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Wirkungslose Pillen: Vitamine schützen nicht vor Herzkrankheiten

Von wegen gut für die Gesundheit: US-Forscher haben in einem Langzeitversuch geprüft, ob Vitaminpräparate Herzkrankheiten verhindern können - und dafür keine Belege gefunden. Im Gegenteil: In machen Fällen scheint es sogar negative Folgen zu geben.

Mit einer kleinen Tablette jeden Tag etwas für den eigenen Körper tun - das klingt verlockend. Vitaminpillen zur Nahrungsergänzung liegen deswegen im Trend. In den USA sind die Präparate fast schon Grundnahrungsmittel, und auch hierzulande sind sie äußerst beliebt. US-Forscher haben sich nun angesehen, ob die Vitamine C und E in der Praxis tatsächlich einhalten, was die Werbung oft verspricht - und die Ergebnisse sind wenig positiv.

Vitaminpillen: "In wirtschaftlich schwierigen Zeiten können die Menschen Geld sparen, wenn sie Nahrungsergänzungsmittel nicht kaufen"
Corbis

Vitaminpillen: "In wirtschaftlich schwierigen Zeiten können die Menschen Geld sparen, wenn sie Nahrungsergänzungsmittel nicht kaufen"

Eine Forschergruppe um Howard Sesso vom Brigham and Women's Hospital in Boston hat über einen Zeitraum von zehn Jahren knapp 15.000 männliche Mediziner untersucht, alle waren mehr als 50 Jahre alt. Zum Studienstart im Jahr 1997 wurden sie in vier Gruppen eingeteilt. Eine erhielt Vitamin E (400 international units alle zwei Tage), die zweite Vitamin C (500 Milligramm pro Tag). Beiden wurde zur Kontrolle jeweils eine Gruppe zur Seite gestellt, die lediglich ein Placebo bekam.

Rund fünf Prozent aller Untersuchten hatte bereits zu Beginn des Studienzeitraums eine Herzkrankheit. Während der achtjährigen Beobachtung kamen dann insgesamt 1245 Fälle von akuten Herz- und Gefäßerkrankungen hinzu. Manche der beteiligten Mediziner waren sogar mehrfach betroffen, heißt es in der Studie, die im "Journal of the American Medical Association" erschienen ist.

Allerdings zeigte sich kaum ein Unterschied zwischen den vier Gruppen, berichten die Forscher um Howard Sesso. Herzinfarkte oder Todesfälle in Zusammenhang mit Herzerkrankungen seien gleich häufig aufgetreten, unabhängig davon, welche Präparate eingenommen wurden. Allerdings erhöht Vitamin E offenbar das Risiko einer Hirnblutung, so die Forscher. In der Gruppe, die Vitamin-E-Präparate einnahm, habe es insgesamt 39 solche Fälle gegeben, in der entsprechenden Placebo-Gruppe nur 23.

Dass die Studie nur an Männern mittleren und höheren Alters durchgeführt wurde, halten die Forscher nicht für problematisch. Die Ergebnisse seien so klar, dass sie auch bei Frauen, ethnischen Minderheiten und der Anwendung anderer Vitamin-Darreichungsformen Bestand haben dürften, erklärten die Forscher. "In diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten können die Menschen vielleicht ein bisschen Geld sparen, wenn sie diese Nahrungsergänzungsmittel nicht kaufen", erklärten sie.

Britische Forscher hatten in der vergangenen Woche Hinweise veröffentlicht, wie das Risiko eines Todes durch Herzinfarkt - zumindest statistisch gesehen - mit einem gesünderen Lebensstil halbiert werden kann. Die Wissenschaftler hatten vier Faktoren bewertet: Den größten Erfolg verspreche ein verringerter Cholesterinwert, gefolgt von dem Verzicht auf das Rauchen. Auch bei Blutdruck- und Blutzuckersenkung hatten die Wissenschaftler von positiven Effekten berichtet.

Ihre wichtigste Aussage: Selbst wer sein Leben nur ein kleines bisschen gesünder lebt, senkt sein Herzinfarktrisiko deutlich. Ganz ohne Pillen.

chs/AP

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