Winterzeit Zeitumstellung - das sollten Sie wissen

Die Uhren werden umgestellt - auf Winterzeit. Aber wie war das noch mal: vor oder zurück? Und was soll das Ganze eigentlich? Hier die Fakten.

Am Sonntag wird die Uhr umgestellt.
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Am Sonntag wird die Uhr umgestellt.

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Wie läuft die Umstellung von Sommer- auf Winterzeit ab?

In der Nacht vom 28. auf den 29. Oktober wird im gesamten Bundesgebiet die Zeit auf Winterzeit umgestellt. Die Atomuhr der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig sendet pünktlich zum Wechsel um 2:59 Uhr ein Zeichen. Dann springen zumindest die Funkuhren der Deutschen automatisch wieder auf 2:00 Uhr zurück. Auch Smartphones und Handys zeigen in der Regel ebenfalls automatisch die neue Uhrzeit an. Für alle, die manuell umstellen müssen, gilt: Es ist dann eine Stunde früher, die Zeiger der Uhr müssen zurückgedreht werden. Wir erleben die Stunde zwischen zwei und drei sozusagen doppelt.

Im Jahr 1884 einigte man sich im Deutschen Reich auf eine einheitliche Zeit, die Mitteleuropäische Zeit (MEZ). 1980 beschloss die Bundesregierung eine zweite Zeit einzuführen, die Mitteleuropäische Sommerzeit (MESZ). Seither muss man zweimal im Jahr daran denken, die Uhr umzustellen. Der Normalzeit wird regelmäßig im Frühjahr eine Stunde "geklaut". Seit 1996 gelten in der gesamten Europäischen Union einheitliche Regeln für die Sommerzeit: Am letzten Sonntag im März beginnt die Sommerzeit und am letzten Sonntag im Oktober endet sie.

Warum wurde die Sommerzeit eingeführt?

Schon Benjamin Franklin, US-Gründungsvater und Erfinder, forderte 1784, der natürlichen Tageshelligkeit mit einer Zeitumstellung entgegenzukommen. Doch erst die Ölkrise 1973 rüttelte die Weltgemeinschaft kurzzeitig wach. Energiesparen war das Gebot der Stunde. Die simple Idee hinter der Sommerzeit war: Ist es abends länger hell, muss man das Licht erst später anknipsen. Und so ist es auch im deutschen "Einheiten- und Zeitgesetz" festgehalten. Dort heißt es, die Einführung der Sommerzeit diene der "besseren Ausnutzung der Tageshelligkeit".

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Zeitumstellung: Niemand hat die Absicht, eine Sommerzeit einzuführen

Doch nicht alle Länder machen bei der Umstellung mit. Russland zum Beispiel bleibt bei der Normalzeit auch im Sommer. Bei elf verschiedenen Zeitzonen im Land muss man sich wahrscheinlich schon genug merken. Der Türkei hingegen war die künstlich eingeführte Sommerzeit so sympathisch, dass sie letztes Jahr beschloss, einfach dabei zu bleiben.

Bringt das was?

Nicht wirklich. Sowohl Energieverbände als auch das Umweltbundesamt geben an, dass die Rechnung nicht aufgeht. In den Sommermonaten wird wohl tatsächlich abends das Licht weniger häufig angeschaltet. Leider ist es im Frühling und Herbst aber recht kühl, wenn die Leute dann aufstehen müssen, und so wird mehr geheizt.

Erschwerend hinzu kommt, dass empfindliche Erwachsene und Kinder Zeitumstellungen nicht gut verkraften. Sie leiden unter Schlafstörungen und mangelndem Appetit. Auch Tiere belastet die Veränderung. Bauern können Melk- oder Fütterungszeiten nicht sofort anpassen.

Wie soll ich mir das merken?

Ministerpräsident Horst Seehofer soll schon mal eine Telefonkonferenz mit Angela Merkel verschlafen haben. Auch der Weckdienst der Telekom hat im Frühjahr 2001 seine Kunden eine Stunde zu spät geweckt. Das soll Ihnen nicht passieren, daher hier ein paar Tipps:

  • Wer liebt ihn nicht - den Sommer? Wenn man sich ihn als Orientierungspunkt nimmt, ist es eigentlich einfach: Im Frühjahr wollen wir so schnell wie möglich zu ihm, deshalb schalten wir die Uhren eine Stunde vor. Im Herbst hingegen, hätten wir ihn gerne wieder und stellen daher die Uhren zurück.
  • Da ja sowieso das Wichtigste für uns dabei das Mehr oder Weniger an Schlaf ist, kann uns auch dieser den Weg leiten. Im Frühjahr muss man FRÜHer aufstehen, im Winter kann man hingegen Winterschlaf halten.
  • Man kann es aber auch so sehen: Zeitumstellung ist wie alles im Leben. Man muss immer erst etwas (eine Stunde) geben, bevor man etwas (eine Stunde) zurückbekommt. Oder: Zuerst verliert man etwas, dann findet man es wieder.


insgesamt 51 Beiträge
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Seite 1
längerhell 27.10.2017
1.
Wer die Sommerzeit abschaffen möchte, sollte sich auch bewusst werden, dass es dann im August schon wieder um 8 Uhr dunkel wird. Ich persönlich möchte die Sommerzeit nicht missen. Gerade in der Übergangszeit wirkt sich die Stunde Abends länger hell deutlich aus. Zusätzlich würde es ohne Sommerzeit im Juni/juli schon teilweise um 03:30 Uhr hell werden.
deraushh 27.10.2017
2. weg damit
mich würde es freuen, wenn die Sommerzeit endlich wegfällt. Die bringt nix und niemand hat dadurch ein Vorteil. Und sich beklagen, dass es bereits um acht Uhr dunkel wird..... echt jetzt.... Meine Kinder zB. haben Wochenlang mit der Sommerzeit zu kämpfen und sind daher in der Schule total müde. Deren innerlichen Uhr funktioniert noch sehr gut und für die ist die Stunde unterschied spürbar (7 Uhr anstatt 8 Uhr).
fucus-wakame 27.10.2017
3. Referenzzeit
Mir sei die Anmerkung gestattet, dass das Gegenteil der Sommerzeit die Normalzeit ist. Der Begriff Winterzeit ist sachlich falsch.
fahrgast07 28.10.2017
4. Aber Jetlag schadet nicht?
Komisch, über Jetlag beklagt sich keiner, wir jetten gerne durch die Welt. Aber über die Zeitumstellung wird gejammert? Sie trifft ohnehin nur Leute mit regelmäßigen Terminen. Schulkinder oder Arbeiter sind betroffen. Aber Ältere Menschen? Welcher Rentner bitte hat täglich den gleichen Termin? Dass es ohne Zeitumstellung aber dunkler wäre, wird gerne verschwiegen. Wieviel mehr Unfälle gäbe es, wären wir im Winter alle bei morgendlicher Dunkelheit unterwegs? Bitte denkt mal drüber nach.
sonntagsberg 28.10.2017
5. Winterzeit
Es gibt keine Winterzeit bei uns sondern lediglich MEZ (Normalzeit) und MEZ+1 (Sommerzeit).
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