Wüstenstrom Die Sonne über der Sahara löst das Energieproblem

Unerschöpflicher Strom aus der Wüste Nordafrikas, klimafreundlich erzeugt von gigantischen Spiegelkraftwerken. Deutsche Firmen wollen diese Vision Wirklichkeit werden lassen - doch noch sind einige Hürden zu nehmen.

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Jeder, der einmal mit einer Lupe Löcher in Papier gebrannt hat, versteht das Konzept sofort: Gebündelte Sonnenstrahlen sind konzentrierte Energie. Denselben Effekt kann man auch mit Parabolspiegeln erreichen, um Wasser zu erhitzen und mit Dampf Turbinen anzutreiben, die wie ein Fahrraddynamo Strom erzeugen.

Solarthermie nennt man diese Form der Energiegewinnung, oder auch Concentrated Solar Power (CSP). Nicht zu verwechseln mit Photovoltaik, die mit Solarzellen arbeitet, welche aus Sonneneinstrahlung direkt Strom erzeugen.

Parabolrinnen-Kraftwerk "AndaSol 1": Low-tech, seit Jahrzehnten erprobt
DPA

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Um mit Spiegeln Strom zu erzeugen, muss man dahin gehen, wo die Sonne ständig scheint: nach Nordafrika, in die Sahara. Dort regnet es förmlich Energie - ungenutzt. "In sechs Stunden geht auf die Wüsten der Erde so viel Sonnenenergie nieder, wie die gesamte Menschheit innerhalb eines Jahres verbraucht", sagt Gerhard Knies. Er hat das Desertec-Konzept mit entwickelt, seit Jahren kämpft er mit Gleichgesinnten für seine Vision. Und die geht so: In der Sahara baut man riesige Spiegelkraftwerke, erzeugt umwelt- und klimafreundlich Strom und exportiert ihn.

"Es ist die Lösung unseres Energieproblems", sagt Knies.

Wenn Gerhard Knies seine Vision präsentiert - und er hat dies in den vergangenen Jahren oft getan - beobachtet man unter den Zuhörern meistens immer die gleichen Reaktionen: Faszination. Dann Sprachlosigkeit. Und dann eine immer wiederkehrende große Frage:

Warum tut man es nicht einfach?

"Schon in den achtziger Jahren hat man Solarthermie-Kraftwerke in den US-Bundesstaaten Kalifornien und Nevada gebaut", erzählt Hans Müller-Steinhagen vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Er hat im Jahr 2005 das Desertec-Konzept auf Machbarkeit geprüft und genauere Kostenkalkulationen angestellt. "Die Kraftwerke waren eine Reaktion auf die ersten beiden Ölkrisen."

Die Kraftwerke laufen heute noch - ohne Probleme. Aber sie sind in Vergessenheit geraten. "Öl wurde nach den Ölkrisen wieder gnadenlos billig, keiner interessierte sich danach mehr für Solarthermie", sagt Müller-Steinhagen.

Die goldenen Zeiten sind vorbei, der Ölpreis steigt unaufhörlich, die Reserven gehen zur Neige. Auch bei der Kohle sehen Experten den Zeitpunkt der maximalen Förderung bald erreicht.

Nun offenbar ist die Zeit des Handelns gekommen: Ein Konsortium von 20 deutschen Firmen hat sich zusammengetan, um Desertec zu verwirklichen. Es sind keine Start-ups, keine Mittelständler, sondern Schwergewichte der deutschen Wirtschaft: Die Deutsche Bank, die Münchener Rück, Siemens und RWE wollen in die Wüstensonne investieren. Und es ist anzunehmen, dass weitere große Energieproduzenten ebenfalls mit an Bord sind.

Will man sich wirklich von Nordafrika abhängig machen?

Das Ziel: 15 Prozent des gesamteuropäischen Strombedarfs sollen bis zum Jahr 2050 solarthermisch erzeugt werden. Die Gesamtkosten dafür belaufen sich laut DLR-Kalkulation auf 400 Milliarden Euro. Nicht pro Jahr, sondern bis zum Jahr 2050. Allerdings nicht inflationsbereinigt - die Endsumme wird höher ausfallen.

Nun endlich wird gehandelt - aber bezeichnenderweise tut es nicht die Politik, sondern die Konzerne. Nicht, um die Klimakatastrophe zu stoppen, sondern um ihr Geschäftsmodell zu erweitern, oder wie bei Stromgiganten, um es zu sichern. "Nun ist der Leidensdruck offenbar hoch genug", sagt Müller-Steinhagen. "Man hat erkannt, dass die Energiepreise weiter steigen werden, dass fossile Energieträger endlich sind." Die Energiekonzerne sehen in Desertec eine Erweiterung ihres Kerngeschäfts, so Müller-Steinhagen. "Sie wollen auch in 50 Jahren noch Strom bereitstellen, nur eben anders als heute."

