Schnelle Sportarten Vorteil Linkshänder

In manchen Sportarten scheinen Linkshänder besonders erfolgreich zu sein. Ein Sportwissenschaftler hat das Phänomen untersucht und jene Disziplinen identifiziert, in denen "Lefties" besonders profitieren.

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Das Problem kennen sowohl Profis als auch Freizeitsportler: Es ist häufig etwas schwieriger, gegen Linkshänder oder Linksfüßer anzutreten. Die Liste an erfolgreichen Athleten ist lang: Tischtennisspieler Timo Boll ist Linkshänder, der spanische Tennisprofi Rafael Nadal und Boxer Henry Maske. Auch Fußballer Lionel Messi schießt mit links.

Der Vorteil scheint aber besonders hoch in Ballsportarten mit hohem Zeitdruck zu sein, wie Untersuchungen des Sportwissenschaftlers Florian Loffing von der Oldenburger Carl von Ossietzky Universität nahelegen.

Er schaute sich sechs Ballsportarten an, von denen drei - Tischtennis, Cricket und Baseball - einen deutlich höheren Anteil von Linkshändern in der Weltspitze aufwiesen. Der Wissenschaftler befasst sich seit über zehn Jahren mit dem Thema. Seine jüngste Publikation wurde bei der britischen Royal Society in derFachzeitschrift "Biology Letters" veröffentlicht.

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Überproportional vertreten sind Linkshänder in der Weltspitze (Männer/Top 100) bei den von Loffing als schnell identifizierten Sportarten Tischtennis, Cricket und Baseball. "Generell geht man von einem Linkshänder-Anteil von rund zehn Prozent in der westlichen Gesellschaft aus. In der Weltspitze beim Baseball sind es dagegen bei den Werfern 30,4 Prozent, beim Tischtennis 25,8 und beim Cricket bei den Werfern 21,8 Prozent", so Loffing, der dafür die Top-100-Listen analysierte. "Zeitdruck kann ein möglicher Faktor sein, der den Vorteil verstärkt", sagte Loffing.

Bei den Rückschlagsportarten Tennis, Badminton und Squash wurde dagegen im Vergleich ein geringerer Zeitdruck ermittelt und in diesem Zusammenhang auch eine geringere Linkshänder-Quote in der Weltspitze festgestellt. "Wobei ich jetzt nicht sagen würde, dass Squash oder Badminton langsame Sportarten sind", sagt Loffing. In Videoanalysen werteten der Wissenschaftler und sein Team Ballwechsel aus, um den Zeitdruck zu definieren.

"Wir haben dabei den Zeitpunkt notiert, wann ein Spieler den Ball mit dem Schläger berührt. Zeitdruck haben wir dann als Abstand zwischen dem Schläger-Ballkontakt des einen Spielers und dem Schläger-Ballkontakt des anderen Spielers definiert", erläutert Loffing. "Je geringer der Zeitwert, desto höher der Zeitdruck." Bei Cricket und Baseball wurden die Ballflugzeiten als Parameter genommen.

Dass Linkshänder einen Vorteil im interaktiven Sport haben, etwa beim Boxen, ist schon seit den Achtziger- und Neunzigerjahren wissenschaftlich belegt. Dabei geht es um den Nachteil des Gegners, denn der ist aufgrund der Mehrheit an Rechtshändern in seinem Sport auf deren Aktionen "gepolt". Trifft er nun im sportlichen Duell auf einen Linkshänder, fällt es ihm daher schwerer, auf dessen Aktionen zu reagieren. Linkshänder hingegen sind besser auf Rechtshänder eingestellt, weil sie häufiger gegen sie antreten müssen.

