William und Kate bei Hamburger Forschern Die Royals gehören ins Museum!

Bei ihrem Besuch in Hamburg haben William und Kate mit jungen Meeresforschern gesprochen. Was bringt diese Art von wissenschaftlichem Speeddating?

William und Kate mit Forschern in Hamburg
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William und Kate mit Forschern in Hamburg

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Wäre wirklich gut, wenn die beiden Stahlseile jetzt halten. An ihnen hängt die "Wappen von Hamburg III" von der Decke, besser gesagt ein ausladendes Modell des Konvoischiffs aus dem 18. Jahrhundert. Und genau unten drunter stehen zwei der wichtigsten Gäste, die das Maritime Museum in Hamburgs Hafencity je hatte: Prinz William und seine Frau, Herzogin Kate.

Das Paar ist an diesem Freitagmittag hierher gekommen, um sich über die Arbeit junger Meeresforscher zu informieren. Vor der riesigen Reproduktion eines Bildes des Hamburger Malers Johannes Holst warten die Jungakademiker an drei Stehtischen. Drei Minuten hat jeder Wissenschaftler. Viel ist das nicht. Zumal auch noch Zeit für royale Fragen einzurechnen ist.

Auftritt William und Kate: Das Paar hat einen straffen Zeitplan. Keine lange Vorrede, Handschlag, los geht's.

Eine der Vortragenden ist Judith Elger vom Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel. "Drei Minuten sind sehr kurz", sagt auch sie - und ist doch froh über die Chance: "Es geht darum, aufzuzeigen, welche Rolle Wissenschaft spielt." Elger hat sich in der Framstraße vor Spitzbergen mit Methanhydraten beschäftigt, war dafür mit dem Forschungsschiff "Maria S. Merian" unterwegs.

Methanhydrate sind eine Art brennbares Eis. Es entsteht in den Weltmeeren, wenn Methangas und gefrorenes Wasser bei hohem Druck ganz besondere Kristalle bilden. Immer wieder mal werden Methanhydrate als Energieträger der Zukunft diskutiert.

Wer aber zum Beispiel Frank Schätzings Roman "Der Schwarm" gelesen hat, kennt noch eine andere, eher problematische Seite von Methanhydraten - und die hat mit Elgers Arbeit zu tun. Denn wenn die Vorkommen an Küstenhängen instabil werden, kann es zu riesigen Rutschungen kommen. Und die können zu Tsunamis führen.

Fragen und Anmerkungen für jeden

Eine prähistorische Hangrutschung hat Elger untersucht und berichtet ihren Besuchern davon. Sie hat eine Nachbildung aus Kunststoff mitgebracht, zeigt sie dem royalen Paar. William sieht - wenn er konzentriert zuhört -, ein wenig so aus, als habe er Zahnschmerzen. Er fragt nach: Wie viel Methanhydrat gibt es insgesamt am Meeresgrund? Was ist die größte Herausforderung in der praktischen Arbeit der Forscherin?

Kate zeigt mit einer Anmerkung sogar, dass sie den Zusammenhang zwischen Methanhydrat und der Stabilität des Meeresbodens durchaus kennt. Jede und jeder, der den beiden an diesem Tag vorträgt, bekommt Fragen und Anmerkungen von den beiden. Klar, das hat auch etwas mit Höflichkeit zu tun. Aber gelegentlich sicher auch mit Interesse.

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William und Kate in Deutschland: Die Royals sagen Tschüss

Was hat der gerade in der Antarktis abgebrochene Eisberg womöglich mit dem arktischen Meereis zu tun? (Nicht allzuviel.) Wie lange ist man bei einer Expedition auf dem Forschungsschiff? (Etwa vier Wochen im Fall der befragten Forscher.) Wie können Wissenschaftler ihre Erkenntnisse besser in der Öffentlichkeit präsentieren? (Zum Beispiel, indem sie statt mit Angaben wie "Gigatonnen CO2" mit Bildern arbeiten.)

So erfahren William und Kate von der Hamburgerin Zoé Rehder etwas über die Arbeit auf einer Forschungsstation im russischen Lenadelta, vom Kieler Marian Hu etwas über Flügelschnecken und was die Ozeanversauerung mit ihnen macht - und über Sedimentkerne vom Meeresboden vor Grönland, aus denen sich das Klima längst vergangener Zeiten rekonstruieren lässt.

Rebecca Jackson und Vasco Müller von der Bremer Forschungsgruppe ArcTrain Bremen berichten von ihrer Zeit auf dem Forschungsschiff "Maria S. Merian". Jackson hat einen der Sedimentkerne aus der Baffinsee mitgebracht, der Ablagerungen aus der Zeit vor etwa 13.000 Jahren enthält. In den fein geschichteten Ablagerungen lässt sich der Lauf der Jahre gut erkennen.

Der Prinz hat einen Abschluss in Geografie

Kate und William hätten gezielt um ein Treffen mit jungen Forschern gebeten, so ist es mehrfach zu hören an diesem Tag. Und auch, dass sich William im Rahmen seiner Masterarbeit an der Universität im schottischen St. Andrews mit Kaltwasserkorallen beschäftigt habe - also durchaus über einen Zugang zum Thema verfüge.

Testen Sie Ihr Wissen!

