Weniger Schwefel Treibstoffregeln verbessern Nord- und Ostseeluft

Der Treibstoff für Schiffe auf Nord- und Ostsee darf seit gut einem Jahr nicht mehr als 0,1 Prozent Schwefel enthalten. Vielerorts hat sich die Luft seither verbessert, berichten Naturschützer.

Kreuzfahrtschiff auf dem Nord-Ostsee-Kanal in Höhe von Grünental in Schleswig-Holstein (Archivbild)
Carsten Rehder/dpa

Kreuzfahrtschiff auf dem Nord-Ostsee-Kanal in Höhe von Grünental in Schleswig-Holstein (Archivbild)


Der Einsatz schwefelärmerer Treibstoffe in der Schifffahrt auf Nord- und Ostsee zeigt Wirkung. Die Luftschadstoffbelastung in der Region sei erheblich zurückgegangen, bilanziert der Naturschutzbund Deutschland (Nabu).

Seit Anfang 2015 dürfen Handels- und Kreuzfahrtschiffe sowie Fähren in Nord- und Ostsee nur noch mit einem Treibstoff unterwegs sein, der 0,1 Prozent und nicht mehr 1,0 Prozent Schwefel enthält. Alternativ müssen die Abgase über eine Waschanlage an Bord (Scrubber) gereinigt werden. Das hatte die Internationale Schifffahrtorganisation IMO festgelegt.

Weltweit neue Schwefel-Grenzwerte geplant

Der Nabu ließ vom niederländischen Forschungsinstitut CE Delft untersuchen, welche Effekte sich dadurch in Europa eingestellt haben. So sei etwa in Hoek van Holland (Niederlande) die Menge des ausgestoßenen Schwefeldioxids (SO2) um fast die Hälfte zurückgegangen, im britischen Plymouth sei es sogar mehr als die Hälfte gewesen. Um mindestens die Hälfte hätten sich auch die SO2-Werte auf der deutschen Insel Neuwerk in der Elbmündung verringert, sagte der Nabu-Verkehrsexperte Dietmar Oeliger.

Die Luftqualität könnte aber noch besser sein, so Oeliger. Der Nabu kritisiert, dass Kontrollen auf hoher See fehlten, weshalb Gesetzesverstöße häufig nicht aufgedeckt würden. Für den Verband Deutscher Reeder (VDR) zeigen die Messungen hingegen, dass sich die Unternehmen an die Abgasgrenze hielten.

Der Nabu fordert die IMO auf, die Schwefel-Grenzwerte weltweit - wie geplant - bis 2020 von 3,5 Prozent auf 0,5 Prozent zu begrenzen. Dieser Grenzwert solle in chinesischen Küstengebieten bereits von 2018 an gelten, so die Umweltschützer. In Nordeuropa bleibt der niedrigere 0,1-Wert unverändert bestehen, er gilt unter anderem auch in US-Küstengewässern.

Um eine Wettbewerbsverzerrung für nordeuropäische Reeder zu vermeiden, müsste schnellstmöglich auch das Mittelmeer zur schwefelarmen Region bestimmt werden, fordern die Umweltschützer. Auf die benötigte Kraftstoffproduktion könne sich die Industrie einstellen, wie sich gezeigt habe, bilanzierte Nabu-Berater Axel Friedrich. Auch seien die Treibstoffkosten für die Reeder infolge niedriger Ölpreise nicht gestiegen.

jme/dpa



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