Ausgegraben

Ausgegraben - Neues aus der Archäologie Versunkene Schiffe, vergessene Sprachen

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2. Teil: +++ Dürre brachte das Ende der sumerischen Sprache +++

Tontafel mit sumerischem Text: Jahrhunderte der Dürre Zur Großansicht
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Tontafel mit sumerischem Text: Jahrhunderte der Dürre

Es war kein einzelner trockener Sommer, der den Sumerern zu schaffen machte. 200 bis 300 Jahre Dürre herrschten in dem sonst fruchtbaren Land zwischen Euphrat und Tigris, wie Forscher inzwischen annehmen. In Folge der andauernden Trockenheit vor etwa viertausend Jahren starben viele Menschen - und die sumerische Sprache.

Zu diesem Ergebnis kommt der Geologe Matt Konfirst vom Byrd Polar Research Center an der Ohio State University, der seine Forschungen auf dem Jahrestreffen der American Geophysical Union präsentierte.

Die sumerische Kultur entstand vor etwa 5500 Jahren in Mesopotamien. Die Sumerer erfanden die Keilschrift, das Rad und das Bogengewölbe. In ihrer Sprache wurde das erste bekannte epische Gedicht der Weltliteratur aufgeschrieben: das Gilgamesch-Epos. Am Ende aber standen 200 bis 300 Jahre lange gesellschaftliche Unruhen, bevor die Kultur um 2000 v. Chr. verschwand - und kurz darauf auch die Sprache.

Die geologischen Zeugnisse machen deutlich, wie die Umwelt der Sumerer während dieser Zeit des Niederganges aussah. Sowohl im Roten als auch im Toten Meer stieg die Verdunstung, der Wasserstand im Vansee fiel ab. Bohrkerne zeigen, dass die Luft voller Staub gewesen sein muss. In den zwei bis drei Jahrhunderten, in denen der Regen oft ausblieb und das Wasser verdunstete, ging es mit der Kultur der Sumerer rapide bergab. Rund 74 Prozent der Siedlungen wurden aufgegeben, die bewohnte Fläche verringerte sich um 93 Prozent. Marodierende Nomadenstämme fielen über die Hauptstadt Ur her. Sumerisch sprach bald keiner mehr. Nur als tote Sprache der Gelehrten lebte es noch rund 2000 Jahre lang weiter - ähnlich dem Lateinischen im Mittelalter. Der Zusammenfall von sozialen Unruhen und Bevölkerungsschwund mit dem geologischen Nachweis einer Dürre legen nahe, dass die Veränderung des Klimas in der Region eine Rolle beim Aussterben des Sumerischen spielte, meint Geoforscher Konfirst.

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johnnybongounddie5goblins 10.12.2012
pfzt 10.12.2012
Emil Peisker 10.12.2012
zila 10.12.2012
alBab 10.12.2012
johnnybongounddie5goblins 10.12.2012
freundblase 10.12.2012
pfzt 10.12.2012
kalumeth 10.12.2012
samcampbell 10.12.2012
satissa 11.12.2012
Thagdal 11.12.2012
johnnybongounddie5goblins 11.12.2012
Emil Peisker 11.12.2012
yakk 27.12.2012
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