WHO-Bericht Umweltverschmutzung tötet 13 Millionen Menschen

Dreckige Luft, schmutziges Wasser, Moskitos - 13 Millionen Menschen im Jahr müssen nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation sterben, weil sie in einer verschmutzten Umwelt leben. Am stärksten betroffen sind wie so oft die Kinder.


Die Jahresbilanz klingt erschreckend: 2,6 Millionen Tote durch Herz- und Gefäßkrankheiten, 1,7 Millionen aufgrund von Durchfallerkrankungen, 1,5 Millionen durch Erkrankungen der unteren Atemwege, 1,4 Millionen durch Krebs und 1,3 Millionen durch chronische Lungenkrankheiten. Weitere 470.000 Menschen sterben jährlich bei Verkehrsunfällen und 400.000 durch andere unbeabsichtigte Verletzungen. Diese traurige Liste stellte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor.

Kinder in der Dritten Welt: Überproportional durch dreckige Umwelt gefährdet
AP

Kinder in der Dritten Welt: Überproportional durch dreckige Umwelt gefährdet

Viele der Menschen könnten gerettet werden - durch einen schonenderen Umgang mit der Umwelt. Vermeidbare, gefährliche Umwelteinflüsse kosten laut einer WHO-Studie jährlich rund 13 Millionen Menschen pro Jahr das Leben. Dabei wirken sich Luftverschmutzung, belastetes Trinkwasser und Moskitostiche am gravierendsten aus.

Besonders gefährdet seien Kinder, heißt es in dem WHO-Bericht "Preventing disease through healthy environments" (Krankheitsvermeidung durch gesunde Umwelt): Während von den Risiken allgemein 24 Prozent der Bevölkerung betroffen seien, liege die Quote bei Kindern bei mehr als 33 Prozent.

Hauptleidtragende sind Kinder und Arme

Der Bericht der in Genf ansässigen Uno-Organisation basiert auf wissenschaftlichen Veröffentlichungen, den Studien, Schätzungen und Hochrechnungen von mehr als 100 Experten. Das Ergebnis ist der Versuch einer Gesamteinschätzung der Belastung von Menschen durch Umweltschäden.

"Wir haben schon immer gewusst, dass Umwelteinflüsse die Gesundheit grundlegend beeinflussen, und diese Schätzungen sind bislang die besten", sagte der geschäftsführende WHO-Generaldirektor Anders Nordström, der derzeit den Posten des kürzlich verstorbenen WHO-Direktors Jong Wok Lee bekleidet. "Sie werden uns dabei helfen zu zeigen, dass kluge Investitionen in eine tragfähige Umwelt eine Erfolgsstrategie für bessere Gesundheit und Entwicklung sind."

In vielen Weltgegenden muss sich diese Erkenntnis aber erst noch durchsetzen: In den am wenigsten entwickelten Regionen entfällt fast ein Drittel aller Todes- und Krankheitsfälle auf widrige Umweltbedingungen. 40 Prozent der Malariafälle und geschätzte 94 Prozent der Durchfallerkrankungen - zwei der maßgeblichen Gründe für die Kindersterblichkeit in der Welt - könnten durch besseres Umweltmanagement vermieden werden.

Schlechte Umweltbedingungen lösten in erster Linie Durchfall- und Atemwegserkrankungen, Verletzungen und Malaria aus, heißt es in der Studie weiter. Allein solche Risiken zu vermeiden, könne weltweit jährlich vier Millionen Menschen das Leben retten, vor allem in Entwicklungsländern.

stx/AP



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