joe/dpa



insgesamt 17 Beiträge
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Paracelsus 23.11.2017
1. Nur für Rechtshänder ?
Ich glaube, dass man Säbelfechten nur mit rechts machen kann. Linkshändigkeit wäre dann ein Problem und kein Vorteil.
inhabitant 23.11.2017
2. Drall
Die Studie, so wie hier beschrieben lässt einen wesentlichen Punkt aus: Drall und Flugbahn. Die Sportarten mit signifikanten Vorteilen für Linkshänder definieren sich besonders stark darüber, dass der Ball in der Luft die Richtung ändert oder beim Aufprall auf Schläger und Boden stark verzieht, während es beim Tennis/Squash/Badminton mehr auf Platzierung und Geschwindigkeit des Balles ankommt (aber auch hier hat Drall/Flugbahn natürlich Auswirkung). Diese Effekte sind bei Linkshändern einfach alle genau andersherum als bei Rechtshändern und machen es dem Gegenüber viel schwieriger intuitiv den Drall bei seinem Rückschlag auszugleichen. Es gibt ein schönes Video, wie Stefan Raab bei TV Total einmal versuchte einen sanften Aufschlag von Timo Boll zurück auf die Platte zu bringen. Für einen Laien nah an der Unmöglichkeit.
Ryker 23.11.2017
3. Nichts Neues
Ich habe bei meiner Trainerausbildung (Tischtennis) vor 20 Jahren schon gelernt, dass der Vorteil von Linkshändern im Sport umso größer ist, je näher sich die Kontrahenten stehen. Das lässt sich zwanglos in "Zeitdruck" umdefinieren. Bei Sportarten die mit viel Rotation arbeiten (Tischtennis, Tennis, Baseball, ggfs. auch Fußball) ist der Effekt nochmal größer. Beim Badminton stehen die Kontrahenten war relativ dicht beieinander und die Sportart ist sehr schnell, Rotation spielt (korrigiert mich, wenn ich falsch liege) aber keine so große Rolle. Im Ergebnis hat also die Studie nur das herausgefunden, was seit Jahrzehnten "common sense" ist. Hoffentlich war sie nicht so teuer...
blogvormkopf 23.11.2017
4. Blitzschach!!
Auch beim Blitzschach gibt es kurioserweise einen Vorteil für Linkshänder, jedenfalls, wenn am Brett gespielt wird, und nicht etwa online. Der Grund: In der Regel darf der Spieler, der die schwarzen Steinen führt, bestimmen, auf welcher Seite des Brettes die Schachuhr stehen soll, also links oder rechts. Das kann beim Blitzschach eine wichtige Rolle spielen, denn es geht zum Schluss um Sekunden und Zehntelsekunden. Da kann es einen ziemlichen Unterschied machen, ob man die Uhr auf der Seite der Hand stehen hat, mit der man zieht, ober auf der anderen. Im letzteren Fall muss man dann nach jedem Zug quer über das Brett zur Uhr langen, um sie zu betätigen (die Uhr muss im Schach immer mit der Hand gedrückt werden, mit der auch gezogen wurde). Der Punkt ist nun: Linkshändige Schachspieler können sich die Uhr nicht nur auf ihre Lieblingsseite stellen, wenn sie die schwarzen Steine haben und es sich aussuchen können. Sie haben vielmehr zudem noch den Vorteil, dass die meisten ihrer Gegner (wie die meisten Menschen allgemein) Rechtshänder sind, die die Uhr aus ihrer Sicht auf die Rechte und damit für die mit weiß spielenden Linkshänder wiederum auf die linke Seite stellen. Nur, wenn ein Linkshänder gegen einen Linkshänder Blitzschach spielt und die weißen Steine hat, hat er die Schachuhr in der Regel auf der Seite des Brettes, die für ihn unvorteilhaft ist. Phänomenal, oder???
Sibylle1969 23.11.2017
5.
Bei den Rückschlagsportarten wie Tennis, Tischtennis oder Badminton kommt den Linkshändern zugute, dass sie es gewöhnt sind, gegen Rechtshänder zu spielen, umgekehrt ist das nicht so sehr der Fall. Da bei den allermeisten Spielern im Tennis und Badminton die Vorhand stärker als die Rückhand ist, muss der Rechtshänder gegen den Linkshänder oft seine Taktik ändern, um die schwächere Rückhand anzuspielen. Dabei passieren dann mehr Fehler. Linkshänder spielen ihrerseits selten gegen andere Linkshänder und dürften dann das gleiche Problem haben.
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