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Paris: Asiens Schwergewichte zwingen Klimagipfel in die Verlängerung

Aus Paris berichtet

Kohlekraftwerk in Shanxi: China stellt sich bei Klimaverhandlungen quer Zur Großansicht
Getty Images

Kohlekraftwerk in Shanxi: China stellt sich bei Klimaverhandlungen quer

In der Nacht gab es massiven Widerstand bei den Klimaverhandlungen, vor allem China und Indien stellten sich quer. Frankreich will den Weltklimavertrag nun erst am Samstag vorlegen.

Die Nachricht kam am Freitagmorgen - nach stundenlangen Nachtsitzungen: Der Uno-Klimagipfel wird zunächst bis Samstag verlängert. Das ist im Grundsatz nicht ungewöhnlich und ist schon bei vielen Treffen dieser Art zuvor passiert.

Doch dass die französische Konferenzpräsidentschaft nicht wie geplant am Freitag den endgültigen Text des geplanten Klimaabkommens für die Schlussberatungen vorlegen kann, zeigt auch: Die Verhandlungen dürften noch ziemlich schwierig werden. Die Delegationen brauchen noch mindestens einen ganzen Tag, um sich zu einigen.

Aus der Nacht gibt es eher schlechte Nachrichten. Ein entscheidendes Verhandlertreffen sei ohne Lösung zu Ende gegangen, hieß es in Paris. Nicht zuletzt China habe sich quergestellt.

Das könnte darauf hindeuten, dass sich das Land womöglich durch eine neue Allianz brüskiert fühlt. An der arbeiten Europäer und Amerikaner mit - und setzen sich dezidiert für ambitionierte Klimaziele im Abkommen von Paris ein. China, das sich zuvor eng mit den Amerikanern abgestimmt hatte, ist im neuen Bündnis aber nicht dabei - und könnte die Partnerschaft, zu der mehr als 100 Staaten gehören, als Affront ansehen.

Aber auch aus Indien gab es Widerstand in den nächtlichen Verhandlungen, sagen Beobachter. Die Streitpunkte sind im Grunde nicht neu: Wie genau fließt das Geld für die geplanten Klimahilfen für ärmere Staaten - so lautet eine der Fragen. Eine andere: Lässt sich die bisherige strikte Zweiteiteilung des Klimaprozesses zwischen Industrieländern auf der einen Seite und Entwicklungsländern auf der anderen Seite durchbrechen? Hier müssen noch immer Lösungen her.

Im Donnerstagabend von der französischen Präsidentschaft vorgelegten Textentwurf für das Abkommen steht unter anderem, dass die Erderwärmung auf zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter begrenzt werden soll. Vor allem auf Druck der kleinen Inselstaaten werden auch 1,5 Grad als zusätzliches Ziel erwähnt.

Das von Deutschland entscheidend vorangetriebene Konzept der Dekarbonisierung - also des kompletten Verzichts auf Öl, Kohle und Gas - steht dagegen nicht mehr im Entwurf. Stattdessen findet sich die von den USA favorisierte Formulierung der "Emissionsneutralität". Das bedeutet gegebenenfalls, dass Emissionen in einem Teil der Welt in einem anderen Teil kompensiert werden können. Umweltschützer sehen das kritisch.

