Vogelgrippe: Immer mehr Politiker halten WM-Absage für möglich

Fällt die WM aus? Nach den Grünen schließen jetzt auch Politiker von Union und FDP eine Absage der Fußball-Weltmeisterschaft nicht mehr aus. Agrarminister Seehofer jedenfalls rechnet nicht mit einem schnellen Ende der Gefahr.

Passau - "Wir werden auf absehbare Zeit mit dem Virus leben müssen", sagte Horst Seehofer der "Passauer Neuen Presse". Es müsse mit einer Ausweitung des Erregers auf Wildvögel "auch in anderen Regionen" Deutschlands gerechnet werden. Ein Übergreifen auf Nutzgeflügel müsse verhindert werden. Dazu seien alle erforderlichen Maßnahmen getroffen.

Bundeswehr-Einsatz auf Rügen: Schutzmaßnahmen gegen Ausbreitung der Vogelgrippe
DPA

Bundeswehr-Einsatz auf Rügen: Schutzmaßnahmen gegen Ausbreitung der Vogelgrippe

Kritik von SPD-Vize Kurt Beck am Vogelgrippe-Krisenmanagement der Bundesregierung wies CSU-Mann Seehofer zurück. "Viele, die sich im Moment zu Wort melden, sind selbst sehr weit weg." Beck befinde sich derzeit im Wahlkampf: "Das erklärt einiges."

Seehofer bekräftigte seine Forderung nach mehr Bundeskompetenzen im Seuchenfall. "Sobald die akute Situation im Griff ist, müssen Bund und Länder eine Bestandsaufnahme machen. Wir benötigen für solche Situationen Möglichkeiten zur besseren Koordinierung und eine stärkere Leitfunktion des Bundes", sagte der Minister. Es dürfe nicht von einem Landkreis abhängen, "ob die Bundeswehr unterstützend tätig werden kann oder nicht". Tierseuchen wie die Vogelgrippe seien zwar lokale Ereignisse, jedoch mit globalen Auswirkungen bis hin zu möglichen Handelsbeschränkungen.

Auf einer Sondersitzung in Berlin berät heute der Agrarausschuss des Bundestags über Schutzmaßnahmen gegen die Vogelgrippe. Grüne und FDP hatten dem Landkreis Rügen, dem Land Mecklenburg-Vorpommern und Seehofer Fehler beim Krisenmanagement vorgeworfen.

"Vorrang für den Menschen"

Nach der Grünen-Politikerin Bärbel Höhn halten jetzt auch andere Politiker eine Absage der Fußball-WM für möglich. "Wenn auch Menschen erkranken, brauchen wir nicht mehr über die Ausrichtung einer Fußball-Weltmeisterschaft nachzudenken", sagte der FDP-Landwirtschaftsexperte Hans-Michael Goldmann der "Bild"-Zeitung. Die Vorstellung, die WM dann noch durchzuführen, sei abwegig. Außerdem wäre "kein Mensch so verrückt, dann noch ins Stadion zu gehen".

Auch der Agrarpolitiker Franz-Josef Holzenkamp (CDU) hält in diesem Fall eine Absage des Turniers für denkbar. "Wenn der Virus so gefährlich wird, stehen die Menschen an erster Stelle und nicht die Fußball-WM!" Die Bundesregierung hatte gestern zu ähnlichen Äußerungen erklärt, die Ausrichtung der WM sei aus heutiger Sicht nicht gefährdet.

Weiteres Todesopfer in Indonesien

In Indonesien ist ein weiteres Todesopfer durch die Vogelgrippe gemeldet worden. Erste Tests hätten bei einer 27 Jahre alten Frau, die in dieser Woche starb, den aggressiven Virustyp H5N1 festgestellt, sagte ein Sprecher der Sulianti-Saroso-Klinik für Infektionskrankheiten in Jakarta. Das Ergebnis müsse aber noch von einem Labor der Weltgesundheitsorganisation WHO bestätigt werden. Bislang gibt es 19 bestätigte Todesfälle durch die Seuche im nach der Bevölkerungszahl viertgrößten Land der Welt.

Die Frau aus einem Vorort der Hauptstadt Jakarta war am Montag gestorben, nur 30 Minuten nachdem sie in die Klinik gebracht worden war. Nach Angaben des Krankenhaussprechers war sie mit Hühnern in Kontakt gekommen, die mit der Vogelgrippe infiziert waren.

lan/AFP/AP/dpa

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