Warnung Antibakterielle Putzmittel schaden der Gesundheit

Das Robert-Koch-Institut und zwei Bundesbehörden warnen vor den neuen "antibakteriellen Putzmitteln". Desinfektionsmittel im Haushalt sind überflüssig, sie lösen allenfalls Allergien aus und schädigen die Umwelt.


Saarbrücken - Der verstärkte Einsatz von antibakteriellen Putzmitteln und Kleidern kann Experten zufolge zu einem gefährlichen Anstieg resistenter Keime führen.

Herkömmliche Putzmittel erfüllen ihren Zweck
DPA

Herkömmliche Putzmittel erfüllen ihren Zweck

Der Direktor des Robert-Koch-Instituts, Reinhard Kurth, drohte den Herstellern mit juristischen Schritten wegen Etikettenschwindels: "Wenn auf Dauer hier nichts passiert, müssen wir juristisch tätig werden", sagte er dem ARD-Wirtschaftsmagazin "Plusminus".

Sein Institut warnte zusammen mit dem Umweltbundesamt (UBA) und dem Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz (BgVV) vor einer unkontrollierten Anwendung der Produkte, die inzwischen nicht nur in Haushaltsreinigern, sondern auch in Unterwäsche und Hygienepapier zu finden sind. Die Hersteller der Wasch- und Reinigungsmitteln werben für ihre Produkte mit Schlagworten wie "bakterizid", "antibakteriell" und "antimikrobiell".

Der Einsatz von Desinfektionsmitteln im Haushalt sei grundsätzlich überflüssig, erklärten die Fachleute. Einfache Hygienemaßnahmen wie Bürsten und Reiben von Oberflächen mit herkömmlichen Seifenmitteln sowie Händewaschen reichten meist aus.

Die Sprecherin des BgVV, Irene Lukassowitz, befürchtet einen Anstieg von Allergien. Die Mittel, die in letzter Zeit verstärkt angeboten würden, zerstörten den natürlichen Schutzmantel der Haut.

In einigen Putzmitteln seien Wirkstoffe, die Meeresorganismen belasten. Andere wie Phenole und Halogene könnten die nützlichen Mikroorganismen in Kläranlagen schädigen. Das Umweltbundesamt bezeichnete den Einsatz dieser Stoffe im Haushalt daher als unerwünscht. Im medizinischen Bereich seien Desinfektionsmittel jedoch unverzichtbar.

Kurth hält die angepriesene Wirkung der Mittel zudem für Etikettenschwindel. "Die Wirkstoffe, die in diesen Produkten enthalten sind, haben eine Konzentration, mit der sie Bakterien nicht töten können." Kurth kritisierte auch die Unternehmen: "Wenn man die Hersteller auffordert, Untersuchungen darüber zu liefern, die belegen, dass ihre Produkte in der Tat Bakterien abtöten, dann sind solche Untersuchungsergebnisse gar nicht vorhanden."



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