Zahnfäule Nasenspray soll gegen Karies impfen

Karies gilt als eines der am weitesten verbreiteten Zivilisationsleiden. Forscher haben jetzt eine neue Methode zur Bekämpfung der Zahnfäule entwickelt: Eine Impfung per Nasenspray, die ab dem Kindesalter schützt.


Zahnkaries ist eine Infektionskrankheit, die hauptsächlich durch das Bakterium Streptococcus mutans verursacht wird. Die Mikroorganismen siedeln sich im Zahnbelag an und produzieren aus Zucker Säuren, die den Zahn angreifen. In den Industrieländern leiden nach Zahlen der Weltgesundheitsorganisation WHO 60 bis 90 Prozent der Schulkinder und die meisten Erwachsenen an Karies.

Kinder bei der Zahnputz-Schulung: Nasenspray soll vor Karies schützen
DPA

Kinder bei der Zahnputz-Schulung: Nasenspray soll vor Karies schützen

Auch in den Entwicklungsländern nimmt die Häufigkeit von Karies rasant zu. Besonders stark beeinträchtigt durch die Zahnkrankheit sind die Kinder der ärmsten Länder der Welt. Sie leiden aufgrund der vereiterten und faulen Zähne unter chronischen Schmerzen und werden oft stigmatisiert.

Wissenschaftler sind im Kampf gegen Karies jetzt vielleicht einen großen Schritt weitergekommen: Sie haben ein Nasenspray zur Impfung gegen Karies entwickelt. Der Impfstoff regt die Schleimhäute zur Produktion von Antikörpern an, die der Vermehrung der kariesverursachenden Bakterien vom Typ Streptococcus entgegenwirken, schreiben Martin Taubman vom Forsyth Institute in Boston und David Nash von der University of Kentucky im Fachblatt "Nature Reviews Immunology"  (Online-Vorabveröffentlichung).

Die Forscher hatten zuvor wichtige Bestandteile der Streptokokken identifiziert, die beim Menschen eine Immunantwort auslösen - und damit einen möglichen Ansatzpunkt einer Vorbeugung gefunden. Erste Impfversuche an Tieren seien erfolgreich verlaufen: Das Spray habe die Produktion von Antikörpern angeregt und so die Schlüsseleiweiße gehemmt, die die Bakterien für ihre Vermehrung benötigten.

Taubman und Smith vermuten, der größte Erfolg werde mit der Impfung von etwa einjährigen Kindern erzielt, deren Zähne bereits hervorguckten, aber noch nicht von Streptokokken besiedelt seien. "Zu diesem Zeitpunkt ist das Immunsystem der Kinder genügend entwickelt, um Antikörper zu produzieren, welche die Vermehrung von Streptococcus mutans und damit auch die Produktion der zerstörerischen Säuren verhindern", erklärt Taubman.

Denn hätten sich die Bakterien erst einmal auf den Zähnen angesammelt, würden zwar Antikörper gebildet, diese könnten jedoch das Faulen der Zähne nicht aufhalten. Das Nasenspray sei die beste Form der Verabreichung: Einerseits werde das Lymphgewebe bestmöglich stimuliert, wodurch Antikörper beispielsweise in den Speichel abgegeben werden. Andererseits sei ein Nasenspray bei Kleinkindern einfach anzuwenden.

mbe/ddp



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