Ausgegraben

Ausgegraben Archäologen finden Wikinger-Camp in Spanien

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Start der Untersuchungen: Archäologin Irene García Losquiño und Kollege Jan Henrik Fallgren am Strand der Wikinger
Manuel Miranda

Start der Untersuchungen: Archäologin Irene García Losquiño und Kollege Jan Henrik Fallgren am Strand der Wikinger


Die Wikinger waren nicht nur im eisigen Norden unterwegs. Auch in wärmeren Gefilden trieben sie ihr Unwesen: Archäologen stießen in Spanien auf seltene Spuren - und ein ganzes Camp der Seefahrer.

Die Wikinger bauten bereits um das Jahr 1000 Schiffe, mit denen sie über den Atlantik segelten. Sie errichteten ein riesiges Imperium, dessen entlegenste Ausläufer im Westen bis nach Amerika, im Osten bis nach Russland reichten - und dessen größter Teil im kühlen Norden lag.

Weniger bekannt ist, dass die Wikinger auch sonnigere Gefilde ansteuerten - unter anderem Spanien. Irene García Losquiño vom Centre for Scandinavian Studies der University of Aberdeen ist den Wikingern dort auf die Fährte gekommen.

Mancher Wikinger blieb im Süden

"Sowohl die nordischen Chroniken und Sagen als auch die historischen spanischen Quellen berichten von Wikingereinfällen zwischen dem 9. und dem 11. Jahrhundert", sagt García Losquiño. Doch archäologische Spuren des blutigen Geschehens habe man bislang nie entdeckt.

Angespülte Anker, Ballaststeine aus Flint: Archäologen des Centre for Scandinavian Studies diskutieren die spanischen Fundstücke
Manuel Miranda

Angespülte Anker, Ballaststeine aus Flint: Archäologen des Centre for Scandinavian Studies diskutieren die spanischen Fundstücke

García Losquiño war im März 2014 im nordwestspanischen Galicien zu Besuch, als am Strand zwei Steinanker und mehrere Ballaststeine aus Flint angespült wurden. An sich nichts Ungewöhnliches an der Atlantikküste. Doch der größere der beiden Anker stammte eindeutig nicht von einem spanischen Schiff. García Losquiño wusste sofort, was sie da vor sich hatte: "Anker dieses Typs werden auf Gotland und Öland gefunden, wo sie noch bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Gebrauch waren." Auch der Ballast-Flint hatte schon eine weite Reise hinter sich. "Er stammt aus der Normandie oder England."

Weitere Ausgrabungen geplant

Fünf Tage lang blieb die Wissenschaftlerin in der Region und startete eine erste kleine Untersuchung. Die örtliche Denkmalschutzbeauftragte führte sie zu einem Felssporn, der vom Strand aus über zwei Wege zugänglich war. "Die Einheimischen hielten es für eine Burg mit Vorhof, wie wir sie aus der Normandie kennen", erklärt García Losquiño. Aber eine erste Untersuchung und der Abgleich mit Luftbildern ergab ein ganz anderes Bild: "Es ist ein sogenannter longphort, eine Art Wikingercamp. Solche longphorts wurden in England und Irland häufig gebaut, um Häfen oder Küstensiedlungen zu sichern, die für die Eroberung wichtig waren."

Je intensiver García Losquiño nach Spuren der Wikinger suchte, desto mehr fand sie - und nicht nur archäologische. So leben in Galicien weitaus mehr rothaarige und blauäugige Menschen als in anderen Regionen Spaniens.

Zwar blieben die Wikinger, glaubt man den historischen Quellen, nur drei Jahre lang in Spanien. "Aber dort steht auch: Einige Wikinger blieben zurück und mischten sich unter die einheimische Bevölkerung", sagt García Losquiño. Und auch einige Bräuche oder Feste in den Dörfern muten seltsam skandinavisch an. "Einige sind sogar regelrecht touristisch. In Catoira zum Beispiel werden jedes Jahr Wikingerschiffe gebaut und eine 'Wikinger-Extravaganza' gefeiert."

Im nächsten Jahr beginnt García Losquiño gemeinsam mit Kollegen aus Großbritannien, Schweden und Spanien mit ersten Grabungen. So international wie die Wikinger selbst wird dann auch das archäologische Team sein, das ihre Hinterlassenschaften untersucht.

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