Die Wahrheit über die Erwärmung

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insgesamt 93 Beiträge
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1. Schade...
bongkowsky 11.12.2015
Das man keine Kuppel über China bauen kann. Dann würden sie sicher schnell was ändern, wenn sie nicht schon vorher dran ersticken. Aber naja, wir waren nicht anders auf dem Entwicklungsstand und haben auch Kohle zur Energiegewinnung verheizt.
2. Warum nicht ein
Koana 11.12.2015
... natürlich wechselt man alle paar Wochen die Metropole, damit es nicht eintönig wird, für die Delegationen. Es ist bitterböses Theater, für Milliarden schon heute ein bitterböses Sein, damit einige Millionen leben können, wie hirnlose, geltungssüchtige Irre. Warum nur, dulden die Milliarden dieses Spiel?
3.
mailo 11.12.2015
Nichts verbindliches, Freiwilligkeit, Kompensationsmöglichkeiten. Zusammengefasst also nur Show, also genau das, worauf die Amerikaner abfahren. Und unsere "Klima"-Kanzlerin? Die hat die drei Mrd. für praktisch nichts verschleudert. Am Ende bezahlen wir damit wahrscheinlich die CO2-Kompensation der Amerikaner. Ein Trauerspiel!
4. langfriestig
thron24 11.12.2015
können wir nicht verhindern, dass in China der durchschnittliche CO2 Verbrauch pro Person genauso hoch ist, wie in Deutschland. Ich finde es schwer, von Ländern zu erwarten, ihren CO2 Verbrauch zu senken, wenn wir immer noch deutlich mehr verbrauchen. Sicher, in China wird veraltete Technik eingesetzt, aber wir sollten vielleicht erst einmal unseren co2Verbrauch auf chinesischen Niveau senken. Dann hätten wir mehr Argumente.
5. Dummes China
mantrid 11.12.2015
China besteht weitestgehend aus Wüste und Bergen. Der fruchtbare Küstensteifen, auf dem der Großteil der Wirtschaft konzuentriert ist, ist schmal und liegt nur knapp über dem Meeresspiegel. Wenn der absäuft besteht China nur noch aus Wüste und Bergen. Gerade die Chinesen sollten daher auvh verbindliche Klimaziele drängen. Intelligent ist Chinas Handlen nicht.
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Wer will was beim Klimagipfel?
China
Der weltweit größte CO2-Emittent hat seinen Kurs geändert. Auf dem Klimagipfel 2009 in Kopenhagen galt China noch als großer Verweigerer. Nun erwarten Beobachter, dass sich das Land für einen erfolgreichen Klimagipfel einsetzen wird. Staatspräsident Xi Jinping und Frankreichs Präsident François Hollande haben Anfang November zugesagt, sich für regelmäßige Kontrollen der in Paris vereinbarten Ziele starkzumachen. Alle fünf Jahre soll eine komplette Überprüfung der erreichten Fortschritte stattfinden. Peking hatte im Juni angekündigt, seine bisherigen Klimaziele für den Gipfel zu erhöhen. Der Ausstoß von Kohlendioxid soll demnach möglichst vor 2030 den Höhepunkt im Land erreichen. 20 Prozent des Energiebedarfs sollen bis dahin aus nicht fossilen Quellen gedeckt werden. Zudem sollen die Emissionen gemessen an der Wirtschaftsleistung bis 2030 um 60 bis 65 Prozent gegenüber 2005 reduziert werden. Durch drastisches Einsparen von Kohle hofft China, auch die Smogprobleme in den Großstädten zu lösen. Das Problem: China stößt in der Realität laut neuen Auswertungen offenbar ein Sechstel mehr Treibhausgase aus als bisher bekannt.
USA
US-Präsident Barack Obama hat sich früh zum Klimagipfel in Paris bekannt und zeigt sich zuversichtlich. Die größte Volkswirtschaft der Welt hat angekündigt, die Treibhausgasemissionen bis 2020 um 17 Prozent im Vergleich zu 2005 zu reduzieren. Bis 2025 sollen sie um 26 bis 28 Prozent sinken und bis 2050 um 80 Prozent. Gegen teils erbitterten Widerstand der konservativen Republikaner hat Obama zuletzt Zeichen gesetzt. So verbot er den Weiterbau der umstrittenen Keystone-Pipeline, die Ölsand-Abbaugebiete in Kanada mit dem Golf von Mexiko verbinden sollte. Allerdings hatte Außenminister John Kerry in Europa Verärgerung ausgelöst, als er erklärte, eine Vereinbarung auf dem Klimagipfel werde definitiv nicht den Status eines Vertrages haben. Dies wird in den USA als innenpolitische Taktik gewertet - einen rechtlich verbindlichen Vertrag müsste Obama durch den von den Republikanern dominierten Senat boxen.
Europäische Union
Die EU hat sich im internationalen Vergleich vergleichsweise ehrgeizige Ziele gesetzt. So soll sich etwa der Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) bis 2030 um mindestens 40 Prozent gegenüber 1990 vermindern. Zudem macht sich der Staatenverbund dafür stark, dass der CO2-Ausstoß bis zum Ende des Jahrhunderts auf null sinkt. In Paris, so die Forderung, muss ein verbindliches Klimaschutzabkommen vereinbart werden. Zudem soll ein Mechanismus vereinbart werden, bei dem die weltweiten Anstrengungen alle fünf Jahre geprüft und falls nötig nachjustiert werden.
Entwicklungsländer (G77)
Diese heterogene Gruppe reicht von Bangladesch und anderen stark durch den Klimawandel gefährdeten Staaten bis Saudi Arabien. Viele der Länder haben zwar auch nationale Klimaschutzpläne vorgelegt, die Erfüllung der Ziele jedoch oftmals von finanzieller oder technischer Unterstützung durch die Industrienationen abhängig gemacht. Diese hatten unter bestimmten Bedingungen Klimahilfen zugesagt, die bis 2020 jährlich 100 Milliarden Dollar erreichen sollen. Nun pochen die Entwicklungsländer auf konkrete Vereinbarungen dazu.
Indien
Das aufstrebende Schwellenland will bis 2030 etwa ein Drittel weniger Treibhausgase im Vergleich zum Bruttoinlandsprodukt ausstoßen als 2005. Das soll vor allem durch den massiven Ausbau der Solarenergie sowie weniger Subventionen für fossile Brennstoffe und eine Kohlesteuer gelingen. Indiens Formel lautet: 175 Gigawatt aus erneuerbaren Energien schon bis 2022, das ist viermal so viel wie heute. Doch Neu Delhi macht auch klar: Dafür braucht es richtig viel Geld und Technologietransfer. Weil die Industrieländer historisch gesehen den Klimawandel fast allein verantworten, sollten sie nun auch zahlen.


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