Wahrnehmung Zeig mir deine Augen, Monster

Wir blicken einem Gegenüber immer zuerst in die Augen - selbst dann, wenn diese nicht im Gesicht sitzen. Das haben Forscher festgestellt, als sie Probanden Bilder von Fantasiemonstern zeigten. Die Beobachtung könnte helfen, Autismus besser zu verstehen.

Figur aus Rollenspiel "Dungeons & Dragons": Fokus auf die Augen
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Figur aus Rollenspiel "Dungeons & Dragons": Fokus auf die Augen


London - Wohin schauen wir zuerst, wenn uns eine unbekannte Person gegenüber steht? Auf die Augen. Ein internationales Forscherteam hat nun gezeigt, dass wir sogar dann die Augen anvisieren, wenn sich diese nicht im Gesicht befinden. Die Wissenschaftler hatten Probanden Bilder von Menschen, menschenähnlichen Figuren oder Monstern mit Augen an den Armen gezeigt. Bei allen Bildern seien die Blicke zuerst in die Bildmitte gegangen, dann aber direkt zu den Augen - egal, wo diese saßen.

Das zeige, dass nicht die Position der Augen im Gesicht entscheidend sei, sondern dass unser Gehirn die Augen an sich bei einem Gegenüber erkenne und gezielt anvisiere, berichten die Forscher im Fachmagazin "Biology Letters" der britischen Royal Society.

"Der Mensch, aber auch Affen, Delfine, Vögel oder Hunde folgen automatisch dem Blick ihres Gegenübers", schreiben die Forscher um Alan Kingstone von der University of British Columbia (Kanada). Der Blick auf die Augen liefere wichtige Informationen über das Gegenüber und dessen Umgebung. Woran das Gehirn erkennt, wohin es dabei schauen muss, sei bisher unklar. "Eine Erklärung wäre, dass wir einen Schaltkreis im Gehirn besitzen, der darauf spezialisiert ist, Augen zu erkennen", sagen die Forscher.

Eine andere Möglichkeit wäre aber auch, dass unser Zentrum für die Gesichtserkennung unseren Blick automatisch in die Mitte eines Kopfes lenkt - dort, wo bei den meisten Tieren und dem Menschen die Augen sitzen. Mit ihrem Experiment haben die Forscher nun Indizien dafür geliefert, dass die erste Theorie - ein auf Augen spezialisierter Schaltkreis - zutreffen könnte.

Figuren aus einem Spiel als Testobjekte

Für ihre Studie hatten die Forscher 22 Studenten Bilder verschiedener Figuren aus dem Spiel "Dungeons & Dragons" gezeigt. Diese stellten sowohl Menschen und menschenähnliche Figuren dar, wie beispielsweise einen Hirsch mit menschlichem Oberkörper und Kopf, als auch Monster ohne Kopf, die ihre Augen an den Enden der Arme trugen. Alle Probanden trugen einen Helm mit Spezialkameras, die ihre Augenbewegungen filmten und aus der Position ihrer Pupillen ihre Blickrichtung ermittelten.

Bei den Menschen und menschenähnlichen Figuren sei der Blick nach oben in Richtung Gesicht gegangen, bei den Monstern zu den Armen. Dieses Ergebnis spreche dafür, dass ein Zentrum im Gehirn Sehorgane unabhängig von ihrer Position erkenne und den Blick dorthin lenke.

Diese Erkenntnis könnte vielleicht auch erklären, warum Menschen mit Autismus anderen oft nicht in die Augen blicken, meinen die Forscher. Möglicherweise sei bei ihnen der Schaltkreis gestört, mit dem die Augen erkannt werden. Als Folge falle es ihnen schwer, den Blick ihres Gegenübers zu erwidern.

