Wachstumsringe Das Geheimnis der Fingerabdrücke

Lassen sich Täter mittels ihrer Fingerlinien überführen, obwohl die Abdrücke aus ihrer Jugend stammen? Wissenschaftler haben ermittelt, wie sich die individuellen Linien im Leben verändern - sie sind auf eine erstaunlich einfache Regel gestoßen.

Fingerabdruck (in einem Fingerabdruckscanner): Wachstum in alle Richtungen
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Fingerabdruck (in einem Fingerabdruckscanner): Wachstum in alle Richtungen


Göttingen - Der Abgleich von Fingerabdrücken aus verschiedenen Lebensphasen gelingt künftig präziser als bisher. Wissenschaftler der Universität Göttingen haben gemeinsam mit dem Bundeskriminalamt (BKA) Gesetzmäßigkeiten des Wachstums von Hand und Haut bestimmt, wie die Hochschule am Montag mitteilte. Die Fingerabdrücke von Jugendlichen wachsen demnach gleichmäßig und proportional zur Körpergröße.

Die Wissenschaftler untersuchten zunächst, ob Fingerabdrücke in alle Richtungen gleichmäßig wachsen. "Das war nicht von vornherein klar, da menschliche Knochen in der Regel verstärkt in die Länge wachsen, also schmaler werden", sagte der Statistiker Thomas Hotz. Ein gleichmäßiges Wachstum habe aber mit speziellen statistischen Verfahren belegt werden können.

Anschließend bestimmten die Forscher den Faktor, um den ein Finger sich vergrößert. Dabei habe sich gezeigt, dass Fingerabdrücke von Jugendlichen im Wesentlichen proportional zur Körpergröße wüchsen. "Wir können ihr Wachstum also nun mithilfe von Wachstumstabellen für Mädchen und Jungen vorhersagen", erklärte der Informatiker Carsten Gottschlich.

Kokain und Sprengstoff nachgewiesen

Nach Angaben der Universität hatte die Software des BKA bisher Probleme, die Fingerabdrücke eines Menschen im Jugend- und Erwachsenenalter als dieselben zu erkennen. Durch die neue Methode ließ sich die Fehlerquote in einem Praxistest deutlich senken.

Fingerabdrücke sind seit langem Gegenstand der Forschung. Zuletzt hatten Wissenschaftler herausgefunden, dass der Abdruck sogar verrät, was Menschen vor der Berührung angefasst haben. In den winzigen Spuren können beispielsweise Reste von Kokain und Sprengstoff nachgewiesen werden.

Eine andere Studie hatte ermittelt, dass die Rillen auf den Fingern keineswegs beim Festhalten von Gegenständen helfen. Experten hegen nun mehrere Ideen, warum es dann die Furchen gibt: Womöglich erhöhen die Rillen die Kontaktfläche zwischen einer rauen Oberfläche und der Haut, weil sie in Vertiefungen der Oberfläche hineinragen. Oder sie erleichtern das Greifen von feuchten Gegenständen, indem sie das Wasser abfließen lassen, ähnlich wie das Profil eines Reifens Aquaplaning verhindert.

boj/dpa



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Seite 1
felisconcolor 09.05.2011
1. wenn
die Wissenschafter mal die Artikel ihrer Kollegen lesen würden dann wüssten sie das die Rillen in den Fingern etwas mit dem Fühlen zu tun haben. Das Reiben an Oberflächen ist nämlich unterschiedlich ob der Finger mit Rillen besetzt ist oder nicht. Die Rillen ermöglichen einen slip/stick Effekt der ganz bestimmte Vibarationen erzeugt. Diese werden über die Nervenenden weitergeleitet und ausgewertet. waren die Finger mit Rillen ausgestattet war eine Beurteilung der Oberfläche viel präziser möglich als ohne. Wunderschön lässt sich dieser Effekt an sich selbst an Treppengeländern erfahren. Eine hochglanzpolierte Oberfläche (Edelstahl) erzeugt eine ganz charakteristische Vibration am Finger. Lässt sich mit verschiedenen Oberflächen verifizieren.
gondo 09.05.2011
2. Sehr interessant
Zitat von felisconcolordie Wissenschafter mal die Artikel ihrer Kollegen lesen würden dann wüssten sie das die Rillen in den Fingern etwas mit dem Fühlen zu tun haben. Das Reiben an Oberflächen ist nämlich unterschiedlich ob der Finger mit Rillen besetzt ist oder nicht. Die Rillen ermöglichen einen slip/stick Effekt der ganz bestimmte Vibarationen erzeugt. Diese werden über die Nervenenden weitergeleitet und ausgewertet. waren die Finger mit Rillen ausgestattet war eine Beurteilung der Oberfläche viel präziser möglich als ohne. Wunderschön lässt sich dieser Effekt an sich selbst an Treppengeländern erfahren. Eine hochglanzpolierte Oberfläche (Edelstahl) erzeugt eine ganz charakteristische Vibration am Finger. Lässt sich mit verschiedenen Oberflächen verifizieren.
Das hat sich das Forum-Lesen doch wieder gelohnt. Ich finde es immer wieder anregend Forumskommentare zu lesen, aus denen man noch etwas lernt, im Gegensatz zu denen, die nur die Kosten von irgendwelcher Forschung kritisieren. Sehr schöner Beitrag.
Imhodepp 10.05.2011
3. .
Zitat von gondoDas hat sich das Forum-Lesen doch wieder gelohnt. Ich finde es immer wieder anregend Forumskommentare zu lesen, aus denen man noch etwas lernt, im Gegensatz zu denen, die nur die Kosten von irgendwelcher Forschung kritisieren. Sehr schöner Beitrag.
Finde ich auch. Allerdings möchte ich #2 noch zu bedenken geben, dass die Biologie (Natur/Evolution) durchaus auch hybrid arbeitet, also Doppelnutzen genre ausnutzt. So halte ich ein Greifen von Feuchtem für einen Zusatznutzen, der durch dir Rillen mitunterstützt wird. Es gibt nicht (immer) nur eine Lösung.
Zitrone! 10.05.2011
4. eigene Erfahrung
Ich hatte mal aufgrund einer Erkrankung erhebliche Hautveränderungen an den Fingerkuppen. Die nach einem Schub frisch nachwachsende Haut war sehr dünn und fast glatt - praktisch ohne Fingerrillen. In dieser Zeit hatte ich große Schwierigkeiten z.B. beim Umblättern von Seiten. Das hatte evtl. aber nicht nur direkt mit der fehlenden Rauigkeit zu tun, sondern vielleicht auch mit geringerer Feuchtigkeit an der Oberfläche. Auch sind mir immer wieder einzelne Blätter Papier, die ich in der Hand hielt, heruntergefallen. Das lag daran, dass ich nicht spüren konnte, wie fest ich das Blatt hielt - technisch ausgedrückt: Die Regelung des Anpressdrucks funktionierte nicht aufgrund mangelnder Sensorik. Bei schwereren Gegenständen, die man fest anpackt, gab es keine Probleme. Insofern finde ich die Aussage im Artikel, die Fingerrillen helfen nicht beim Fassen von Gegenständen, in dieser Allgemeinheit unsinnig.
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