Zahi Hawass Ägyptens Chef-Archäologe aus dem Amt gekegelt

Viele Jahre hütete Zahi Hawass unangefochten Ägyptens Altertümer. Doch mit dem Aufstand in Ägypten geriet seine Karriere ins Schlingern. Jetzt hat der Archäologe seinen Ministerposten verloren - das zweite Mal in diesem Jahr.

Zahi Hawass (Archivbild vom 12. April 2011): Ministerposten verloren
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Zahi Hawass (Archivbild vom 12. April 2011): Ministerposten verloren


Kairo - Seit dem Aufstand in Ägypten verläuft die Karriere des weltbekannten Archäologen Zahi Hawass im Zickzack. Nun ist der Altertumsminister erneut seinen Posten in der Regierung los - er hat das Ministeramt damit schon zweimal in diesem Jahr verloren.

Hawass musste am Sonntag seinen Posten räumen, als Ministerpräsident Essam Scharaf mehrere Minister aus dem Kabinett entließ. Scharaf reagierte damit auf eine Forderung der Demonstranten, die keine Mitglieder des gestürzten Regimes von Husni Mubarak in der Übergangsregierung dulden wollten.

Ein ehemaliger Mitarbeiter von Hawass sagte der Nachrichtenagentur dpa, dieser werde künftig kein öffentliches Amt mehr bekleiden, sondern sich der Forschung widmen. Sein Nachfolger soll Abdulfattah al-Banna werden. Diese Entscheidung führte am Montag zu einem Aufschrei in ägyptischen Archäologenkreisen. Beamte drohten mit Streik und Rücktritt. Es sei eine Beleidigung für sie, unter einem so schlecht qualifizierten Minister zu arbeiten, sagten sie ägyptischen Medien.

Als Generalsekretär der ägyptischen Antikenverwaltung hütete Zahi Hawass seit vielen Jahren die Schätze des Landes. Ende Januar wurde der Archäologe zudem Altertumsminister. Die Nähe zum alten Regime von Mubarak kostete Zahi Hawass im März seinen Ministerposten, aber nicht lange. Der ägyptische Ministerpräsident Essam Scharaf ernannte den 63-Jährigen Ende März wieder zum Minister für Altertümer.

Hawass war bei ausländischen Ägyptologen, deren Grabungstätigkeit von seinen Genehmigungen abhing, gleichermaßen beliebt wie verhasst. Einerseits kritisierten sie seine effekthascherische, eitle Art und seine gelegentlichen Ungenauigkeiten bei der Präsentation von Forschungsergebnissen. Andererseits lobten sie, dass er durch seine One-Man-Show das Interesse des Laienpublikums für ihr Fach geweckt und gewusst habe, wie man Geld für Forschung und Museen an Land zieht.

"Er war der Mubarak der Archäologie"

Doch junge Archäologen und Studenten protestierten gegen Hawass: Sie warfen ihm Korruption vor - und dass er zu viel Aufmerksamkeit auf sich selbst lenkte. Der Ägyptologe gilt als schillernder Selbstdarsteller, gern setzte er sich mit einem Hut, der stark an den des Filmhelden Indiana Jones erinnert, vor Mumien und Sarkophagen in Szene.

"Er war der Mubarak der Archäologie", sagt Nora Shalaby, selbst Archäologin und eine der Aktivistinnen. "Er benahm sich, als würden die Antiquitäten ihm gehören und nicht den Ägyptern."

Auf der anderen Seite wird Hawass allerdings zugute gehalten, dass er durch seine Auftritte das Interesse an Ägyptens Altertümern weltweit geschürt hat.

Im April verurteilte das Strafgericht im Kairoer Stadtteil Giza den Ägyptologen wegen Missachtung eines früheren Gerichtsurteils in einem Landstreit zu einem Jahr Haft und Zwangsarbeit. Zudem muss Hawass 10.000 ägyptische Pfund (etwa 1600 Dollar) zahlen. Hawass sagte unmittelbar nach dem Prozess, er werde den Schuldspruch anfechten. Bis zum Berufungsprozess wird das Urteil nicht vollstreckt.

wbr/dapd

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