Volles Aroma Koffeinfreie Kaffeepflanze entdeckt

Kaffeefreunde mit Magen- und Schlafproblemen können Hoffnung schöpfen: Forscher haben in Afrika eine Kaffeepflanze entdeckt, die von Natur aus arm an Koffein ist. Der Muntermacher müsste dem Kaffee nicht mehr wie bisher auf Kosten des Aromas entzogen werden.


Kaffee-Ernte: Forscher finden nahezu koffeinfreie Pflanze
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Kaffee-Ernte: Forscher finden nahezu koffeinfreie Pflanze

Die brasilianischen Forscher untersuchten mehr als 3000 Kaffeepflanzen der Art Coffea arabica - und fanden am Ende drei Sträucher, die nahezu kein Koffein enthielten. Die Wissenschaftler um Paulo Mazzafera von der Universität in Campinas analysierten den Stoffwechsel der Pflanzen mit radioaktiv markierten Molekülen und Chromatografie-Methoden - und stellten fest, dass die Ursache für den Koffeinmangel wahrscheinlich eine Mutation des zuständigen Gens ist. Den Pflanzen aus Äthiopien fehlt offenbar ein Enzym, das für den Umbau einer chemischen Vorstufe zu Koffein notwendig ist, schreiben die Forscher im Fachmagazin "Nature" (Bd. 429, S. 826).

Koffeinfreien Kaffee gibt es zwar schon lange, doch wird dem Gebräu der munter machende Stoff nachträglich entzogen - was, anders lautenden Werbebotschaften zum Trotz, meist zu Lasten des Geschmacks geht, da bei dem chemischen Prozess wichtige Aromastoffe verloren gehen.

Mit der neu entdeckten Pflanze aber ließe sich Kaffee anbauen, der das volle Aroma trotz kaum vorhandenen Koffeins hätte, glauben die Forscher. Der Samen habe nur 0,76 Milligramm Koffein pro Gramm Trockengewicht aufgewiesen. "Mundo Novo", eine kommerzielle Sorte von Coffea arabica, besitze dagegen mit zwölf Milligramm die nahezu sechzehnfache Koffeinmenge. Auch in Blättern und anderen Teilen der magenfreundlichen Kaffeepflanze seien nur geringe Koffein-Konzentrationen gemessen worden.

Da die neuen Pflanzen zur Art des klassischen Coffea arabica gehören, ließen sie sich einfach mit bereits bekannten Sorten kreuzen. Denn zu der weltweit weitestverbreiteten Kaffeeart werden auch Sorten gerechnet, die für ihren guten Geschmack bekannt sind. Angesichts der geringen genetischen Vielfalt von Coffea arabica und der Tatsache, dass selbst ausgefallene und ältere Sorten guten Kaffee ergeben, sollte auch die koffeinarme Pflanze ein leckeres Getränk ermöglichen, folgern die Wissenschaftler.

Sollten sie Recht behalten, könnte die Entdeckung zu Millionengewinnen führen. Nach Zahlen des Deutschen Kaffee-Verbands wurden im Jahr 2003 allein in Deutschland 413.000 Tonnen Röstkaffee verkauft, davon 43.000 Tonnen in entkoffeinierter Form. Milde Kaffeesorten hielten einen Marktanteil von rund 40 Prozent.

Bisher aber waren alle Versuche gescheitert, auf dem natürlichem Weg des Kreuzens verschiedener Arten koffeinarme Kaffeepflanzen zu züchten. Die genetischen Barrieren zwischen den Arten erwiesen sich als zu hoch. Andere Versuche zielten darauf ab, die Produktion wichtiger Enzyme mit gentechnischen Methoden zu unterbinden. Doch auch das führte nicht zum gewünschten Ergebnis: Der Koffeinanteil konnte dabei nur um 50 bis 70 Prozent gesenkt werden.



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