Das aber zwingt sie zu neuen und nicht unbedingt willkommenen Partnerschaften: Tunesien, Marokko, Libyen, Sudan, Algerien, Ägypten, Palästina, Israel, Jordanien und Jemen heißen die Länder, in denen man Solarthermie-Kraftwerke errichten müsste. Dort gibt es viel Sonne, aber wenig politische Stabilität. Das schreckt Investoren ab und wird gemeinhin von Desertec-Kritikern ins Feld geführt. Will man seine Energieversorgung wirklich von solchen Ländern abhängig machen?



Forum - Öko-Strom - schafft Deutschland die Energiewende?
insgesamt 13053 Beiträge
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Seite 1
founder 18.07.2008
1. Was soll sonst die weltweiten Energieprobleme lösen
Zitat von sysopIn diesem Jahr soll Deutschlands erster Meeres-Windpark ans Netz gehen. Kann Ökostrom das weltweite Energieproblem lösen?
Nur mit Sonne und Wind gibt es ausreichend Energie. Lithium als der Energiespeicher für den Tag/Nacht Ausgleich Wasserstoff als der Energiespeicher für den Sommer/Winter Ausgleich Es ist absolut nicht nötig die Erdölländer anzuwinseln wie der letzte Junkie auf Entzug seinen Dealer anwinselt (http://politik.pege.org/2008/oelkonferenz-140.htm). Frau Merkel hat offensichtlich vergessen, was Sie am 13. Sptember 2007 auf der IAA in Frankfurt (http://politik.pege.org/2007-forum-d/angela-merkel-co2-auto.htm) getan hat. Deswegen mußte ich Ihr schon eine Gedächtnisstütze (http://politik.pege.org/2008-d/gedaechtnisstuetze.htm) geben Erdöl kann mit Strom ersetzt werden, hier die Tabelle über den jeweiligen Aufwand (http://wohnen.pege.org/2008-energie/oel-ersetzen.htm) Man kann heute schlüsselfertige Photovoltaikfabriken kaufen (http://wohnen.pege.org/2008-intersolar/photovoltaikfabriken.htm). Ein Interview mit Applied Materials ergab: Mein im Szenario Kriegswritschaft (http://wohnen.pege.org/2008-energie/kriegswirtschaft.htm) angestrebter Ausbau der Weltproduktion auf 1000 GW pro Jahr in wenigen Jahren ist machbar.
rolli 18.07.2008
2.
Zitat von sysopIn diesem Jahr soll Deutschlands erster Meeres-Windpark ans Netz gehen. Kann Ökostrom das weltweite Energieproblem lösen?
Wir haben doch viel grössere Probleme als die Energiewende. Wie schafft es die CDU 40+x % zu bekommen, wie grenzt sich die SPD gegen die Linke ab und wie verschleiere ich eine Verschlechterung als einen guten Kompromiss. Energiewende? Warum Wende? Wie immer: Die Menschen werden längst die Wende geschafft haben, bevor die Politik auch nur das Priblem erkennt. Ich gebe founder recht: Wir werden das schaffen.
xebudig 18.07.2008
3. Im Prinzip Ja - aber von ein paar Illusionen muss man sich trennen
Ein Mensch der auch nocht Rechnen kann statt schöne Worte zu machen, hat hier die alternativen zusammen getragen. http://www.withouthotair.com/ Ach ja, mit Photovoltaik wird es nicht funktionieren. Man muss schon in ein bißchen größeren Maßstäben und Deutschland hinaus denken. Aber unsere Oköfreaks können ja nicht einmal über ihren Vorgarten hinaus denken. Allen die keine mathematischen Analphabeten sind kann man das Buch nur empfehelen.
EchtKroko 18.07.2008
4. Geiz ist geil, rechnen doof
Photovoltaik, Solarthermie und Holzzentralheizung funktioniert bei mir - seltsamerweise sehr gut. Mein Lap und der Desktop laufen von morgens bis abends.... K
founder 18.07.2008
5. Warum es nicht funktioniert kannst Du sicher vorrechnen
Zitat von xebudigEin Mensch der auch nocht Rechnen kann statt schöne Worte zu machen, hat hier die alternativen zusammen getragen. http://www.withouthotair.com/ Ach ja, mit Photovoltaik wird es nicht funktionieren. Man muss schon in ein bißchen größeren Maßstäben und Deutschland hinaus denken. Aber unsere Oköfreaks können ja nicht einmal über ihren Vorgarten hinaus denken. Allen die keine mathematischen Analphabeten sind kann man das Buch nur empfehelen.
Warum es nicht funktioniert kannst Du sicher vorrechnen Und nachher schauen wir uns mal an wer der Analphabet ist.
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