Fund aus Italien Wie Neandertaler das Feuer nutzten

Neandertaler nutzten Holzwerkzeug - sie stellten es mit Feuer her, wie ein 171.000 Jahre alter Fund in der Toskana zeigt.

Wühlstabfund aus Poggetti Vecchi
PNAS

Wühlstabfund aus Poggetti Vecchi


Wühlstäbe sind eine praktische Sache. Damit ließ sich etwa auf der Suche nach essbaren Wurzeln, Erdfrüchten oder allerlei anderen nützlichen Dingen der Boden auflockern. Beliebt waren die Stöcker schon vor Zehntausenden Jahren. Selbst der Neandertaler nutzte sie.

Und wie italienische Archäologen nun entdeckt haben, machte sich Homo neanderthalensis dabei offenbar die Kraft der Flammen zu nutze. Die Forscher fanden bei Ausgrabungen in der Toskana solche Grab- oder Wühlstäbe, die mit Hilfe von Feuer hergestellt wurden. Bislang war nicht bekannt, inwieweit damalige Menschen Hitze und Flammen gezielt zur Herstellung von Waffen und Alltagsgegenständen einsetzen konnten. Die Studie erschien in den"Proceedings" der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften ("PNAS").

Die Entdeckung gelang bei Ausgrabungen in der archäologischen Stätte Poggetti Vecchi bei Grosseto, die Holzstäbe wurden aus Buchsbaumholz angefertigt. Die Fundstelle ist mindestens 171.000 Jahre alt. So alte Holzfunde sind sehr selten, weil das Material zu vergänglich ist. Die Funde von Poggetti Vecci sind nun die ältesten bisher bekannten Wühlstäbe.

Fotostrecke

5  Bilder
Birkenpech: In der ersten Klebstoff-Fabrik

Die Stäbe lagen zwischen Knochen des ausgestorbenen Europäischen Waldelefanten. Nach Angaben der Autoren um Biancamaria Aranguren vom italienischen Ministerium für Kulturgüter in Florenz, waren nur wenige der Wühlstäbe komplett, die meisten dagegen zerbrochen. Insgesamt fanden die Forscher 58 Holzfragmente. Zum Teil sind die Stäbe etwas über einen Meter lang und einige waren angeschwärzt. Sie haben eine Art Griff an der Oberseite und ein schmal zulaufendes, aber nicht angespitztes Ende.

Die Analysen ergaben, dass die Stäbe nicht zufällig ins Feuer gerieten. So ist das umgebende Fundmaterial nicht angekohlt und die Griffe und Spitzen der Stäbe sind ebenfalls nicht schwarz. Es sei also nicht anzunehmen, dass die Stäbe im Wildfeuer oder durch das Stochern im Lagerfeuer schwarz wurden, so die Forscher. Zudem sei die verkohlte Schicht auf dem Holz sehr gleichmäßig. Experimente hatten gezeigt, dass dies nur möglich ist, wenn die Hitze gut reguliert wird.

Blick auf die Ausgrabung in der Toskana
PNAS

Blick auf die Ausgrabung in der Toskana

Buchsbaumholz ist das härteste Holz, das in Europa zu finden ist. Die Forscher gehen deshalb davon aus, dass die Neandertaler das Feuer nutzten, um die Stäbe leichter zu bearbeiten. Sie hätten vermutlich die Stäbe angekokelt, um die Rinde und Äste leichter mit ihren Steinwerkzeugen zu entfernen. Dieses Vorgehen sei auch von jüngeren Naturvölkern, wie zum Beispiel den australischen Aborigines, bekannt.

Die Erkenntnisse ließen auch allgemeine Schlüsse auf die kognitiven Fähigkeiten der Neandertaler zu, so die Wissenschaftler. Die Funde von Poggetti Vecci sind der früheste Hinweis auf eine Verwendung des Feuers zur Bearbeitung von Holz.

Wissenschaftler versuchen seit Langem herauszufinden, wann Menschen das Feuer zu welchen Zwecken einsetzen und kontrollieren konnten. Aranguren berichtete, sie kenne keine weiteren mit Feuer bearbeiteten prähistorischen hölzernen Wühlstäbe.

Bereits aus früheren Funden ist bekannt, dass der Neandertaler, der in Europa vor 40.000 bis 30.00 Jahren ausstarb und vom Homo sapiens verdrängt wurde, bereits einige clevere Techniken nutzte. So stellte er wohl Klebstoff aus Birkenpech her und auch Schmuck.

joe/dpa

insgesamt 1 Beitrag
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Neandiausdemtal 06.02.2018
1. Nun ja,.....
......immerhin ist die Herstellung von Birkenpech deutlich komplexer als es das Härten von Holz im Feuer ist.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.