Vogelgrippe WHO schlägt Alarm

Die von der Vogelgrippe ausgehende Gefahr wird nach Ansicht der Weltgesundheitsorganisation bislang stark unterschätzt. Der Leiter des WHO-Influenza-Programms hat jetzt vor einer Seuche gewarnt, "wie wir sie vielleicht noch nicht gesehen haben".


Risiko Vogel: Die Übertragung auf den Menschen ist selten - noch
DPA

Risiko Vogel: Die Übertragung auf den Menschen ist selten - noch

Frankfurt/Main - Die Organisation rief die Länder eindringlich zu raschen Vorsorgemaßnahmen gegen die Vogelgrippe auf. Zwar sei das Virus derzeit nur schwer auf den Menschen übertragbar, sagte der Leiter des Influenza-Programms, Klaus Stöhr, heute dem NDR. Sollte sich der Erreger aber verändern und von Mensch zu Mensch ausbreiten, wäre eine globale Seuche möglich. Das Virus werde sich dann sehr schnell ausbreiten. Deshalb seien Vorsorgemaßnahmen dringend angezeigt.

"Wer jetzt noch nicht angefangen hat mit der Pandemie-Vorbereitung, für den sollte es jetzt das letzte Signal sein", sagte Stöhr. Es gebe Modelle, wonach es nur drei oder sechs Monate dauern würde, bis sich der Erreger auf der ganzen Welt verbreitet habe. "Man muss dann davon ausgehen, dass zwischen einem Drittel, vielleicht einem Viertel aller erkranken, die meisten sehr mild, aber einige wohl doch sehr schwer", sagte Stöhr. Todesfälle ließen sich allerdings selbst mit der besten Vorbereitung nicht vermeiden.

Bei der Bekämpfung der Vogelgrippe ist nach Auffassung der stellvertretenden CDU/CSU-Fraktionsvorsitzenden im Bundestag, Gerda Hasselfeldt, eine engere Abstimmung zwischen der EU und ihren Mitgliedsstaaten nötig. Das Problem mache nicht vor nationalen Grenzen halt, sagte die im sogenannten Kompetenzteam von Unionskanzlerkandidatin Angela Merkel für Verbraucherschutz zuständige CSU-Politikerin dem Deutschlandradio Kultur. In Deutschland müssten auch die Bundesländer stärker mit dem Bund kooperieren. "Die enge Abstimmung zwischen Zoll, Human- und Tiermedizin muss funktionieren", sagte Hasselfeldt. Es bestehe aber kein Grund zur Panik.

Bundesländer laut von der Leyen vorbereitet

Die niedersächsische Sozialministerin und für Gesundheit zuständiges Mitglied in Merkels Wahlkampfteam, Ursula von der Leyen, wies unterdessen die Kritik des Berliner Robert-Koch-Institutes (RKI) an angeblich mangelnden Vorsorgemaßnahmen der Länder zurück. Die Debatte, für wie viel Prozent der Bevölkerung die Vorräte antiviraler Medikamente reichen sollten, führe in die falsche Richtung, sagte von der Leyen dem Berliner "Tagesspiegel".

"Panik zu schüren hemmt die sinnvolle Vorbereitung auf den möglichen Ausbruch einer Epidemie. Diese Arzneien sind nur Zwischenmittel, die nicht geeignet sind, in nennenswertem Umfang Todesfälle zu verhindern", sagte von der Leyen. Die nun gekauften Vorräte dieser Medikamente, die für etwa zehn Prozent der Bevölkerung ausreichten und den Ausbruch der Krankheit zumindest verzögern sollen, könnten durch das in Niedersachsen bereits bestehende Frühwarnsystem schnell an mögliche Infektionsherde geschafft werden.

"Viel wichtiger aber ist die schnelle Beschaffung eines Impfstoffes, denn nur dieser kann die Ausbreitung der Keime stoppen und Todesfälle verhindern." Der Bund habe die Verantwortung dafür übernommen, dass Forschung und Produktionskapazitäten dafür ausgebaut würden, sagte die CDU-Politikerin.



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