hda/dapd



insgesamt 9 Beiträge
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white eagle 31.10.2012
1. Lachhaft
---Zitat--- Diese Erkenntnis könnte vielleicht auch erklären, warum Menschen mit Autismus anderen oft nicht in die Augen blicken, meinen die Forscher. Möglicherweise sei bei ihnen der Schaltkreis gestört, mit dem die Augen erkannt werden. Als Folge falle es ihnen schwer, den Blick ihres Gegenübers zu erwidern. ---Zitatende--- Das ist ja nun wirklich lachhaft. Autisten sehen den anderen nicht in die Augen, weil sie die anderen nicht ertragen. Das kann jeder Mensch nachempfinden, der schüchtern ist oder Angst hat. Dieser wird nämlich auch nicht dem Blick des Überlegenen stand halten und deshalb ihm lieber nicht in die Augen blicken.
nixda 31.10.2012
2. äähmmm
"Eine andere Möglichkeit wäre aber auch, dass unser Zentrum für die Gesichtserkennung unseren Blick automatisch in die Mitte eines Kopfes lenkt - dort, wo bei den meisten Tieren und dem Menschen die Augen sitzen." wenn das Gehirn also erst mal in der Mitte des Kopfes nach Augen sucht dann müsste es halt einen Mechanismus im Gehirn geben, der Köpfe erkennt. Beim Hummer, Tintenfisch, Fisch, Vogel etc müsste das dann aber nicht funktioneren. Die Wahrscheinlichkeit, dass man gezielt nach den kleinen runden Dingern sucht liegt da näher. Vor allem wenn man bedenkt, dass sich viele Tiere dieses Tricks bemächtigen. Es gibt Fische mit einem Punkt am Schwanzende um seinen Fressfeinden besser zu entkommen. Oder der Pfau, bei dem seine Schwanzfedern wie viele Augen und damit wohl bedrohlicher wirken sollen. Ich bleib dabei; das Lebewesen sucht nach den kleinen runden Dingern und deklariert das dann als Kopf. Ein wenig Allgemeinwissen genügt. Forschen muss man da nicht mehr gross.
datalien 31.10.2012
3.
Zitat von sysopAPWir blicken einem Gegenüber immer zuerst in die Augen - selbst dann, wenn diese nicht im Gesicht sitzen. Das haben Forscher festgestellt, als sie Probanden Bilder von Fantasiemonstern zeigten. Die Beobachtung könnte helfen, Autismus besser zu verstehen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/wahrnehmung-selbst-bei-monstern-schauen-wir-zuerst-auf-die-augen-a-864363.html
Hätten sie einfach mal einen Autisten gefragt wieso. Es ist einfach extremst* unangenehm jemanden in die Augen zuschauen. *ja ich weiß, extrem kann nicht gesteigert werden
Last Ninja 31.10.2012
4. Roboter
Interessant wirds dann, wenn man nicht klar erkennen kann, was die Augen sind. Im Making-of von RoboCop haben die Specialeffectsleute gesagt, dass der Kampfroboter deshalb interessant ist, weil man beim Betrachten nicht direkt was mit dem "Gesicht" anfangen kann. Ist die Öffnung der Mund? Oder doch Augen? https://wiki.base22.com/download/attachments/56397167/ed209.jpg
mcmercy 31.10.2012
5.
Zitat von Last NinjaInteressant wirds dann, wenn man nicht klar erkennen kann, was die Augen sind. Im Making-of von RoboCop haben die Specialeffectsleute gesagt, dass der Kampfroboter deshalb interessant ist, weil man beim Betrachten nicht direkt was mit dem "Gesicht" anfangen kann. Ist die Öffnung der Mund? Oder doch Augen? https://wiki.base22.com/download/attachments/56397167/ed209.jpg
Ja das ist in der Tat irritierend, einerseits handelt es sich ja schlicht um eine Maschine, die aber dennoch ausreichend an ein Tier erinnert, dass man Augen erwartet, findet man keine ist das Gehirn verwirrt, was das Teil umso bedrohlicher erscheinen lässt, weil man seine "Absichten" nicht erkennt. Wie schon gesagt viele Tiere nutzen umgekehrte Effekte indem sie künstliche Augen nachbilden um bedrohlicher zu erscheinen, so auch Schmetterlinge, bei großen Augen erwartet man einen großen Gegner, so kann man Vögel täuschen.
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