WM im Kopfrechnen Der Weltmeister der Zahlen

In zehn Minuten zehn zehnstellige Zahlen addieren, in fünf Minuten aus einer Folge von Zahlen die jeweils nächstgrößere Primzahl bestimmen: Das waren zwei von sechs Aufgaben, die Kopfrechner in Gießen lösen mussten. Weltmeister der Zahlen wurde Titelverteidiger Robert Fountain.


Gießen - Taschenrechner waren nicht zugelassen, Rechenschieber auch nicht, nicht einmal ein Blatt Papier und ein Stift: Bei der Kopfrechen-Weltmeisterschaft waren überhaupt keine Hilfmittel erlaubt. 25 Rechenmeister von drei Kontinenten stellten sich dieser Herausforderung - doch keiner war so gut wie der amtierende Weltmeister: Robert Fountain hat seinen Titel als bester Kopfrechner der Welt verteidigt; der 37 Jahre alte Kernphysiker aus Großbritannien ist der Sieger der zweiten Weltmeisterschaft im Kopfrechnen.

Auf Platz 2 in der Gesamtwertung landete der Niederländer Jan van Koningsveld, auf Platz 3 folgte der Rechenkünstler Gert Mittring aus Bonn. Der 40-Jährige hatte im August bei der Mind Sports Olympiade in London zum dritten Mal hintereinander die Goldmedaille im Kopfrechnen gewonnen.

Alle 26 WM-Teilnehmer mussten Aufgaben in sechs Kategorien lösen (in Klammern jeweils der Sieger):

  • Addition: in zehn Minuten zehn zehnstellige Zahlen addieren (Jorge Arturo Mendoza Huertas, Peru)
  • Multiplikation: in 15 Minuten zwei achtstellige Zahlen multiplizieren (Alberto Coto Garcia, Spanien)
  • Wurzelziehen: in 15 Minuten die Quadratwurzeln aus zehn sechsstelligen Zahlen ziehen und sie auf fünf Stellen nach dem Komma genau bestimmen (Robert Fountain, Großbritannien)
  • Kalenderrechnen: in einer Minute mehreren beliebigen kalendarischen Daten aus den Jahren zwischen 1600 und 2100 den Wochentag zuordnen (Matthias Kesselschläger, Deutschland)
  • Überraschungsaufgabe I: in fünf Minuten Brüche subtrahieren und addieren
  • Überraschungsaufgabe II: in fünf Minuten aus einer Folge von Zahlen die jeweils nächstgrößere Primzahl bestimmen

Am Vortag hatten viele der Kopf-Sportler in einem "Show-Rechnen mit Weltrekordversuchen" ihre Fähigkeiten vor Publikum präsentiert. Der Spanier Ramon Campayo, der nicht an der Weltmeisterschaft teilnahm, stellte dabei am Freitag einen neuen Rekord im Schnell-Lernen von Binärzahlen auf: Innerhalb nur einer Minute merkte er sich 50 Ziffern und verbesserte die bestehende Bestmarke damit um zwei Ziffern. Der eigentliche Wettbewerb am Samstag fand ohne Zuschauer statt.

Insgesamt gingen 26 Akteure, darunter fünf Frauen, an den Start. Austragungsort der Kopfsport-WM war das Gießener "Mathematikum", das erste und vermutlich einzige mathematische Mitmach-Museum der Welt. Die jüngste Teilnehmerin war die neunjährige Kinjal Divesh Shah aus Indien, der älteste Akteur war der 67 Jahre alte Willem Bouman aus den Niederlanden.

Vor zwei Jahren gab es die Premiere dieser außergewöhnlichen Weltmeisterschaft. Damals waren im erzgebirgischen Annaberg-Buchholz - der einstigen Wirkungsstätte des deutschen Rechenmeisters Adam Ries (1492 - 1559) - 17 Teilnehmer aus elf Ländern gegeneinander angetreten. Silke Betten aus dem ostfriesischen Wiesmoor war seinerzeit die einzige Frau: Sie wurde Dritte in der Kategorie Kalenderrechnen. Die heute 21-Jährige nahm auch in diesem Jahr an der Weltmeisterschaft im Kopfrechnen teil.

fba/ddp/dpa



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