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Delfine: Fossiler Zahnwal navigierte mit Echolot

Zahnwal Cotylocara macei: Für die Echoortung typische Schädelmerkmale Zur Großansicht
Carl Buell

Zahnwal Cotylocara macei: Für die Echoortung typische Schädelmerkmale

In trübem Wasser und zur Jagd orientieren sich Delfine und andere Zahnwale per Ultraschall. Entstanden ist diese besondere Navigarionsform bereits vor 28 Millionen Jahren, wie fossile Knochen eines Urahnen der Tiere verraten.

Zahnwale orientieren sich wahrscheinlich schon seit Millionen Jahren mit einer Art Echolot. Darauf weise ein rund 28 Millionen Jahre altes Skelett eines Zahnwals (Odontoceti) hin, berichten US-Forscher in der Fachzeitschrift "Nature". Das Fossil gehöre zu einer bis dahin unbekannten Gattung. Typische Merkmale des Schädels wiesen darauf hin, dass das Tier sich mit Echolot orientiert habe.

Schädel des Zahnwals Zur Großansicht
James Carew/ Mitchell Colgan

Schädel des Zahnwals

Das im US-Bundesstaat South Carolina gefundene Fossil mit dem wissenschaftlichen Namen Cotylocara macei zeige für die Echoortung typische Schädelmerkmale wie einen dichten, dicken und nach unten gerichteten Schnauzenknochen, asymmetrische Strukturen und einen außergewöhnlich breiten Oberkiefer.

Als die Wissenschaftler um Jonathan Geisler vom New York Institute of Technology College of Osteopathic Medicine zusätzlich die Stammesgeschichte des Fossils untersuchten, zeigte sich: Wohl schon die Vorfahren des gefundenen Wals verfügten über eine Art Echolot. Das sei zwar noch eine unvollständige Vorform gewesen, aber schon bei den Ahnen des Zahnwals seien die Gesichtsmuskeln vergrößert gewesen, die für die Echoortung zuständig sind. Auch der Schädel der habe bereits begonnen, sich zu verändern. Vom frühen Oligozän vor gut 33 Millionen Jahren an sei nach und nach das Erscheinungsbild der noch heute vorkommenden Zahnwale entstanden.

Ultraschall aus der Nase

Die Echoortung sei für Zahnwale wie Delfine, Pott- und Schweinswale vor allem in dunklem, trübem Wasser zur Orientierung und bei der Beutejagd wichtig, schreiben die Forscher. Dabei senden die Tiere Schallwellen aus, die von der Umgebung reflektiert werden. Wenn das Echo wieder aufgenommen wird, zeichnet das Gehirn ein Bild der Umgebung.

Die sogenannte Melone, ein linsenförmiges Gebilde in der Stirn der Tiere, fokussiert dafür meist im Ultraschallbereich liegende Laute, die von den Walen in den Nasengängen erzeugt werden. Die von der Beute zurückgeworfenen Schallwellen werden in ölgefüllten Aushöhlungen des unteren Kieferknochens empfangen und zum Ohr und Gehirn weitergeleitet. Mit diesem Echolot können die Tiere die Entfernung eines Objekts, seine Größe, Form und selbst die Oberflächenstruktur bestimmen.

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jme/dpa

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