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Wahrnehmungsforschung: Säuglinge können menschliche Sprache früh erkennen

Bereits im Alter von fünf Monaten haben Kinder eine Vorstellung davon, was menschliche und was tierische Laute sind. Bei Wahrnehmungstests scheiterten die jungen Probanden jedoch an einer scheinbar einfachen Aufgabe: Lachen richtig zu interpretieren.

Kleinkind mit Kopfhörer (auf der Leipziger Buchmesse, 2007): Probleme mit Entenquaken Zur Großansicht
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Kleinkind mit Kopfhörer (auf der Leipziger Buchmesse, 2007): Probleme mit Entenquaken

Washington - Das Prinzip wird bei Studien mit Kleinkindern häufig genutzt: Babys schauen ein Bild umso länger an, je stimmiger es zu ihren übrigen Eindrücken passt. Diesen Effekt machten sich nun auch Athena Vouloumanos von der New York University und ihre Kollegen zunutze. Sie zeigten fünf Monate alten Säuglingen Bilder von Menschen, Affen und Enten. Gleichzeitig spielten sie dazu entsprechende Laute ab.

Das Ergebnis war eindeutig, wie die Wissenschaftler im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences" berichten: Die Kinder konnten menschliche Sprache selbst dann dem Bild eines Menschen zuordnen, wenn es sich um von ihnen nie zuvor gehörte Laute auf Japanisch handelte. Auch die Laute eines Affen konnten sie dem entsprechenden Bild richtig zuweisen - nicht jedoch das Gequake von Enten.

Die Forscher schließen daraus, dass die Kleinkinder ihre Eindrücke bereits gut kategorisieren können. Aus Erfahrungen mit Eltern, Geschwistern und Verwandten könnten sie offenbar auf menschliche Sprachäußerungen im Allgemeinen schließen. Diese Fähigkeit zur Abstraktion könnte nach Angaben der Forscher auch der Grund dafür sein, dass die Kinder sogar Affengesichter korrekt den Affenlauten zuordnen konnten - obwohl sie selbst noch keinerlei Erfahrungen mit Affen gesammelt haben.

Dieser Logik entsprechend würde das Abstraktionsvermögen allerdings auch irgendwann überstrapaziert - im konkreten Fall bei den Enten. Bei ihnen konnten die Kinder das Gequake nicht mehr richtig zuordnen.

Zur Verwunderung der Forscher scheiterten die Kinder aber auch an Aufzeichnungen von menschlichem Lachen. Die Wissenschaftler vermuten, dass die Wahrnehmung der Kinder im frühen Entwicklungsstadium noch auf die vorrangige Aufgabe von Sprache fixiert ist. Dabei gehe es vor allem um funktionelle Dinge, mit Lachen könnten die Kleinen deswegen noch nichts anfangen.

chs/ddp

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