Madagaskar Wie der Mensch den größten Vogel der Welt ausrottete

Drei Meter groß, 400 Kilogramm schwer: Der Elefantenvogel gilt als größter Vogel der Erde. Forscher haben auf Madagaskar nun Spuren seines Niedergangs gefunden - und dabei Ungewöhnliches entdeckt.

De Agostini/Getty Images

Elefantenvögel gehören zu den eindrucksvollsten Lebewesen, die es jemals auf der Erde gab. Knapp drei Meter groß und bis zu 400 Kilogramm schwer, lebten die Tiere einst über die Insel Madagaskar verteilt - letzte Exemplare wurden angeblich noch im 17. Jahrhundert gesichtet. Kaum ein Vogel im Verlauf der Erdgeschichte war größer.

Doch offenbar war auch kaum einer langsamer.

Denn Elefantenvögel waren wohl leichte Opfer für den Menschen. Die ersten Siedler der Insel vor der Ostküste von Afrika hatten es nicht nur auf den Vogel selbst abgesehen, sondern auch auf seinen Nachwuchs. Das gigantische Gelege der Tiere, das einem Volumen von mehr als 100 Hühnereiern entspricht, war nicht nur eine Proteinbombe, es war auch kaum zu übersehen. Die Eier, heute begehrte Objekte unter Fossiliensammlern, erreichten eine Länge von bis zu 30 Zentimetern.

Einige Forscher vermuten, dass die beiden Elefantenvögel-Gattungen Aepyornis und Mullerornis vor allem deshalb ausstarben, weil der Mensch Jagd auf sie machte. Auch klimatische Veränderungen könnten für die Tier zum Problem geworden sein - so lautet eine andere These.

Elefantenvogel-Ei: Die fossile Wertanlage

Forscher um James Hansford von der University of Southampton haben nun an den eindrucksvollen Knochen von Elefantenvögeln Belege dafür gefunden, dass die Tiere sehr früh auf dem Speiseplan des Menschen standen. Schon vor etwas mehr als 10.000 Jahren, also etwa kurz nach dem Übergang vom Pleistozän zum Nacheiszeitalter , dem Holozän, wurden die Tiere verspeist.

Darauf deuten Schnittspuren hin, die an den Knochen eines Elefantenvogel-Skeletts gefunden wurden. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Fossilien-Spezialisten im Fachblatt "Science Advances". In der Studie berichten sie von einem Unterschenkelknochen, an dem sich fünf lineare Rillen zeigten. Sie seien typisch für die Steinklingenwerkzeuge der damaligen Zeit und entstanden wohl zum Todeszeitpunkt des Tiers, schreiben die Forscher.

Die Ergebnisse sind aber noch aus einem anderen Grund bemerkenswert. Denn sie datieren die Ankunft der frühesten bisher nachgewiesenen Menschen auf Madagaskar 6000 Jahre früher als bisher angenommen. Der Elefantenvogel bekam also schon sehr viel früher Stress mit dem Menschen als gedacht. Laut den Forschern waren klimatische Veränderungen für das Aussterben der Tiere demnach nicht entscheidend.

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Elefantenvogel: Groß, schwer, ausgestorben

Obwohl die Insel direkt gegenüber von Ostafrika liegt, wo sich sehr früh Hominiden entwickelten, gehört sie zu den letzten durch den Menschen besiedelten Gebieten der Erde. Früheste archäologische Funde hatten Forscher bisher nur in Nordmadagaskar gemacht. Dort wurden von Menschen vor etwa 4000 Jahren hergestellte Werkzeuge entdeckt. Ein weiterer Fund, der als Beleg für menschliche Aktivitäten gewertet wurde, sind Kratzspuren auf dem Schädel einer ausgestorbenen Lemurenart, sie sind etwa 2500 Jahre alt.

"Die Untersuchung verändert unser Verständnis der bisherigen Besiedlungsgeschichte der Insel", schreiben die Forscher. Doch vermutlich hat sich der Mensch damals zumindest nicht flächendeckend niedergelassen, bisher handelt es sich um Einzelfunde.

Belegt ist, dass Seefahrer aus Südostasien erst zwischen 200 und 500 nach Christus nach Madagaskar kamen und später erste Siedlungen entstanden. Für den Elefantenvogel brachen spätestens damit noch härtere Zeiten an. Irgendwann zwischen 1000 nach Christus und der europäischen Kolonialisierung hatte ihn der Mensch endgültig ausgerottet.

joe



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