Tatsächlich hat William einen Abschluss in Geografie ("upper second class honours"). Die Korallen wuchsen vor der zu Mauritius gehörenden Insel Rodriguez im Indischen Ozean. Man kann sich natürlich trotzdem fragen, wie viel es bringt, Celebrities wie William und Kate einem solchen wissenschaftlichen Speeddating zu unterziehen.

Ständig bekommt das Prinzenpaar Informationen zu allen möglichen Themen. Bei ihrem Deutschlandbesuch von Straßenkinderhelfern, Kreativwirtschaftlern, Krebsforschern - und so weiter. Selbst bei besten Bemühungen werden die beiden nur Fragmente davon behalten können. "Ich weiß nicht, wie viel da hängen bleibt", sagt etwa Forscher Müller.

"Da war Interesse da"

"Das ist ein kurzer Termin, man darf ihn nicht mit Erwartungen überfrachten", bemüht sich auch Albert Gerdes um Vorsicht. Er kümmert sich im Konsortium Deutsche Meeresforschung um das gerade laufende Wissenschaftsjahr, in dem es auch um Meere und Ozeane geht. Gerdes hat einen Teil der Forscher angesprochen, die am Freitag im Hamburg ihre Arbeiten vorgestellt haben. "Für uns ist es wichtig, mit Entscheidungsträgern zu sprechen." Das Ganze sei "ein Puzzlestein in einem unendlich langen Bemühen, mit den Themen der Meere in die Öffentlichkeit zu gelangen".

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William und Kate: Cheers, ihr Royals!

Und tatsächlich: Die Royals gehören an diesem Freitagmittag genau hierhin. Das merkt man schnell. Sie gehören ins Museum. Denn sie scheinen wirklich etwas lernen zu wollen. "Da war Interesse da", sagt einer der jungen Forscher nach dem Treffen, "ich war überrascht", eine andere. Und noch jemand anderes: "Ich hatte das Gefühl, dass sie zugehört haben."

Was auch immer hängen bleibt, wird womöglich eben doch die Ansichten der beiden formen. In einem minimalen Teilaspekt eines Themas vielleicht. "Schaden kann es bestimmt nicht", glaubt Vasco Müller. Und persönliche Ansichten von Personen des öffentlichen Lebens haben sehr wohl reale Folgen.

Man denke an Donald Trump. Wenn der - nicht in erster Linie als US-Präsident, sondern als Twitterberühmtheit - über angeblich nutzlose Impfungen schreibt, beeinflusst das die Ausbreitung von Infektionen. Wenn der Papst sich in die Klimaverhandlungen einschaltet, macht das den entscheidenden Unterschied zwischen "Deal" und "kein Deal". Und so weiter.

Und auch, wenn die Besucher die Welt nicht retten, registriert die Öffentlichkeit immerhin, dass William und Kate sich in Hamburg für die Meeresforschung interessiert haben. "Man kann sich den Glamour-Faktor durchaus zunutze machen", meint Gerdes. "Der Informationsaustausch hat ja nicht nur unter uns stattgefunden", sagt Marian Hu. "Durch die Präsenz so prominenter Menschen wird die Wissenschaft in der Öffentlichkeit hervorgehoben."

insgesamt 23 Beiträge
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joG 21.07.2017
1. Irgendwie hat die Royal Family....
.....mit der Monarchin als Staatsoberhaupt etwas beruhigendes und verleiht ein Gefühl von Einheit, von gemeinsamer Geschichte und von Dauer. Das hat etwas, das fehlt bei den Staatstragenden Ernsten Blicken unserer ausgemusterten Politiker und Bürokraten auf dem hohen Stuhl. Auch diese haben eine Geschichte; jeweils eine eigene Geschichte im Streit um die Macht.
adal_ 21.07.2017
2. Werbeträger
Wieso gehören die Royals ins Museum? Sie sind erwiesenermaßen höchst effektive Werbeträger für UK. Warum auch immer die Medien rotieren, wenn irgendwo ein Royal auftaucht, Hauptsache, sie tun es, nämlich rotieren. . Die PR ist mit den Apanagen für die Windsors eindeutig unterbezahlt. :-)
Mondlady 21.07.2017
3. Ganzen Artikel lesen hilft!
Zitat von adal_Wieso gehören die Royals ins Museum? Sie sind erwiesenermaßen höchst effektive Werbeträger für UK. Warum auch immer die Medien rotieren, wenn irgendwo ein Royal auftaucht, Hauptsache, sie tun es, nämlich rotieren. . Die PR ist mit den Apanagen für die Windsors eindeutig unterbezahlt. :-)
Hab mich zunächst auch etwas über die "uncharmante" Überschrift gewundert; aber beim Lesen des gesamten Artikel war alles klar: "Sie wollen was lernen"!
windläufer 21.07.2017
4. Doppeldeutiger Titel
Zitat von adal_Wieso gehören die Royals ins Museum? Sie sind erwiesenermaßen höchst effektive Werbeträger für UK. Warum auch immer die Medien rotieren, wenn irgendwo ein Royal auftaucht, Hauptsache, sie tun es, nämlich rotieren. . Die PR ist mit den Apanagen für die Windsors eindeutig unterbezahlt. :-)
Hätten Sie den Artikel aufmerksam gelesen wüssten Sie warum die Royals in's Museum gehören.
Stäffelesrutscher 21.07.2017
5.
Tja, nochmal kurz gucken, was Europa so auf die Beine stellt, bevor das eigene Land sich verabschiedet ...
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