Schottland Größter Wikingerschatz seit 150 Jahren entdeckt

Aufwendig verzierte Behälter aus Gold und Silber, Kreuze und Behälter aus Glas: Im Südwesten Schottlands hat ein Rentner einen Wikingerschatz entdeckt. Die Spuren der Relikte reichen bis nach Deutschland.


Ein einfacher Metalldetektor und etwas Ortskenntnis reichten einem Rentner, um auf einen Wikingerschatz zu stoßen. Im südschottischen Dumfriesshire fand Derek McLennan über hundert Gold- und Silberartefakte des Seefahrervolkes. Laut Expertenangaben handelt es sich um die größte und wichtigste Fundstelle von Wikingerspuren in Schottland seit dem 19. Jahrhundert.

Die bereits im September 2014 entdeckten Stücke sind mehr als tausend Jahre alt. Unter ihnen befindet sich ein massives Silberkreuz, das aus dem 9. oder 10. Jahrhundert stammen könnte. Außerdem fand McLennan einen silbernen Topf westeuropäischen Ursprungs, der wahrscheinlich bereits hundert Jahre alt war, als er in der Erde verschwand.

Ebenfalls unter den Fundstücken ist eine seltene Tasse aus Silber mit Tierverzierungen, die Fachleute in die Zeit des Heiligen Römischen Reiches datieren, und eine goldene Anstecknadel, auf der ein Vogel zu sehen ist. Der gesamte Schatz könnte einen sechsstelligen Betrag wert sein, berichtet die BBC.

International bedeutender Fund

Die Fundstelle war vorher bereits von Experten als potenzieller Fundort ausgemacht worden. Wie hoch der Wert des dort verborgenden Schatzes ist, ahnte aber niemand. Die Bedeutung des Fundes gehe über seine Größe und den materiellen Wert hinaus, meint Stuart Campbell vom National Museum of Scotland, das die Fundstücke beherbergt. Die Artefakte seien international bedeutend, weil die Materialien von ganz unterschiedlichen Orten stammten.

"Es gibt Schmuck aus Irland und Skandinavien, Glas aus Zentraleuropa und ein großartiges Gefäß der Karolinger, das noch vollständig freigelegt werden muss", sagt Campbell. Die Karolinger sind ein Herrschaftsgeschlecht der westgermanischen Franken, dessen bekanntester Vertreter Karl der Große war. Das Gefäß, das von ihnen stammt, gehört zu den größten bekannten seiner Art.

Spuren der kulturellen Entwicklung in Europa

Die aus Skandinavien stammenden Wikinger fielen zwischen dem 8. und 11. Jahrhundert immer wieder im heutigen Großbritannien ein. Wertvolle Mitbringsel aus der Heimat oder von anderen Orten vergruben sie, damit sie niemand finden konnte. Heute stoßen immer wieder Schatzsucher auf diese Hinterlassenschaften.

"Es gibt großartige Funde, auch wenn sie selten sind", sagt Campbell. Die Bandbreite der verwendeten Materialien sei erstaunlich. "Die Artefakte verraten uns viel über unsere Vergangenheit, die kulturelle Entwicklung und unsere Nationalgeschichte."

Im Jahr 2007 etwa wurde in Nordengland ein Wikingerschatz aus dem 10. Jahrhundert entdeckt. An die Bedeutung eines großen Fundes von 1840 kommt diese Entdeckungen aber nicht heran: Damals waren 8600 Stücke im Nordwesten England aus der Erde befördert worden.

Für McLennan war es bereits die zweite große Entdeckung in Schottland: 2013 hatte der Rentner zusammen mit einem Freund rund 300 mittelalterliche Münzen in der gleichen Gegend ausgegraben, in der er nun den Wikingerschatz ausfindig gemacht hat.

jme/Reuters



© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.