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Weltkriegs-Blindgänger: Im Boden lauert der Bombentod

Euskirchen: Blindgänger werden immer gefährlicher Fotos
DPA

In Euskirchen ist offenbar eine Weltkriegsbombe explodiert, ein Mensch starb. Bundesweit liegen noch etliche zehntausend Sprengkörper im Boden. Die Altwaffen werden mit der Zeit immer empfindlicher - sie könnten sogar von allein detonieren.

In deutschen Böden liegen noch Zehntausende unentdeckte Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg. Experten schätzen, dass im Schnitt jede zehnte der Millionen Bomben, die amerikanische und britische Flugzeuge über deutschen Städten abwarfen, nicht explodierte. Manche liegen nur 30 Zentimeter tief unter der Erde, andere sechs Meter. Eine Gefahr sind sie alle.

Überall, wo die Alliierten in den letzten beiden Kriegsjahren Angriffe gegen das deutsche Reich flogen, werden heute unzählige Bomben vermutet. Etwa im Ruhrgebiet, am Niederrhein, in süddeutschen Großstädten, in Hamburg, und Dresden. Auch 68 Jahre nach ihrem Abwurf seien sie hochgefährlich, warnte Wolfgang Spyra, Professor für Altlasten an der Uni Cottbus in einem großen Überblicksartikel im SPIEGEL, nachdem er entschärfte Bomben analysiert hatte. Besonders ihre Zünder seien "äußerst schlag- und erschütterungsempfindlich", ihr Zustand sei "kritisch". Es sei sehr wahrscheinlich, dass einige bald von selbst explodierten. In Zukunft könnte es nicht mehr möglich sein, sie ohne Explosion unschädlich zu machen.

Jedes Jahr sprengen und entschärfen die Räumdienste der Bundesländer rund 5000 Weltkriegsbomben. 2012 etwa waren es allein in Nordrhein-Westfalen mehr als 700. In Hamburg wurden seit 1945 mehr als 11.000 Blindgänger entschärft, rund 2900 gelten noch als unentdeckt. In Berlin werden 3000 Bomben vermutet.

Selbst Husten ist verboten

Im Dezember 2011 legte extremes Niedrigwasser des Rheins in Koblenz eine britische Luftmine frei, Gewicht 1,8 Tonnen. 45.000 Menschen mussten damals ihre Häuser verlassen. Am 28. August 2012 musste eine 250-Kilo-Bombe im Münchener Stadtteil Schwabing kontrolliert gesprengt werden. Eine Woche später entdeckten Arbeiter auf dem Heiligengeistfeld in Hamburg zwei Bomben. Die Zünder konnten entschärft werden.

Meist sind es Bauarbeiter, wie auch jetzt bei dem tragischen Unglück in Euskirchen, die auf gefährliche Blindgänger stoßen. Doch auch bei anderen Gelegenheiten ist es schon zu Unfällen durch Blindgänger gekommen. 2008 etwa kam in Nordrhein-Westfalen ein Landwirt ums Leben. Bei Mäharbeiten hatte sich eine Phosporgranate ausgelöst.

Die Arbeit der Kampfmittelräumdienste ist extrem gefährlich: Seit 2000 starben in Deutschland elf Mitarbeiter bei Versuchen, Bomben zu entschärfen. "Bei Bomben mit Langzeitzündern ist sogar starkes Husten verboten, so empfindlich können sie sein", sagte Horst Reinhard, Technischer Leiter des Kampfmittelbeseitigungsdienstes im brandenburgischen Wünsdorf. Er selbst hat mehr als 150 Sprengsätze entschärft.

nik

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