Wunderlich Iren wollen Perpetuum Mobile vorführen

Ein irisches Unternehmen will einen Mechanismus entwickelt haben, der Strom aus dem Nichts erzeugt - und damit die Energieprobleme der Welt auf einen Schlag lösen würde. Jedoch stellt die These die Gesetze der Physik in Frage. Technikfans starren auf die Webseite, auf der das Wunder demonstriert werden soll.

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Und es bewegt sich ... nicht. Zunächst einmal jedenfalls nicht. Das Orbo-System, mit dem Sean McCarthy und seine Kollegen auf einen Schlag die größten Probleme der Menschheit lösen wollen, macht Zicken. Schon am 4. Juli wollte das Unternehmen Steorn aller Welt mit einer öffentlichen Demonstration beweisen, dass man das angeblich Unmögliche geschafft hat: ein Perpetuum Mobile zu bauen, einen Mechanismus, der Energie aus dem Nichts erschafft. Bastler und Phantasten jagen diesem Traum seit Jahrhunderten nach.

Entsprechend groß war die Enttäuschung, entsprechend bitter der globale Hohn als auf der Steorn-Webseite, die eigentlich per Webcam einen digitalen Blick auf das Bewegungswunder gewähren sollte, dieser Satz erschien: "Wir haben technische Schwierigkeiten mit unserem Demonstrationsgerät in London." Es läge vermutlich an der "intensiven Hitze durch die Kamerabeleuchtung", ließen die Autoren der Webseite weiter wissen.

Vier verschiedene Kameras sind auf das Wunderding gerichtet, das laut McCarthy "bis zu 400 Prozent Effizienz" liefern soll - also viermal so viel Energie auswerfen, wie man hineinsteckt. Alle vier Kameras zeigten am Donnerstagvormittag dann seltsamerweise ein Livebild des "London Eye", des Riesenrads an der Themse, das sich zwar auch dreht, aber ganz sicher dabei keinen Strom produziert.

Weltweit hatten vor allem Technikfans mit einer Mischung aus vorauseilendem Ekel und verschämter Hoffnung auf die Demonstration gewartet, die von einem Londoner Museum für kinetische Kunst aus in alle Welt übertragen werden sollte. Von "Slashdot" bis "Engadget" von "Wired" bis zum "Inquirer" berichtete die Geek-Presse. Es gibt ein eigenes Blog zur Steorn-Beobachtung, und ein paar irische und internationale Zeitungen vermeldeten ebenfalls die bevorstehende Demonstration des Unternehmens - das einst Sicherheitssysteme für Geldautomaten entwickelte.

Das Plexiglasrad steht still

Am Donnerstagnachmittag schien es dann tatsächlich so weit zu sein: Die vier Kameras zeigten ein Bild von einem Plexiglaskasten, in dem ein Plexiglasrad aufgestellt war. Drumherum standen Computermonitore, deren Screensaver bunte, bewegte Muster auf den Bildschirm zauberten, so dass deutlich zu erkennen war, dass es sich hier wirklich um ein Bewegtbild handelte. Nur das Plexiglasrad, auf das die Kameras zeigten, bewegte sich nicht.

Was man eigentlich hätte sehen sollen, wurde einem Reporter des britischen "Guardian" schon im vergangenen Jahr einmal persönlich vorgeführt: "Es gibt eine Testanordnung mit Rädern und Zahnrädern und vier Magneten, die sehr sorgfältig angeordnet sind, um die maximale Spannung zwischen ihren Feldern und einem anderen Magneten zu erzeugen, der an einem gegenüberliegenden Punkt befestigt ist. Ein Motor dreht das Rad, an dem die Magneten befestigt sind, ein Computer macht 28.000 Messungen pro Sekunde. Die Magneten wirken natürlich aufeinander. Und als alles vorbei ist, sagt uns der Computer, dass aus dem System dreimal so viel Energie herausgekommen ist, wie man hineingesteckt hat."

Es gibt viele Gründe, die für Skepsis gegenüber Steorn sprechen: Zwar wurden angeblich - mit einer sündhaft teuren ganzseitigen Anzeige im britischen Wochenmagazin "Economist", die im vergangenen Jahr für viel Wirbel sorgte - 22 internationale Top-Forscher angeworben, um das System unabhängig zu begutachten. Wer diese Wissenschaftler aber sein sollen, ist bis heute nicht zu erfahren. Man habe gegenseitige Verschwiegenheitsabkommen unterzeichnet, heißt es. McCarthy und seine Mitstreiter sprechen von privaten Investoren - woher das Geld jedoch tatsächlich stammt, ist nicht zu erfahren. Eine Aufstellung der Finanzen auf der Firmenseite weist jedenfalls Verluste von mehreren Millionen Euro aus.



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