Zahnfunde Moderner Mensch lebte bereits vor 45.000 Jahren in Europa

Moderne Menschen haben Europa früher besiedelt als angenommen. Datierungen von Zähnen und Knochen aus Süditalien und Großbritannien zeigen, dass sich unsere Vorfahren schnell über dem Kontinent ausbreiteten. Sie gewannen zudem einen Kunst-Wettstreit.

Stefano Benazzi

Hamburg - Unsere Vorfahren verloren keine Zeit. Sie wanderten schneller nach Europa als gedacht. Wissenschaftler haben Knochen und Zähne aus Großbritannien und Italien neu datiert. Die Messungen zeigen, dass der älteste bekannte Europäer vor rund 44.000 Jahren in Apulien im Südosten Italiens lebte - also vor rund 1500 Generationen.

Es war die Zeit, als der moderne Mensch - der Homo sapiens - mit dem Neandertaler konkurrierte. Bisher glaubten Forscher, dass der moderne Mensch erst vor etwa 40.000 Jahren nach Europa kam, als der Neandertaler schon fast ausgestorben war. Die neuen Studien zeigen, dass der Homo sapiens offenbar schnell die Vorherrschaft in Europa übernommen hatte; mindestens 5000 Jahre lebten beide gleichzeitig auf dem Kontinent.

Zwei Milchzähne, die 1964 in der Grotta del Cavallo in Apulien gefunden wurden, galten als Beweis für die Fortschrittlichkeit und Begabung des Neandertalers - denn in der Höhle lagen auch Steinwerkzeuge und Muschelschmuck. Doch die neuen Studien zeigen nun, dass vermutlich der moderne Mensch für das Handwerk verantwortlich ist - er konnte den lange diskutierten Kunst-Wettstreit also nun wohl für sich entscheiden.

Ab auf die Insel

Forscher um Stefano Benazzi von der Universität Wien untersuchten die Zähne mit einem dreidimensionalen Computermodell. Sie verglichen die Funde mit Zähnen moderner Menschen und von Neandertalern. Die Ergebnisse wiesen beide Zähne aus der Grotta del Cavallo als Milchzähne von Kindern aus, die eindeutig zu den anatomisch modernen Menschen gehören, schreiben die Experten im Wissenschaftsmagazin "Nature". Die Uluzzien-Kultur mit ihren handwerklichen Errungenschaften sei also dem modernen Menschen zuzuordnen.

Der Kontakt zwischen den beiden Lebensformen sei womöglich intensiver gewesen als bisher angenommen, erklärte Gerhard Weber, Leiter des Departments für Anthropologie der Universität Wien: "Es gab genug Zeit für einen Austausch."

Auch die anderen Beweisstücke für die neuen Datierungen lagen seit vielen Jahrzehnten im Museumsarchiv: Ein Unterkiefer des modernen Menschen aus der Kent-Höhle in der englischen Grafschaft ist bis zu 10.000 Jahre älter als gedacht. Britische Forscher haben die Zähne anhand radioaktiver Substanzen nun auf ein Alter von rund 43.000 Jahren datiert. Ihre Studie, die nun ebenfalls in "Nature" erschienen ist, zeigt, wie rasch sich der moderne Mensch in Europa ausgebreitet hat: Zur gleichen Zeit, als er in Süditalien Schmuck fabrizierte, siedelte er bereits ebenfalls in Großbritannien.

boj/dpa

insgesamt 25 Beiträge
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Seite 1
Gebetsmühle 03.11.2011
1. schöne ergebnisse, echt spannend
Zitat von sysopModerne Menschen haben Europa früher besiedelt als angenommen. Datierungen von Zähnen und Knochen aus Süditalien und Großbritannien zeigen, dass sich unsere Vorfahren schnell über dem Kontinent ausbreiteten. Sie gewannen zudem einen Kunst-Wettstreit. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,795500,00.html
ich bin mir ziemlich sicher, dass dieses datum irgendwann noch weiter nach hinten verschoben wird. das ist ein erneuter meilenstein in der erforschung der menschheit. und wieder mal stehn die kreazionisten ziemlich dumm da. man sollte bei diesen beweisen auch endlich mal anerkennen, dass die menschheit doch weit älter ist als es die teologen glauben.
eiju 03.11.2011
2. Vereister Forschungsstand
Mehr Funde sind leider nur bedingt zu erwarten, da die letzten Eiszeiten so ziemlich alles gründlich abgeräumt haben. Höhlen sind die meiste Zeit des Jahres zu kalt, windig, feucht, gern mal von Tieren mit großen Zähnen bewohnt und der Rauch eines Feuers zieht schlecht ab. Wir können also davon ausgehen, daß die damaligen Menschen dort nicht dauerhaft gewohnt haben und Höhlen deshalb nur einen bedingt repräsentativen Charakter haben. Übrigens: Da wir Europäer nun alle auch ein wenig Neandertaler sind und Darwins "survival of the fittest" durchaus seine Berechtigung findet, ist die Diskussion über die Ausrottung oder Verdrängung des Neandertales recht einseitig. Immerhin scheint ja auch der frühe homo sapiens die Begegnung nicht ganz "artenrein" überstanden zu haben...
Marginalius 03.11.2011
3. So ein Quatsch!
Zitat von sysopModerne Menschen haben Europa früher besiedelt als angenommen. Datierungen von Zähnen und Knochen aus Süditalien und Großbritannien zeigen, dass sich unsere Vorfahren schnell über dem Kontinent ausbreiteten. Sie gewannen zudem einen Kunst-Wettstreit. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,795500,00.html
Ist doch alles Quatsch. Wie kann der Mensch schon vor 45.000 Jahren gelebt haben, wenn Gott die Erde doch erst vor etwas mehr als 6.000 Jahren erschaffen hat? Das ist unmöglich. Diese Wissenschaftler sind alle Lügner und dumm und tun alles, um sich wichtig zu machen und Forschungsgelder abzugreifen. Wer die Ironie findet, darf sie behalten. Viele Grüße
peterbruells 03.11.2011
4. Alter Schwede
Zitat von Gebetsmühleich bin mir ziemlich sicher, dass dieses datum irgendwann noch weiter nach hinten verschoben wird. das ist ein erneuter meilenstein in der erforschung der menschheit. und wieder mal stehn die kreazionisten ziemlich dumm da. man sollte bei diesen beweisen auch endlich mal anerkennen, dass die menschheit doch weit älter ist als es die teologen glauben.
Warum? Wir wissen doch, dass der moderne Menschen noch ein paar Jahrzehntausende mehr auf dem Buckel hat, nur eben in Afrika, wo die Hauptlinie herkommt. Dass er nun etwas früher in Europa nachgewiesen wurde als vorher gedacht, wird Kreationisten nicht weiter interessieren.
olleolaf 03.11.2011
5. ---
Das ist alles gut gemacht. Haben die Forscher eine Stellungnahme des Vatikan angefordert?
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