Waffentechnik Amerikaner entwickeln riesige Stinkbombe

Mit unerträglichen Fäulnisdünsten will die US-Armee künftig Feinde bekämpfen oder Randalierer verscheuchen. Doch die Entwicklung der perfekten Stinkbombe ist kein Kinderspiel.


Angriff auf das Riechorgan: Fäulnisgerüche verursachen flachen Atem
REUTERS

Angriff auf das Riechorgan: Fäulnisgerüche verursachen flachen Atem

Nicht töten soll die neue Bombe, aber unerträglichen Ekel hervorrufen: Das US-Verteidigungsministerium träumt von einem waffenfähigen Gestank, mit dem zum Beispiel gewalttätige Demonstranten in Panik versetzt werden könnten. Mit der Entwicklung des verheerenden Duftcocktails sind rund 50 Geruchsexperten des Monell Chemical Senses Center beauftragt.

Einen Zwischenbericht über das Projekt haben die Wissenschaftler jetzt in der Fachzeitschrift "Chemical & Engineering News" veröffentlicht. Der Bau einer perfekten Stinkbombe ist, wie schon frühere Experimente zeigten, keineswegs trivial - die Auffassung davon, welche Substanz übel riecht und welche nicht, kann von Mensch zu Mensch weit auseinander liegen. Besonders geeignet sind nach Auskunft der Forscherin Pamela Dalton jedoch biologische Geruchsstoffe, denn diese "sind am ehesten universell einsetzbar."

Am viel versprechendsten sind, wie die Wissenschaftler berichten, Gerüche etwa von menschlichen Ausscheidungen oder verwesenden Abfällen. Versuche hätten gezeigt, dass solche Dünste in der Lage sind, Menschen vor Ekel in die Flucht zu schlagen. Der Gestank kann, so die Forscher, neben Übelkeit auch einen flachen Atem und schnelleren Herzschlag hervorrufen. Allerdings gibt es mit solchen hochwirksamen Stinkbomben möglicherweise Probleme, meint Dalton: "Wie kann man diese Duftstoffe aufbewahren, bis sie zum Einsatz kommen?"

Das Institut in Philadelphia besitzt bereits Erfahrung mit schlechten Gerüchen - allerdings meist mit deren Bekämpfung. So erforscht etwa der Monell-Chemiker George Petri seit 30 Jahren unangenehme menschliche Gerüche wie den der Achselhöhle oder schlechten Atem, aber auch die seltene Krankheit Trimethylaminuria. Menschen, die an dieser genetischen Störung leiden, riechen nach Fisch. In schweren Fällen lässt sich die üble Note nicht einmal durch Waschen oder Kleidungswechsel beseitigen.



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