Weltraumschrott "Mir" landete im Pazifik

Ein Großteil der russischen Raumstation "Mir" ist in der Atmosphäre verglüht. Der Rest ist planmäßig in den Pazifik zwischen Neuseeland und Chile gestürzt.



Flash: Die letzten Stunden der "Mir"


Teile der "Mir" verglühen in der Erdatmosphäre
REUTERS

Teile der "Mir" verglühen in der Erdatmosphäre

Moskau/Tokio - Eine Weltraum-Ära ist nach 15 Jahren zu Ende: Die russische Raumstation "Mir" ist am Freitagmorgen gegen 7 Uhr MEZ planmäßig abgestürzt. Beim entscheidenden dritten Bremsimpuls um 6.07 Uhr MEZ arbeiteten die Triebwerke der Station und des angekoppelten "Progress"-Raumtransporters 20 Minuten lang mit voller Kraft und brannten aus. Damit ging die "Mir" in einen Segelflug über, der sie in einem hohen Bogen in den Süden des Pazifiks trug.

Die Experten vom European Space Operations Centre (ESOC) in Darmstadt sowie das japanische Wissenschaftsministerium bestätigten den planmäßigen Verlauf der Absturzmanöver. Nach dem zweiten Bremsschub befand sich die Raumstation auf der vorgesehenen Höhe von 159 Kilometern. Damit waren die Voraussetzungen für die entscheidende dritte Bremsung geschaffen.

Sorge in Japan

Besonders in Japan waren die letzten Stunden der "Mir" mit großer Aufmerksamkeit verfolgt worden. Das Land war das letzte dicht besiedelte Gebiet, über das die "Mir" geflogen war, bevor ihre Trümmer im Südpazifik niedergingen. Die Bewohner der südlichsten japanischen Inselprovinz Okinawa waren zu besonderer Vorsicht aufgefordert worden.

Eher wehmütige Töne waren bei der ESOC zu hören. "Mir tut es leid um die Raumstation, vor allem für meine Kollegen im Osten", kommentierte Rolf-Dieter Andresen die letzten Stunden der "Mir". Andresen leitete die beiden "Euro-Mir"-Missionen 1995 und 1996. Die Station sei für fünf Jahre konzipiert gewesen und habe 15 Jahre überlebt. "Sie ist ein Oldtimer, bei dem das Herz sagt, man soll ihn behalten, und die Vernunft weiß, dass seine Tage gezählt sind."

In weitem Bogen ins Meer: Das russische Kontrollzentrum überwachte den Absturz
DPA

In weitem Bogen ins Meer: Das russische Kontrollzentrum überwachte den Absturz

Der Absturz der "Mir" war pünktlich um 1.32 Uhr MEZ mit dem ersten Bremsschub eingeleitet worden. Während des Überfluges über Russland wurden Live-Bilder aus der "Mir" übertragen. Sie zeigten, dass die ausgediente Station das Manöver gut verkraftet hat. Es folgte ein zweiter Bremsimpuls der Antriebsraketen der angedockten Progress-Raumkapsel um 3 Uhr MEZ. Beide Bremsmanöver dauerten jeweils etwas über 20 Minuten.

1500 Trümmerteile sind niedergegangen

Wahrscheinlich sind bis zu 1500 einzelne Trümmerteile über dem Südpazifik niedergegangen. Das Zentrum des Zielgebietes lag bei 44,2 Grad südlicher Breite und 150,4 Grad westlicher Länge. Insgesamt handelt es sich um einen Teppich Korridor von 200 Kilometern Breite und 5000 bis 6000 Kilometern Länge, in dem die Trümmerteile niedergegangen sind.

Die Russen haben wie keine zweite Weltraumnation Erfahrung mit dem Versenken von Weltraumschrott. Mehr als 60 Raumfrachter vom Typ "Progress" wurden nach dem Flug zur Mir seit 1986 in den Weiten des Südpazifiks zwischen Neuseeland und Chile versenkt. Doch niemals zuvor wurde ein derartiger Koloss wie die "Mir" mit einem Gewicht von 137 Tonnen zum Absturz über der Erde gebracht.



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