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Waffentechnik: Laser-Jeep holt Drohnen vom Himmel

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Ziel angepeilt, fixiert, zerstört: Ein mit einer Laserwaffe ausgerüsteter US-Militärjeep hat in einem Test mehrere unbemannte Flugzeuge abgeschossen. Der Vorteil der Waffe ist, dass sie kaum geortet werden kann - nur große Kampfflugzeuge lassen sich damit nicht angreifen.

Von einem mächtigen Laserschwert träumen Science-Fiction-Fans. In der US-Armee scheint es besonders viele davon zu geben. Schon seit Jahren lassen die Militärs diverse Waffensysteme entwickeln, die Photonen abschießen statt Kugeln oder Raketen. Was im Film ganz einfach funktioniert, stellt Ingenieure freilich vor große Herausforderungen.

Eines der Hauptprobleme besteht darin, Laser leistungsstark und zugleich möglichst klein und damit transportabel zu gestalten. Denn in der Regel muss ein Ziel binnen Sekunden von dem Laserstrahl zerstört werden, entsprechend energiereich muss der Strahl sein. Aber auch das Anvisieren und Verfolgen schnell fliegender Objekte ist äußerst anspruchsvoll.

Der Luftfahrtkonzern Boeing berichtet nun vom erfolgreichen Test einer Laserwaffe, die auf einen Militärgeländewagen montiert werden kann. Laser Avenger heißt das System, mit dem bei einem Test in New Mexico drei kleine Drohnen (UAV) vom Himmel geholt wurden. "Bei diesem Versuch wurde erstmals mit einem Laser von einem Kampffahrzeug aus ein UAV abgeschossen", teilte das Unternehmen mit. Bei der Vorführung auf dem Übungsplatz White Sands Missile Range seien auch Vertreter des Cruise Missile Defense Projects der US-Armee dabei gewesen.

Boeing stellt das System Avenger bereits seit 1987 her. Es besteht aus zwei Einheiten mit je vier Abschussrohren für Stinger-Raketen, die in der Regel auf Humvee-Fahrzeuge montiert werden. Die Abschussblöcke sind stabilisiert, sodass die Raketen auch während der Fahrt abgefeuert werden können. Mit Avenger sollen Luftziele aus kurzer Entfernung bekämpft werden. Allein die US-Armee verfügt über 1000 solcher Jeeps, das System wurde jedoch auch in Länder wie Ägypten oder Taiwan exportiert.

In der Laser-Version verfügt Avenger nur noch über eine Abschusseinheit für vier Stinger-Raketen. Ende 2007 wurden mit einem solchen Laser in einem ersten Versuch Bombenattrappen auf dem Boden erfolgreich beschossen, nun gelang dies erstmals auch bei fliegenden Zielen.

Boeing hält die fahrende Laserkanone für eine äußerst nützliche Waffe. "Kleine Drohnen, die mit Sprengstoff oder Kameras bestückt sind, sind eine immer größer werdende Bedrohung auf dem Schlachtfeld", sagte Gary Fitzmire, Programmdirektor von Boeing Directed Energy Systems, jener Abteilung, die Laserwaffen entwickelt. Anders als herkömmliche Systeme könne ein Laser Avenger auf Ziele feuern, ohne dass Raketenabgase oder Mündungsfeuer dem Gegner die eigene Position verrieten. "Ein Laser Avenger kann UAVs ausschalten, ohne die Sicherheit der eigenen Truppe zu gefährden."

B-747 als fliegendes Lichtschwert

Nach Unternehmensangaben wurde die Laserleistung im Vergleich zu den Tests von 2007 verdoppelt. Sie soll im Bereich von zehn Kilowatt liegen. Außerdem habe man die Zielverfolgung verbessert, sagte Lee Gutheinz, bei Boeing für Hochenergielaser und elektrooptische Systeme zuständig.

Im Vergleich zu dem mächtigen Strahl von mindestens 100 Kilowatt, mit dem die US-Armee eines Tages Flugzeuge oder Interkontinentalraketen abschießen möchte, ist Laser Avenger ein geradezu mickriges System. Der sogenannte Airborne Laser ist beispielsweise so groß, dass er an Bord eines Jumbo-Jets eingebaut werden muss. Erste Versuche mit dem leistungsschwachen Ziellaser haben die Techniker bereits mit Erfolg durchgeführt. Nun muss der tonnenschwere Sauerstoff-Jod-Laser, der bislang nur am Boden getestet wurde, nebst der gewaltigen Chemikalienmenge in die Boeing 747 montiert werden. Wenn alles klappt wie geplant, soll das fliegende Lichtschwert Raketen in bis zu 400 Kilometer Entfernung zerstören können.

Es gibt allerdings Zweifel, ob die futuristische Lasertechnik tatsächlich zum Raketenabschuss taugt. Das Anvisieren und Zerstören feindlicher Interkontinentalraketen in deren Startphase gilt als schwierig, wenn nicht gar unmöglich. Als Reinfall hatte sich auch der "Taktische Hochenergie-Laser" (THEL) erwiesen, ein Monstrum mit den Ausmaßen von sechs Reisebussen. Zehn Jahre Entwicklungszeit und 300 Millionen Dollar hatte die US-Regierung in das THEL-Projekt gesteckt, bis es im Herbst 2005 begraben wurde.

Doch die US-Armee und Waffenhersteller wie Boeing und Raytheon arbeiten weiter an Lichtschwertern von ganz klein bis ganz groß. Man wolle demonstrieren, dass Strahlwaffen ausgereift und auf dem Schlachtfeld von heute wichtig seien, teilte Boeing mit.

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Laser Avenger: Schießen mit Photonen

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