Evolution Wie der moderne Mensch nach Asien kam

Wie, und vor allem wann, kam der moderne Mensch nach Asien? Darüber streiten sich Experten seit langem. Forscher glauben nun zu wissen, wie es wirklich war.

Vor 1,9 Millionen Jahren: In Europa entwickelte sich der Neandertaler (Nachbildung), in Afrika der Homo sapiens
dpa

Vor 1,9 Millionen Jahren: In Europa entwickelte sich der Neandertaler (Nachbildung), in Afrika der Homo sapiens


Der moderne Mensch besiedelte Ostasien erst vor 50.000 bis 60.000 Jahren. Von Ostafrika aus eroberte er den asiatischen Kontinent und bewegte sich dann entlang der Küsten Südostasiens Richtung Osten – bis er schließlich vor 40.000 bis 50.000 Jahren Australien erreichte.

Forscher aus England und Portugal sind sich sicher: So ist es abgelaufen. Sie widersprechen damit der von einigen Experten vertretenen Annahme, dass der Homo sapiens schon viel früher Südasien erreicht habe. Dafür gebe es keine überzeugenden Hinweise, schreiben die Wissenschaftler in den "Proceedings" der US-amerikanischen Nationalen Akademie der Wissenschaften ("PNAS").

Nach der als gut gesichert geltenden Out-of-Africa-Theorie liegt die Wiege des Menschen in Afrika. Von dort eroberte die Gattung Homo die Welt. Demnach gelangte Homo erectus in einer ersten Auswanderungswelle vor etwa 1,9 Millionen Jahren nach Asien und Europa. Aus ihm entwickelte sich vermutlich in Europa der Neandertaler, in Afrika der Homo sapiens. Dieser verließ in einer zweiten Auswanderungswelle vor 60.000 bis 70.000 Jahren erneut den afrikanischen Kontinent. Die einheimischen Menschenarten starben innerhalb kurzer Zeit aus, zum Beispiel der Neandertaler in Europa.

Doch wie - und vor allem wann - unsere Vorfahren nach Asien kamen, ist unter Experten umstritten. Einige Forscher haben vor ein paar Jahren die Hypothese aufgestellt, dass der moderne Mensch Asien schon viel früher besiedelt habe, und zwar vor dem Ausbruch des Toba-Vulkans auf der indonesischen Insel Sumatra vor etwa 75.000 Jahren. Es war der stärkste Vulkanausbruch der vergangenen zwei Millionen Jahre. Grundlage für die Hypothese waren unter anderem in Südindien gefundene Steinwerkzeuge, die unter der Vulkanasche begraben waren und von ihrer Machart zunächst dem Homo sapiens zugeordnet wurden.

Um die Sachlage zu klären haben die Wissenschaftler um Paul Mellars nun erneut genetische und archäologische Funde analysiert. Und schließen nach ihren Bewertungen eine frühere Besiedlung Südasiens durch den Homo sapiens aus. Ihre Argumentation: Bestimmte genetische Merkmale, die heute alle Menschen auf der Erde tragen, seien erst später – nach dem Ausbruch des Vulkans – in Ostafrika entstanden.

Wenn der Homo sapiens Afrika also früher in Richtung Südasien verlassen hätte, dann ohne die spezifischen, heute noch vorhandenen genetischen Merkmale. Folglich müssten alle diese Frühbesiedler wieder ausgestorben sein. Eine frühere Besiedlung Südasiens durch den Homo sapiens erscheine demnach "bestenfalls höchst unwahrscheinlich", schreibt das Team.

Auch moderne Steinwerkzeuge und mit Symbolen verzierte Gegenstände, wie ausgefeilte Klingen oder Eierschalen mit feinen Gravuren, tauchten der Studie zufolge frühestens 25.000 Jahre nach dem Vulkanausbruch in Asien auf. Ganz ähnliche Werkzeuge kennen Wissenschaftler aus Süd-, Zentral- und Ostafrika. Diese stammen etwa aus der Zeit, als der Homo sapiens den Kontinent verließ. Es sei anzunehmen, dass er seine Kulturtechniken dabei mitgenommen habe.

dal/ dpa



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