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WHO-Statistik: Länder-Rangliste der Umwelt-Toten

Dreckiges Wasser, verpestete Luft, unwürdige Arbeitsbedingungen: Jährlich sterben 13 Millionen Menschen an den Auswirkungen ihrer Umwelt. Jetzt hat die Weltgesundheitsorganisation erstmals ein globales Länder-Ranking der Umweltgefahren erstellt.

Genf - Die Zahl ist erschreckend, und sie hat sich binnen eines Jahres nicht geändert: Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben nach wie vor rund 13 Millionen Menschen pro Jahr an den Folgen von Umweltverschmutzung, zerstörerischer Landwirtschaft oder gefährlichen Arbeitsbedingungen. Jetzt hat die WHO erstmals die Belastung der Gesundheitssysteme nach einzelnen Ländern aufgeschlüsselt. Der Bericht zeichnet ein ebenso facettenreiches wie vielsagendes Bild.

In manchen Ländern ist die sogenannte Krankheitslast - die Lücke zwischen dem theoretischen Idealzustand und der tatsächlichen öffentlichen Gesundheit - bis zu einem Drittel schädlichen Umwelteinflüssen geschuldet. Zu ihnen zählt die WHO Schadstoffe in Luft und Wasser, UV-Strahlung, Lärm, landwirtschaftliche Eingriffe, ungesunde Arbeitsbedingungen sowie den Klimawandel und Ökosystemverluste.

An der Spitze der Negativliste liegen erwartungsgemäß bitterarme Staaten wie Angola, Mali und die Demokratische Republik Kongo. In Angola etwa gehen pro Jahr 304 Lebensjahre je 1000 Einwohner verloren. 37 Prozent der gesamten Krankheitslast führt die WHO in dem Land auf Umwelteinflüsse zurück. Die Misere beschränkt sich nicht auf Afrika: Auch Afghanistan gehört, allen Aufbau-Bemühungen der internationalen Gemeinschaft zum Trotz, zu den Ländern mit den höchsten Zahlen an umweltbedingten Krankheits- und Todesfällen (siehe Grafik).

Einfache Maßnahmen könnten Tausende retten

In der WHO-Statistik findet sich auch ein Hinweis darauf, dass ein großer Teil der Umwelt-Opfer schon mit relativ einfachen Mitteln gerettet werden könnte: Allein in 23 Staaten lassen sich mehr als zehn Prozent aller Todesfälle auf nur zwei Ursachen zurückführen - verschmutztes Wasser inklusive mangelnder Hygiene sowie Luftverschmutzung in Innenräumen durch die Verbrennung von Holz oder Kohle. Am meisten haben Kinder darunter zu leiden: 74 Prozent der Todesopfer durch Durchfall- und Atemwegserkrankungen sind jünger als fünf Jahre.

Philippinischer Junge im verschmutzten Fluss Wawa: Kinder in armen Ländern leiden am stärksten unter der Umweltzerstörung
DPA

Philippinischer Junge im verschmutzten Fluss Wawa: Kinder in armen Ländern leiden am stärksten unter der Umweltzerstörung

"Diese Daten zeigen, dass präventive Maßnahmen in den Haushalten die Todesrate dramatisch senken könnten", teilte die WHO am heutigen Mittwoch in Genf mit. Schon die Benutzung von Gas oder Elektrizität beim Kochen, die Verbesserung der Lüftung oder einige einfache Verhaltensänderungen könnten einen großen Beitrag leisten. Hilfreich wären auch Geräte wie etwa ein in Deutschland entwickelter Pflanzenöl-Kocher. Im Oktober hatte die WHO gemeldet, dass rund zwei Millionen Menschen pro Jahr an verdreckter Luft sterben, 1,2 Millionen davon durch das Verfeuern fossiler Brennstoffe in den eigenen vier Wänden.

Deutschland: 132.000 Tote pro Jahr durch Umwelteinflüsse

Obwohl die armen Länder laut WHO rund 20-mal mehr Lebensjahre pro Person verlieren wie Länder mit hohem Durchschnittseinkommen, sind auch die reichen Staaten keineswegs sicher: Bis zu einem Sechstel ihrer Krankheitslast geht auf Umwelteinflüsse zurück. In Deutschland, Großbritannien und Frankreich etwa liegt der Anteil bei 14 Prozent, in der Schweiz und in den USA bei 13 Prozent. 132.000 Deutsche, so schätzt die WHO, sterben jedes Jahr an vermeidbaren Umweltgefahren. Insbesondere die Zahl der Herz-Kreislauf-Erkrankungen und der Todesfälle im Straßenverkehr könnte durch entschlossene Maßnahmen stark gesenkt werden.

Zwar betont die WHO, dass die Länder-Statistik nur auf vorläufigen Schätzwerten beruhe. Dennoch sei das Zahlenwerk "ein erster Schritt, um nationalen Entscheidungsträgern zu helfen, Prioritäten bei vorbeugenden Maßnahmen zu setzen", sagte WHO-Mitarbeiterin Susanne Weber-Mosdorf. Es sei wichtig, die Krankheitslast durch ungesunde Umgebungen in Zahlen zu fassen. "Diese Information ist der Schlüssel, um Ländern bei der Wahl der richtigen Gegenmaßnahmen zu helfen."

mbe

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