Blutnacht von Jekaterinburg Zar Alexander III. wird exhumiert

1918 erschossen Bolschewiken die russische Zarenfamilie in Jekaterinburg. Ihre sterblichen Überreste werden nun exhumiert. Gab es eine Verwechslung?

DPA/ ITAR-TASS

Die Blutnacht von Jekaterinburg besiegelte das Ende von neun Jahrhunderten Zarenherrschaft im Russischen Reich. Bereits im Februar 1917 musste Nikolaus II. abdanken. In der Nacht zum 17. Juli 1918 ermordeten Bolschewiken in Jekaterinburg, 1500 Kilometer östlich von Moskau, den gestürzten russischen Zaren Nikolaus II. und seine gesamte Familie.

Opfer waren Nikolaus' deutschstämmige Gattin Alexandra, der junge Thronfolger Alexej und die vier gemeinsamen Töchter. Auch vier Bedienstete der Zarenfamilie wurden getötet. Der Mord an der russischen Zarenfamilie beschäftigt bis heute Kriminalisten und Historiker.

Im Zuge einer neuen Untersuchung sollen nun die sterblichen Überreste von Alexander III., des Vaters von Nikolaus II., exhumiert werden. Das Grab in der Peter-und-Paul-Kathedrale in St. Petersburg solle aufgrund einer Anfrage der Kirche geöffnet werden, meldete die Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf einen Vertreter der Untersuchungskommission. Demnach sollen die Arbeiten nicht vor Mitte November beginnen.

Zweifel an der Authentizität

Bereits im September waren Nikolaus II. und seine Frau Alexandra exhumiert worden, die ebenfalls in der Peter-und-Paul-Kathedrale liegen. Ermittler wollen genetische Tests vornehmen. Denn es gibt den Verdacht, bei den Überresten handelte es sich gar nicht um die Zarenfamilie.

Eine erste Untersuchung war im Jahr 2009 nach mehr als 15 Jahren durch die Kommission beendet worden, nachdem es keine nennenswerten Fortschritte gegeben hatte. Im Jahr 2010 erklärte ein Gericht diese Entscheidung für nicht rechtens.

Im Juli forderte die orthodoxe Kirche in Russland, in der die gesamte Zarenfamilie Romanow als heilig verehrt wird, eine Wiederaufnahme der Ermittlungen. Sie hatte lange Zeit Zweifel an der Authentizität der Leichen geäußert und wollte die Ergebnisse von Erbguttests nicht anerkennen.

Die Leichen der Zarenfamilie und ihrer Bediensteten waren 1918 verbrannt und eilig vergraben worden. 1991 wurden die Überreste des Zaren Nikolaus II., seiner Frau und ihrer Töchter Olga, Tatjana und Anastasia in einem Massengrab in Jekaterinburg entdeckt.

1998 wurden sie in St. Petersburg bestattet. Die mutmaßlichen Überreste der Kinder Alexej und Maria wurden 2007 in 70 Kilometern Entfernung von den übrigen Familienmitgliedern gefunden. Die Regierung will alle sieben zusammen beisetzen - sofern es sich tatsächlich um die Zarenfamilie handelt.

boj/AFP

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insgesamt 49 Beiträge
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Seite 1
klyton68 26.10.2015
1. Und selbst wenn
Ist das nicht auch egal? Und wenn die Zatenfamilie Schnaps gebrannt hat oder Marihuana in Posemuckel angebaut hat. Es bleibt ein Umstand. Warum sollen einige Wenige von Geburt an, besser sein als andere? Mit dem Anspruch über den Rest herrschen zu dürfen?
Rubyconacer 26.10.2015
2. Interessante Geschichte
unsere europäische Geschichte. Viele ehemalige Herrscher waren miteinander verwandt oder z.B. ist das englische Königshaus ein deutsches Adelsgeschlecht. Auch, dass sich die Qieen Viktoria uber ihren Neffen (den deutschen Kaiser) lustig machte, wegen seines verkrüppelten Armes und er daher mit Uniformsucht und Militariaspielchen reagierte. Alles superspannend.
behemoth1 26.10.2015
3. Ich verstehe das nicht
Bevor man die Zarenfamilie bestattet hatte, da hatten doch Wissenschaftler eindeutig nachgewisen, dass alles in Ordnung sei und nun auf einmal Zweifel, darf man dann nichts mehr als voll hinnehmen?
behemoth1 26.10.2015
4. Schon wieder
Ich dachte, dass hatte man einst sehr ordentlich gemacht, oder wurde gefuscht?
desertcruiser 26.10.2015
5. Tragisches Ereignis
Die Bemühungen in dieser Sache zeigen, daß Rußland auf dem richtigen Wege ist, die nationale Identität und seine Geschichte wiederzufinden.
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