Vorbild Princeton: Potsdam bekommt eine Denkfabrik für Klimaforschung

Bis zu 50 Gastwissenschaftler sollen künftig an einem neuen Elite-Institut in Potsdam den Klimawandel erforschen. Bund und Land finanzieren die Denkfabrik, Gründungsdirektor ist der ehemalige Bundesumweltminister Klaus Töpfer.

Potsdam - Mit einem neuen Spitzenforschungsinstitut für Klimawandel in Potsdam will Annette Schavan Deutschland für die "internationale Wissenschaftselite" künftig noch attraktiver machen. Das sagte die Bundesforschungsministerin am Dienstag in Brandenburgs Landeshauptstadt. Bis zu 50 Gastwissenschaftler - von der Nachwuchswissenschaftlerin bis zum Nobelpreisträger - würden von Herbst an am Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS) erwartet.

Gründungsdirektor des "Institute for Advanced Sustainability Studies":  Klaus Töpfer steht vor der Kleist-Villa in Potsdam, wo bald bis zu 50 Spitzenforscher leben und arbeiten sollen Zur Großansicht
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Gründungsdirektor des "Institute for Advanced Sustainability Studies": Klaus Töpfer steht vor der Kleist-Villa in Potsdam, wo bald bis zu 50 Spitzenforscher leben und arbeiten sollen

Die Forscher sollen in dem nach Schavans Angaben weltweit ersten Institut seiner Art den Klimawandel, das Erdsystem und Wege zur Nachhaltigkeit untersuchen. Das Institut werde zunächst für sieben Jahre mit neun Millionen Euro von Bund und Land jährlich gefördert.

Vorbild ist der Ministerin zufolge das Institute for Advanced Study im amerikanischen Princeton, wo auch Albert Einstein forschte. Ähnlich wie an dem US-Elite-Institut könnten die "klügsten Köpfe" in Potsdam ein frei gewähltes Thema bearbeiten und bis zu zwei Jahre lang am Institut in der Potsdamer Kleist-Villa forschen und wohnen.

Die Ministerin erhofft sich eine "Intensivierung des internationalen Dialogs". Der Gründungsdirektor und ehemalige Bundesumweltminister Klaus Töpfer betonte, dass die Politik von den wissenschaftlichen Ergebnissen profitieren soll.

In Potsdam gibt es bereits zwei renommierte Institute, die zu Klima und Erde forschen: das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und das Helmholtz-Zentrum Potsdam - Deutsches Geoforschungszentrum. Warum wird dann noch ein drittes gegründet? Schavan und Töpfer betonten, dass das IASS nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung dazu anzusehen sei.

Töpfer will das neue Forschungszentrum als Scharnier zwischen Wissenschaft und Gesellschaft positionieren. "Zivilgesellschaft und Politik müssen stärker in die Forschung eingebunden sein", erklärt er. Das habe er in seiner Zeit in Nairobi gelernt. Töpfer hatte dort acht Jahre lang das Uno-Umweltprogramm geleitet. "Man kommt mit anderen Augen aus Afrika zurück, als man hingegangen ist."

Scharnier zwischen Wissenschaft und Gesellschaft

Es ist geplant, dass die Gastwissenschaftler auch technische Geräte der beiden Potsdamer oder anderer Institute nutzen können. Außerdem soll PIK-Leiter Hans Joachim Schellnhuber der Vorsitzende des Instituts-Beirates werden. Potsdam habe sich gegen Hamburg, München, Wuppertal und Freiburg als Standort für das IASS durchgesetzt, sagte Brandenburgs Wissenschaftsministerin Johanna Wanka (CDU).

Konkrete Projekte hat IASS-Direktor Töpfer bereits im Kopf. Erforscht werden könnten etwa Möglichkeiten, wie die Zeitspanne hinausgezögert werden könne, bis der Klimawandel unumkehrbar wird. Möglichkeiten zur Nutzung des Partikelausstoßes in die Atmosphäre in Indien oder China, zur Verwendung des Kohlendioxides als Rohstoff für industrielle Anwendungen oder neue Entwicklungen in der Solarforschung seien weitere mögliche Themen, sagt er.

Neue Gebäude müssen für das Institut nicht gebaut werden. Die Wissenschaftler sollen die Kleist-Villa, eine frühere Niederlassung der Bundesbank, beziehen. Neun Appartements für die Wissenschaftler gibt es dort bereits, für weitere ist in den großen Gebäuden Platz. Eine nachhaltige Lösung ganz nach Töpfers Geschmack, denn die Häuser standen mehrere Jahre leer. Wie lange der einstige Politiker selbst dabei bleibt, ist noch offen. "Das werden wir sehen", sagt er.

hda/dpa/AP

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