Wrack vor Griechenland Skelett in "Titanic der Antike" entdeckt

Es ist ein äußerst seltener Fund: In einem vor mehr als 2000 Jahren gesunkenen Schiff haben Forscher menschliche Knochen aufgespürt. Das Wrack hatte zuvor schon aus anderen Gründen Berühmtheit erlangt.

AP/ ARGO/ The Greek Culture Ministry

Der Fund vor der griechischen Küste ist eine kleine Sensation. Vermutlich 2000 Jahre alt sind die menschlichen Knochen, die Archäologen in einem Schiffswrack nahe der Insel Antikythera entdeckt haben. Am 31. August habe man das Skelett bei einem Tauchgang aufgespürt, berichtet die Woods Hole Oceanographic Institution. Das Wrack gilt wegen seiner Größe als "Titanic der Antike" und ist zudem berühmt für den sogenannten Antikythera-Mechanismus. Der mysteriöse Apparat war schon vor mehr als 100 Jahren geborgen worden.

Nun ist überraschend ein Skelett dazu gekommen. Knochenfunde im Meer sind äußerst selten, meistens werden die Leichen weggespült oder von Fischen gefressen. Selten bleiben sie über Jahrzehnte erhalten, noch seltener über Jahrhunderte. "So etwas kannten wir bisher nicht", sagte Brendan Foley der Webseite "Nature News". Er ist Meeresarchäologe an dem privaten Forschungsinstitut in Massachusetts und leitet die Untersuchung in Griechenland.

Land muss DNA-Test zustimmen

Die Forscher hoffen, dass sie von den Knochen DNA-Proben entnehmen können. Diese würden womöglich Hinweise auf die Identität des Skeletts liefern - und auch über das antike Handelsschiff, das vermutlich in einem Sturm zwischen 85 und 60 vor Christus sank.

"Die Knochen sehen nicht so aus, als wären sie 2000 Jahre alt", sagte Hannes Schroeder, Experte für die Analyse alter DNA am Dänischen Museum für Naturkunde. Erfreulich sei, dass am Schädel noch das sogenannte Felsenbein erhalten sei - ein Knochen, der das Innenohr umschließt. Darin werde das Erbgut zumeist besser erhalten als in anderen Skelettteilen oder Zähnen.

Die griechische Regierung muss nun einem DNA-Test noch zustimmen. Die Wissenschaftler erhoffen sich davon Informationen über die Haar- und Augenfarbe sowie die Abstammung und die geographische Herkunft des Toten.

Zunächst kaum beachtet

Das Wrack des Handelsschiffes in fast 50 Metern Tiefe war im Jahr 1900 von Schwammtauchern entdeckt worden. Das Schiff hatte wertvolle Statuen an Bord. Einem unscheinbaren Klumpen korrodierten Metalls schenkten die Archäologen zunächst keine größere Beachtung. Als er im Athener Museumsarchiv aber zerbrach und Zahnräder zum Vorschein kamen, erkannten die Forscher, dass sie den wohl ältesten bekannten Computer entdeckt hatten - den Mechanismus von Antikythera.

Fragmente des Antikythera-Mechanismus
AFP/ ANTIKYTHERA MECHANISM RESEARCH PROJECT

Fragmente des Antikythera-Mechanismus

Bekannt ist mittlerweile, dass man mit der Maschine Mond- und Sonnenfinsternisse vorhersagen konnte und auch den Zeitpunkt sportlicher Wettkämpfe innerhalb des vierjährigen Olympia-Zyklus. Laut einer Studie aus dem Jahr 2014 ist der aus Dutzenden Bronzerädern bestehende Mechanismus wohl älter als zuvor angenommen. Der Antikcomputer stamme aus dem Jahr 205 vor Christus, berichten Forscher. Er wäre damit 50 bis 100 Jahre älter als bislang gedacht.

Welche Rolle spielte Archimedes?

Mit der neuen Altersbestimmung des mysteriösen Räderwerks stellte sich auch die Frage nach seinen Schöpfern neu. Vor allem rückte sie das griechische Genie Archimedes wieder in den Fokus. Zwar kommt Archimedes als Erbauer weiterhin nicht infrage, denn er starb im Jahr 212 vor Christus. Doch womöglich hat der Grieche wichtige Vorarbeiten geleistet.

Dies legt auch ein Bericht des römischen Politikers und Philosophen Cicero nahe. 212 vor Christus wurde Archimedes nach der Belagerung der Stadt Syrakus auf Sizilien von einem römischen Soldaten getötet. Laut Cicero wurden danach zwei mechanische Planetarien nach Rom gebracht, die von Archimedes stammen sollten. Die von Cicero beschriebenen Planetarien könnten, so die Hypothese, Vorstufen zum Mechanismus von Antikythera gewesen sein.

Das Antikythera-Wrack

hda/AFP



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