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Norwegen: Wanderer entdeckt Wikingerschwert

Wikingerschwert: Zufallsfund beim Wandern Fotos
Hordaland County Council

Rund 1250 Jahre lag es unter Steinen verborgen, nun hat ein Wanderer in Norwegen ein Wikingerschwert gefunden. Archäologen sind begeistert, weil es überraschend gut erhalten ist.

Eigentlich, so erzählen es jedenfalls die norwegischen Behörden, habe Gøran Olsen nur eine kleine Pause machen wollen. Der Mann sei auf einer Bergwanderung im Süden Norwegens unterwegs gewesen, als er bei einer Pause in der Gegend von Haukeli einen überraschenden Fund gemacht habe: An einer alten Verbindungsstraße fand er unter ein paar Steinen verborgen ein 77 Zentimeter langes Wikingerschwert in überraschend gutem Zustand.

In einer Pressemitteilung berichtet die Provinz Hordaland von der Sache. Gegenüber "CNN" sprach der zuständige Archäologe der Provinz, Per Morten Ekerhovd, von einem "ziemlich außergewöhnlichen Fund".

Abgeleitet aus seiner Länge und Form datieren die Fachleute das Schwert auf die Zeit zwischen 750 und 800. Die Form sei üblich für Westnorwegen in dieser Periode. Das Schwert sei eine teure Waffe gewesen, deren Besitzer seine Macht klar habe darstellen wollen. Am Universitätsmuseum in Bergen soll man sich nun um die Erhaltung des Schwerts kümmern.

Warten auf den Frühling

Das norwegische Magazin "The Local" und der britische "Guardian" zitieren die Archäologen aus der Region mit der Aussage, die Waffe könne heute noch benutzt werden - wenn man sie denn ein bisschen schleifen würde. Nur seinen Griff habe das Fundstück im Lauf der Jahrhunderte eingebüßt.

In der Gegend liegt mittlerweile bereits Schnee. Deswegen müssen sich die Wissenschaftler bis zum Frühjahr gedulden. Dann, so sagen sie, wollen sie am Fundort weitersuchen - in der Hoffnung, weitere Objekte oder gar ein Grab zu finden.

Im "Guardian" machte die Archäologin Alexandra Sanmark von der University of the Highlands and Islands in Schottland durchaus Hoffnung auf einen noch größeren Fund. Reichere Wikinger seien zum Teil mit Hunderten Objekten bestattet worden - von Waffen und Ausrüstungsgegenständen bis hin zu ihren Pferden.

Besonders bekannt ist das sogenannte Oseberg-Schiff. Es war 1904 auf einem Bauernhof am Oslofjord aufgespürt worden und ist in der norwegischen Hauptstadt in einem Museum zu bestaunen.

In den vergangenen Jahren sind in Norwegen immer wieder spektakuläre Funde gemacht worden - auch weil Gletscher durch den Klimawandel zurückweichen. Im Sommer 2011 war etwa das älteste bekannte Kleidungsstück Norwegens von einem Gletscher im Breheimen-Nationalpark freigegeben worden. Rund zwei Jahre später war die Tunika der Öffentlichkeit präsentiert worden.

Zu den weiteren Funden in der Gegend zählen ein Wikinger-Handschuh, ein verzierter Wanderstock, ein Schuh aus der Bronzezeit und Pfeilspitzen für die Rentierjagd. Die Provinzregierung von Hordaland berichtet aktuell noch vom Fund einer Gürtelschnalle für Wikingerdamen, die bis zu 900 Jahre alt sein könnte. Sie war von einem Sondengänger mit einem Metalldetektor aufgespürt worden.

Nicht an allen Funden sind übrigens die steigenden Temperaturen schuld. So spürte ein Bauer aus Sogndalsdalen an der norwegischen Westküste ein Handwerkergrab aus der Wikingerzeit auf - weil ihn die großen Steinplatten in seinem Garten störten.

chs

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Archäologische Methoden der Datierung
Radiokarbondatierung
Das radioaktive Kohlenstoffisotop C-14 wird in der Atmosphäre ständig durch kosmische Strahlung erzeugt und gelangt in Form von Kohlendioxid (CO2) in die Biosphäre. Pflanzen, die CO2 aufnehmen, werden von Tieren und Menschen gegessen. Sie enthalten eine niedrige Aktivität, die überall und über lange Zeiträume gleich ist. Stirbt ein Lebewesen, nimmt es kein C-14 mehr auf und die Aktivität klingt in 5730 Jahren um die Hälfte ab. Je älter ein Fund, desto geringer seine Aktivität. Man kann damit bis zu einem Alter von circa 50.000 Jahren datieren.
Lumineszenzdatierung
Sie beruht auf einem Strahlenschaden durch die fast überall vorhandenen radioaktiven Elemente Uran, Thorium und Kalium. Die Halbwertszeiten der Radionuklide dieser Elemente sind so lang, dass man von einem konstanten Radioaktivitätspegel ausgehen kann. Als Sensoren für die Strahlenschäden verwendet man meist Quarz und Feldspäte, die in Keramik und in Sedimenten immer vorhanden sind. Diese Minerale senden Licht aus, wenn sie erhitzt werden (Thermolumineszenz) oder beleuchtet werden (optisch stimulierte Lumineszenz). Je älter die Keramik, desto stärker das Leuchten.
Stratigraphie
Über die Stratigraphie wird das Alter eines Gegenstands anhand der Erdschicht bestimmt, in der er vorgefunden wurde. Die Schichten (lateinisch Straten) entstehen durch natürliche Ablagerungen und menschliche Aktivitäten. Die Stratigraphie kann deshalb gut mit den anderen Methoden kombiniert werden. Wurde beispielsweise ein Holzstück mit der C-14-Methode präzise datiert, kennt man auch das Alter eines Fundstücks, das in direktem Zusammenhang in derselben Erdschicht lag.


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