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Weltdrogenbericht: Designerdrogen überschwemmen den Markt

Ein Zollbeamter hält in München Drogentests in den Händen. Vor ihm auf dem Tisch befinden sich 20 Kilogramm der Droge Crystal Zur Großansicht
DPA

Ein Zollbeamter hält in München Drogentests in den Händen. Vor ihm auf dem Tisch befinden sich 20 Kilogramm der Droge Crystal

Erstmals übersteigt die Zahl der Designerdrogen die der herkömmlichen und international verbotenen Substanzen. Dies zeigt ein neuer Uno-Bericht. Besonders gefährlich: Das Suchtpotential der neuen Drogen ist kaum absehbar.

Wien - Immer schneller kommen neue berauschende Substanzen auf den Markt. Psychoaktive Drogen, Designerdrogen oder "Legal Highs", werden zur großen Herausforderung. Denn während der allgemeine Drogenkonsum weltweit stabil geblieben ist, gibt es erstmals mehr Designerdrogen als herkömmliche Substanzen wie Heroin, Kokain, Marihuana und mehr.

Das teilte die Uno-Behörde für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) mit, die am Mittwoch in Wien den Weltdrogenbericht der Vereinten Nationen vorstellte. Die Zahl der psychoaktiven Substanzen sei von 166 im Jahr 2009 auf 251 bis Mitte 2012 gestiegen. International kontrolliert und verboten sind 234 Drogen.

Die Bekämpfung solcher Substanzen gestaltet sich besonders schwierig: Produzenten arbeiten oft in einem gesetzlichen Graubereich und die chemische Zusammensetzung unterscheidet sich häufig von herkömmlichen Drogen. Vermarktet werden die Erzeugnisse oft als scheinbar harmlose Alltagsprodukte, wie etwa Badesalz, Luftreiniger oder Düngemittel, schreibt die UNODC. Hergestellt werde vorwiegend in Europa und Asien.

Suchtpotential nur schwer abschätzbar

Viele Länder versuchen auf die neue Marktsituation zu reagieren, indem sie einzelne Inhaltsstoffe der neuen Drogen regulieren. Das wirke sich laut Uno positiv auf die Lage aus, danach konnte ein Rückgang des jeweiligen Rauschgiftes verzeichnet werden. Doch wie genau sich die neuen Drogen auswirken und wie hoch ihr Suchtpotential ist, sei wegen ihrer kurzen Zeit am Markt bisher nur schwer absehbar.

Konsumiert werden die Designerdrogen vor allem von jungen Menschen: Knapp fünf Prozent der 15- bis 24-jährigen EU-Bürger haben schon einmal damit experimentiert.

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon warnte vor dem Problem: "Besonders junge Menschen müssen für die Gefahren dieser Drogen sensibilisiert werden", sagte er. Im Jahr 2011 starben weltweit insgesamt rund 211.000 Menschen an den Folgen ihres Drogenkonsums.

HIV-Infizierte konsumieren weniger

Auf eine positive Entwicklung deuten hingegen neue Auswertungen unter Konsumenten mit HIV hin: 1,6 Millionen Infizierte zwischen 15 und 64 Jahren spritzten sich 2011 Drogen. Das sind 46 Prozent weniger als noch 2008 angenommen. Insgesamt injizierten sich 14 Millionen Menschen Rauschgift, zwölf Prozent weniger als geschätzt.

Afghanistan bleibt das Hauptlieferland für Opium, den Grundstoff für Heroin – trotz schlechter Wetterbedingungen, die teilweise zu Ernteausfällen führten. Das Land produzierte im vergangenen Jahr 74 Prozent des weltweiten Aufkommens.

Schätzungen der Vereinten Nationen zufolge haben im vergangenen Jahr rund 17 Millionen Menschen mindestens einmal Kokain genommen. Der Verbrauch, der bisher in West- und Zentraleuropa sowie Nordamerika am stärksten war, ging aber zuletzt zurück. Dafür wächst die Nachfrage in Afrika, Asien, Lateinamerika und Osteuropa zum Teil stark an. Die mit Abstand am häufigsten konsumierte illegale Droge weltweit bleibt aber weiterhin Cannabis.

dal/ dpa

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1. Da hilft nur eines !
herbert 26.06.2013
Zitat von sysopDPAErstmals übersteigt die Zahl der Designerdrogen die der herkömmlichen und international verbotenen Substanzen. Dies zeigt ein neuer Uno-Bericht. Besonders gefährlich: Das Suchtpotential der neuen Drogen ist kaum absehbar. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/weltdrogenbericht-neue-chemische-drogen-schwemmen-den-markt-a-907866.html
Knallharte Strafen so wie in Singapur und Malaysia. Wer dort mit Drogen erwischt wird hat die Todesstrafe zu befürchten. Fazit: Es gibt dort das Problem mit den Drogen und der Kriminalität nicht! Bei uns müssen mindestens 25 Jahre drin sein.
2. Logische Konsequenz
mxmx 26.06.2013
Das passiert halt, wenn man "bewährte" Drogen verbietet. Es werden neue Substanzen entwickelt, die noch nicht illegal sind, mit unbekannter Wirkung und Gefahren.
3. optional
renee gelduin 26.06.2013
---Zitat--- 1,6 Millionen Infizierte zwischen 15 und 64 Jahren spritzten sich 2011 Drogen. Das sind 46 Prozent weniger als noch 2008 angenommen. Insgesamt injizierten sich 14 Millionen Menschen Rauschgift, zwölf Prozent weniger als geschätzt. ---Zitatende--- Entweder versteht der Auto den Unterschied zwischen Annahme und Realität nicht, oder seine Sprachkenntnisse sind erschreckend limitiert.
4. Viel Intelligenz
nurmeinsenf 26.06.2013
Alle bekannteren Drogen sind verboten. Bei Designerdrogen hechelt man mit neuen Verbotslisten immer etwas hinterher. Und dann wundert man sich darüber, daß man es am Markt mit immer unbekannteren Substanzen und immer uneinschätzbareren Wirkungen zu tun hat. Viel Intelligenz versammelt... Den Drogenkonsum wird man nicht abschaffen können, egal wie man's anstellt. Die Frage ist halt, ob es einem lieber ist, wenn jemand sich "einen Joint dreht" oder sich irgendwelche "Badesalze" reinpfeift, die im kriminellen Milieu - unter sehr fraglicher Beherrschung der chemischen Vorgänge - zusammengepanscht wurden...
5. oyweh
Layer_8 26.06.2013
Zitat von herbertKnallharte Strafen so wie in Singapur und Malaysia. Wer dort mit Drogen erwischt wird hat die Todesstrafe zu befürchten. Fazit: Es gibt dort das Problem mit den Drogen und der Kriminalität nicht! Bei uns müssen mindestens 25 Jahre drin sein.
Waren Sie schonmal in Malaysia? Dem Paradies ohne Kriminalität? Das einzige Land, das meines Wissens nach Kriminalität abgeschafft hat, per Volksverfügung, ist Nordkorea. Zurück zum Thema. Drogen nehmen die Leute doch schon, seit es die Menschheit gibt. Und ist die Menschheit deswegen ausgestorben? Nun, den Gefallen hat die Menschheit dem Ökosystem noch nicht getan.
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