Schwund im Wartezimmer Was Zeitschriftenklau die Praxen kostet

Sie kommen mit Beschwerden und gehen mit den neuesten Zeitschriften nach Hause: Patienten klauen in Wartezimmern gern den Lesestoff. Forscher haben jetzt berechnet, welche bevorzugt verschwinden und was der Schwund kostet.

Ein Ort von Tristesse und alten Monatsmagazinen: Wartezimmer einer Arztpraxis
Corbis

Ein Ort von Tristesse und alten Monatsmagazinen: Wartezimmer einer Arztpraxis


Nichts ist älter als die Zeitung von gestern. Auch wenn Magazine und Zeitschriften ein durchaus längeres Verfallsdatum haben - wer viel Zeit in Wartezimmern verbringt, weiß es aus eigener Erfahrung: Die Magazine und Zeitschriften, die dort ausliegen sind meist Monate alt. Längst ist getrennt, wer da noch frisch verliebt vom Cover lächelt. Das Kind geboren, was eben gerade gezeugt.

Weil sie das Gejammer der Patienten über die veralteten Hefte beim Arzt nicht mehr hören konnten, untersuchte ein Team um Bruce Arroll von der University of Auckland jetzt in einer Studie, warum in Arztpraxen fast ausschließlich alte Blätter herumliegen. Das Ergebnis: Schuld sind die Patienten selbst - sie nehmen nicht nur Diagnose und Rezept, sondern auch gern die ein oder andere Zeitschrift mit nach Hause - zumindest wenn dieses aktuell ist und seichtes Lesevergnügen verspricht. Den Schwund haben die Gesundheitswissenschaftler sogar berechnet und veröffentlichen ihr Ergebnis im Fachmagazin "British Medical Journal".

Klatschpresse geht gut weg

Für ihre Studie verteilten die Forscher 87 Magazine in drei verschiedenen Stapeln auf dem Wartezimmertisch einer allgemeinmedizinischen Praxis im neuseeländischen Auckland. Etwas mehr als Hälfte der Hefte war maximal zwei Monate alt, der Rest drei bis zwölf Monate. Darunter Klatschpresse, aber auch Wirtschafts- und Wissenschaftstitel, wie "National Geographic" oder "The Economist" und das "Time Magazine".

Das Ergebnis: Nach 31 Tagen waren 41 der 87 Hefte verschwunden - knapp die Hälfte. Und zwar fast ausschließlich die neueren Zeitschriften. Der tägliche Verlust belief sich auf schlappe 1,32 Magazine pro Tag. Vor allem die Klatschpresse war weg vom Wartezimmertisch. Von den aktuellen "Economist" und "Time"-Magazinen waren alle am Ende der Untersuchungszeit noch da. Von den aktuellen Klatschtiteln lediglich ein Heft.

Kostspieliger Schwund

Die Forscher haben sogar ausgerechnet, was der Schwund kostet: Wenn monatlich 41 Magazine mit durchschnittlichen Kosten von 3,20 Pfund pro Heft in 8000 Praxen des United Kingdom verschwinden, bedeutet das einen jährlichen Schwund von grob 12,6 Millionen Pfund. Geld, das besser in die Gesundheitsvorsorge gesteckt werden sollte, so die Autoren.

Einen praktischen Tipp haben die Wissenschaftler auch parat: Statt ständig neue Zeitschriften nachzukaufen, sollen die Praxen einfach umdenken - und vor allem ältere Ausgaben von "Economist" und "Times" auslegen.

khü

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insgesamt 48 Beiträge
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Seite 1
tanja.fladra 12.12.2014
1. wer klaut so was
Ich ekle mich ja schon davor die Hefte anzufassen. Wer zum Arzt geht ist ja meist alles andere als gesund. Da käme ich ja nie auf die Idee Zeitschriften mit nach Hause zu nehmen.
Leserzuschrift 12.12.2014
2. Phantastisch
Bein einem Arzt, der The Economist hat, würde ich gerne eine Weile im Wartezimmer aushalten. Schön, dass nur der Schund geklaut wird. Gebildete Leser haben das offenbar nicht nötig.
peddersen 12.12.2014
3.
Ne Untersuchung in NEUSEELAND - das muß man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Die haben andere Leute, andere Zeitungen. Was läßt das auf das Verhalten in D zu - nix. Bei uns fehlen nur die Zeitschriften, die aus Versehen hinter den Heizkörper gerutscht sind oder mit vor zum Röntgen genommen wurden und jetzt irgendwo auf ner Ablage rumliegen.
Blödian 12.12.2014
4. Ich verstehe überhaupt nicht...
... was das für Leute sind, die Zeitschriften stehlen. Das ist ja nichts, was man aus Versehen macht, sondern eine bewusste Entscheidung etwas zu stehlen, was man nicht mal braucht und sich jeder leisten kann. Mir kommt das mit 87 Zeitschriften in einer Arztpraxis aber auch sehr viel vor. Gibt's am Kiosk überhaupt so viele verschiedene oder waren da einige doppelt?
Crossi71 12.12.2014
5. Der übliche Blödsnn
Was kostet das die Praxis zusätzlich? Nichts! Die haben in Deutschland alle das selbe abo, die bekommen einmal in der Woche ein paar neue Hefte reingelegt und ab und zu schnmeissen die besonders eklige Hefte weg. Es würde die Praxis nur dann was zusätzlich kosten, wenn sie für verschwundene Hefte einen Ersatz besorgen würden.
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