Vorbild Insekt Kakerlaken-Roboter ertastet Wände

Kakerlaken sind in Wohnräumen selten gern gesehen. Ein kleiner Roboter aber könnte zum willkommenen Helfer werden, weil er sich mit der gleichen Technik durch Räume bewegt wie die Krabbeltiere - und das auch bei völliger Dunkelheit, Nebel oder Rauch.


Kakerlaken-Roboter: Die Wand "fühlen"
Will Kirk

Kakerlaken-Roboter: Die Wand "fühlen"

Kakerlaken rufen bei den meisten Menschen Ekel hervor. Bei Owen Loh, einem Studenten an der Johns Hopkins University in Baltimore, weckten die robusten Insekten jedoch Forscherinstinkte. Loh interessierte sich vor allem für die Fühler, mit deren Hilfe Kakerlaken um Hindernisse navigieren. Der Student wollte eine Art Antenne für Roboter bauen, die ähnlich wie die Fühler der Insekten funktioniert. "Ich mag die Idee, Biologie und Robotik miteinander zu kombinieren."

Nach mehr als 18 Monaten Forschungsarbeit hat Loh nun den ersten Prototypen seines Kakerlaken-Roboters vorgestellt. Das Gefährt, ein kommerziell hergestellter Roboter, wurde mit einem eigens entwickelten Fühler ausgerüstet, der Wände und Gegenstände spüren kann.

Loh (links) mit Forscherkollegen: "Biologie und Robotik kombinieren"
Will Kirk

Loh (links) mit Forscherkollegen: "Biologie und Robotik kombinieren"

Der Fühler besteht aus einer gummiartigen Urethanverbindung, die in einen Plastikschlauch gegossen wurde. Eingebettet im Urethan sind sechs Dehnmessstreifen, deren elektrischer Widerstand sich je nach Verbiegungswinkel ändert. Aus der anliegenden Spannung kann ein kleiner Computer den Winkel errechnen, sagt Loh. Wenn die Antenne eine zu große Annäherung an ein Hindernis melde, gebe der Computer den Befehl zum Abdrehen.

Üblicherweise nutzen Roboter optische Sensoren oder Sonar, um ihren Weg durch unbekannte Räume zu finden. Bei Dunkelheit oder Rauch versagten solche Systeme jedoch, erklärt Loh. Und ein Sonar könne bei besonders glatten Oberflächen Probleme bekommen. Der Fühler bilde hier eine interessante Alternative.

Lohs Professor, Noah Cowan, glaubt, dass die Antenne schon bald Roboter einer neuen Generation hervorbringen wird. Diese könnten sich sicher in dunklen, gefährlichen Umgebungen bewegen, etwa rauchgefüllten Räumen, in denen Schutt herumliege.

Fühl-Antenne: Prädestiniert für gefährliche Umgebungen
Will Kirk

Fühl-Antenne: Prädestiniert für gefährliche Umgebungen

Schon seit längerem wollen Forscher aus verschiedenen Instituten weltweit Robotern einen Tastsinn verpassen. Der Japaner Minoru Asada, Präsident der Robocup-Federation, hält die Entwicklung einer weichen, berührungsempfindlichen Roboterhaut für essentiell auf dem Weg zu humanoiden Robotern.

Es muss jedoch nicht immer ein Tastsinn sein, der Roboter weiter bringt. Amerikanische Forscher von der Stanford University und der University of California in Berkeley versuchen, den Maschinenwesen einen Geruchssinn zu geben, wie ihn Hummer und Langusten besitzen. Mit Riechfühlern, die sie rhythmisch durchs Wasser bewegen, sollen sie geringste Konzentrationen von Sprengstoff erschnüffeln und auf diese Weise den Weg zu Unterwasserminen finden, um diese unschädlich zu machen. Finanziert wird das Projekt von der US-Navy.



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