Warnsignal im Kopf: Mensch erinnert sich blitzschnell an frühere Fehler

Ein ultraschnelles Warnsignal im Gehirn hilft dabei, einst gemachte Fehler zu vermeiden: Innerhalb einer Zehntelsekunde reagiert das Hirn auf Reize, bei denen man früher falsch reagiert hat, haben britische Forscher beobachtet.

Exeter - Wer als Deutscher das erste Mal in den USA Auto fährt, kennt das wahrscheinlich: Die Ampel ist rot, man will rechts abbiegen, doch kein grüner Pfeil lässt einen um die Kurve fahren - derweil hinter einem das Auto zu hupen anfängt. "Aber beim nächsten Mal, wenn wir an eine rote Ampel kommen, wird uns ein Warnsignal in unserem Kopf sofort darauf hinweisen, den gleichen Fehler nicht noch einmal zu machen", sagt Andy Wills von der University of Exeter.

Rote Ampel in Chicago: Rechtsabbieger müssen nicht stehen bleiben
Getty Images

Rote Ampel in Chicago: Rechtsabbieger müssen nicht stehen bleiben

Innerhalb einer Zehntelsekunde reagiert das Gehirn auf Reize, bei denen man in der Vergangenheit Fehler gemacht hat: Das hat der Psychologe mit seinen Kollegen beobachtet, als sie die Signale des Gehirns mithilfe von Elektroden auf der Kopfhaut erfassten.

"Wir lernen mehr aus unseren Fehlern als aus unseren Erfolgen", heißt es im Volksmund, und auch aus wissenschaftlicher Sicht lässt sich diese Einschätzung nun bestätigen: Wills' Experimente zeigten, dass Versuchspersonen mehr dazulernen, wenn sie über bestimmte Dinge falsche Voraussagen treffen, als wenn ihre Erwartung von vornherein richtig ist. Dies liege daran, dass die Entdeckung eines Fehlers ein Gefühl der Überraschung hervorruft, welches das Lernen fördert, schreiben die Forscher in der Fachzeitschrift "Journal of Cognitive Neuroscience".

Warnsignal zu schnell für das Bewusstsein

Wie schnell ein solches Signal übermittelt wird, konnte Wills' Team nun erstmals nachweisen: In nur einer Zehntelsekunde reagiert das Gehirn auf Reize, die bei früherer Wahrnehmung zu Fehlern geführt haben - so blitzschnell, dass der Fehler bewusst noch gar nicht bemerkt werden kann. Das "Warnsignal" des Gehirns taucht dabei in einer Hirnregion in der Nähe der Schläfen auf, dem sogenannten unteren Temporallappen. Dieser ist für das Erkennen visueller Reize zuständig.

Während die Probanden am Computer eine Aufgabe lösten, hatten die Forscher die elektrischen Signale ihrer Gehirne mit insgesamt 58 Elektroden aufgezeichnet. Die Testteilnehmer sollten dabei mithilfe von Bildern, die ihnen präsentiert wurden, Vorhersagen über folgende Ereignisse treffen. Anschließend wurden ihnen neue Informationen gezeigt, nach denen sich viele ihrer Vorhersagen als falsch herausstellten. Die Teilnehmer mussten also aus früheren Irrtümern lernen, um einen Fehler nicht zu wiederholen.

Tauchte am Bildschirm nun ein Objekt auf, bei dem sie in einem früheren Durchgang einen Fehler gemacht hatten, entstand blitzschnell das erwähnte Warnsignal. "Dieses Hirnsignal könnte uns in vielen Situationen helfen", sagt Forschungsteam-Leiter Wills - zum Beispiel an der nächsten roten US-Ampel.

fba/ddp

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