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Berühmter Wissenschaftler: Wolfsforscher Werner Freund gestorben

Forscherlegende: Werner Freund füttert am 14.08.2012 junge Wölfe in seinem Wolfspark in Merzig (Saarland) mit Weintrauben Zur Großansicht
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Forscherlegende: Werner Freund füttert am 14.08.2012 junge Wölfe in seinem Wolfspark in Merzig (Saarland) mit Weintrauben

Er war eine Ikone der Wissenschaft und der Gründer des Wolfsparks von Merzig: Der saarländische Wolfsforscher Werner Freund ist gestorben. Er hinterlässt ein beeindruckendes Lebenswerk.

Der saarländische Wolfsforscher Werner Freund ist tot. Er starb am Sonntag im Alter von 80 Jahren nach kurzer schwerer Krankheit, wie die saarländische Stadt Merzig am Montag mitteilte.

Freund hatte zusammen mit seiner Frau Erika vor rund 30 Jahren den Wolfspark in Merzig aufgebaut, der heute als Markenzeichen der Stadt gilt. Der gebürtige Hesse lebte mit den Tieren zusammen und schrieb mehrere Bücher über sie. "Werner Freunds Tod hat uns alle sehr tief getroffen", sagte Bürgermeister Marcus Hoffeld. Ihm verdanke Merzig den Namen "Stadt der Wölfe".

Freund begann seine Karriere Anfang der 1950er Jahre als Aushilfe im Stuttgarter Zoo. Nach seiner Zeit bei der Bundeswehr beschäftigte sich Freund viele Jahre vor allem mit Bären, bevor er in den siebziger Jahren einen in Jugoslawien gefangenen Wolf in einer Merziger Tierhandlung erstand.

Mit Wölfen im Gehege

Bald danach baute er den Wolfspark in Merzig auf, in dem heute europäische, sibirische und arktische Wölfe leben. Um den scheuen Tieren näherzukommen und ihr Verhalten zu studieren, lebte, schlief und heulte Freund mit ihnen zusammen im Gehege. Etliche Welpen zog er mit seiner Frau Erika per Hand groß und gewöhnte sie so durch direkten Kontakt an den Menschen. Immer wieder warb Freund für mehr Verständnis für die oft als "böser Wolf" verteufelten Tiere.

Seine Mission zeigt Wirkung - die Deutschen haben die Furcht vor Wölfen anscheinend verloren. Trotz vieler Vorurteile gegen Wölfe freuen sich einer Umfrage zufolge 71 Prozent der Bundesbürger über die Rückkehr der Raubtiere nach Deutschland. Nur 15 Prozent stehen dem Wolf kritisch gegenüber, heißt es in einer Erhebung, die im Auftrag der Naturschutzorganisation WWF erstellt wurde.

Auch in Sachsen, wo sich vor gut 14 Jahren das erste Rudel wieder angesiedelt hatte, sind mit 58 Prozent die Wolfs-Befürworter in der Mehrheit. Trotzdem zeigt die geringere Rückendeckung laut WWF die Notwendigkeit, sich gerade in den ländlichen Wolfsregionen weiter um die Akzeptanz der Bevölkerung zu bemühen. In Sachsen sollen Wölfe Unfälle verursacht haben. Anderswo haben sie Tiere gerissen. In manchen Regionen wird hitzig über Wölfe diskutiert.

Mythos vom bösen Wolf

Dennoch ist offenbar der Mythos vom bösen Wolf auf dem Rückzug: Laut Umfrage haben 82 Prozent der Deutschen keine Ängste in Bezug auf die Rückkehr der Wölfe. 13 Prozent finden diesen Umstand nach wie vor beunruhigend. Zugleich sieht knapp die Hälfte der Befragten (48 Prozent) Deutschland nur unzureichend auf die Rückkehr der Wölfe vorbereitet.

In Deutschland war der Wolf Mitte des 19. Jahrhunderts ausgerottet. Im Jahr 2000 siedelte sich ein aus Polen eingewandertes Wolfspaar in Sachsen an und zog erstmals seit rund 150 Jahren wieder Welpen in Deutschland auf. Mittlerweile leben in Brandenburg und Sachsen mehrere Rudel, einzelne Tiere bewegten sich auf ihren Wanderschaften schon bis Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Hessen, Rheinland-Pfalz, Bayern, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein.

Wölfe sind streng geschützt. Das verdanken sie auch dem Lebenswerk des saarländischen Wolfsforschers Werner Freund.

boj/dpa/AFP

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insgesamt 27 Beiträge
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1. RIP Herr Freund
ralfkochlöffel 10.02.2014
Damit hat Deutschland einen der besten Wolfsexperten verloren .
2. Vor zwei Jahren...
Edgard 10.02.2014
... haben wir den Wolfspark in Merzig besucht und Werner Freund auch persönlich kennengelernt. Auf meine Frage warum die Zäune um die einzelnen Gehege so hoch seien antwortete er: "Die Zäune sind nicht wegen der Wölfe..." - es hatten wohl Menschen versucht die Wölfe mit vergiftetem Futter zu töten. Wir haben tiefste Achtung und Respekt vor Menschen wie Werner Freund und seine Frau und möchten unser tiefstes Mitgefühl ausdrücken. Wir hoffen sehr daß sich Menschen finden die Werner Freunds Lebenswerk fortsetzen - und daß der Wolf bei uns in Mittel- und Westeurope wieder heimisch wird.
3. Mutig und unerschrocken
maperli 10.02.2014
Als ich im Oktober 1952 im Stuttgarter Zoo Wilhelma eine Tierpfleger-Lehre begann, ist Werner Freund dort Raubtierwärter gewesen und hat mich in den folgenden Jahren ungezählte Male mit seinem Wagemut und seiner Unerschrockenheit in hochgefährlichen Situationen nachhaltig beeindruckt. Und auch mit seinem oft magisch anmutenden, erstaunlich "guten Draht" zu allen Tieren, mit denen er es jeweils zu tun bekam.
4. Ein Verlust.
darthanton 10.02.2014
Ein jeder Freund der Wölfe ist ein Verlust. Vor allem wenn man sich so mit Leib und Seele um diese prachtvollen Tiere kümmert. Wobei seine Art ja leider auch nicht unumstritten war bzw. ist. Wolffreunde, die mal in Spanien verweilen, denen möchte ich hier den "LOBO-Park" bei Malaga mal ans Herz legen. Dieser -von einem deutschen Geführten-Wolfpark ist auch eine hochinteressante und artgerechte Einrichtung.
5.
steffen_schmidt 10.02.2014
Ich meine das ist von Konfuzius: "Wähle einen Beruf, den Du liebst und Du mußt Dein Leben lang nicht mehr arbeiten." Ich glaube, das könnte Werner Freund geglückt sein. Gut, dass er da war. Und ich denke er hat was erreicht...
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