Weniger Patente und Preise: US-Forschung verliert an Bedeutung

Jahrzehntelang dominierten Amerikaner die moderne Wissenschaft. Doch Europa und vor allem Asien haben mächtig aufgeholt. Ob Nobelpreise, wissenschaftliche Veröffentlichungen oder Patente - die Vormachtstellung der USA schwindet zusehends.

Absolventen der New York University: Zunehmender Bedeutungsverlust
AP

Absolventen der New York University: Zunehmender Bedeutungsverlust

"Der Rest der Welt holt auf", meint etwa John E. Jankowski von der staatlichen National Science Foundation aus Washington. "Herausragende wissenschaftliche Erkenntnisse sind nicht mehr allein Amerikas Domäne."

Der Verlust der amerikanischen Vorherrschaft in Wissenschaft und Technik manifestiert sich nach einem Bericht der "New York Times" unter anderem in der rückläufigen Vergabe von Patenten und Preisen an US-Amerikaner. In den letzten Jahren ging nur noch jeder zweite Nobelpreis an US-Bürger - ein deutlicher Rückgang gegenüber der Glanzzeit in den sechziger Jahren, als die begehrte Auszeichnungen beinahe schon automatisch an Wissenschaftler aus den USA verliehen wurde. Mittlerweile gehen Preise immer häufiger nach Großbritannien, Japan, Russland, Deutschland, Schweden, in die Schweiz oder nach Neuseeland.

Massachusetts Institute of Technology: Europa überholt Amerika bei Publikationen
AP

Massachusetts Institute of Technology: Europa überholt Amerika bei Publikationen

Noch dramatischer ist der Rückgang bei den Veröffentlichungen in renommierten Wissenschaftszeitschriften. So verzeichnete die als "Physical Review" bekannte Serie angesehener Physik-Journale einen Rückgang der US-Artikel von 61 Prozent in 1983 auf nur noch 29 Prozent in 2003. "Andere Verleger beobachten den gleichen Trend", erklärte Chefredakteur Martin Blume.

Eine EU-Studie im Jahr 2003 hatte ergeben, dass Europa die USA Mitte der neunziger Jahre als weltgrößten Produzent wissenschaftlicher Aufsätze überholt hat. Doch auch Asien hat mächtig aufgeholt. So berichtet Physical-Review-Chef Blume von 1000 Papers, die allein aus China pro Jahr eingereicht würden.

Auch der Anteil der an US-Forscher vergebenen Patente sei mittlerweile auf nur noch 52 Prozent gesunken, konstatiert die "New York Times". "Wir sind in einer neuen Welt, die zunehmend von anderen Ländern als den USA dominiert wird", sagte Denis Simon vom Rensselaer Polytechnic Institute.

Der in der Forschung sinkende Stern der USA ist nach Einschätzung von Experten eine unvermeidliche Folge des steigenden Lebensstandards in anderen Teilen der Welt, allen voran Asien. "Es liegt alles im Auf und Ab der Globalisierung", meint Jack Fritz von der National Academy of Engineering, einem Beraterorgan der US-Regierung.

Kritiker werfen der Regierung von Präsident George W. Bush vor, die langjährige Forschungsbastion durch Mittelkürzungen in Gefahr zu bringen. Nach Berechnungen der Wissenschaftlervereinigung American Association for the Advancement of Science (AAAS) muss die US-Regierung in den nächsten Jahren aus Spargründen die Etats von 21 der 24 Bundesbehörden kürzen, die Forschung subventionieren. Von den Kürzungen ausgenommen seien nur die Bereiche Raumfahrt und Sicherheit.

Daneben fehlt den Universitäten wegen der restriktiven Einreisepolitik nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 zunehmend der hoch qualifizierte Nachwuchs aus dem Ausland. Die Bewerbungen von ausländischen Studenten sind nach AAAS-Angaben seit 2001 um ein Viertel zurückgegangen.

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