzielle Unterstützung an. Die Hälfte der Kosten für die Vernichtung getöteter Nutztiere sowie für Reinigung und Desinfizierung der Ställe könne von der EU-Kasse übernommen werden, sagte ein Behördensprecher. Auch den Ankauf gesunden Geflügels aus den Schutzzonen um einen betroffenen Betrieb, aus denen keine Tiere ausgeführt werden dürfen, würde die EU zur Hälfte übernehmen. Den Rest der Kosten müssten in solchen Fällen die jeweiligen Mitgliedstaaten übernehmen.
cvo/reuters/ap/dpa/ddp
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